Advanced Photo System
Das Advanced Photo System (APS) ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Canon, Fujifilm, Kodak, Minolta und Nikon. Es wurde 1996 vorgestellt und besteht aus speziellen Kameras und speziellen Filmen die nicht mit dem Kleinbildsystem kompatibel sind. APS bringt dem Anwender Vorteile bei der Handhabung durch ein Patronensystem mit fehlersicherem Einlegesystem und Vorteile bei der Bildqualität durch Kommunikation zwischen Kamera, Film(patrone) und Minilab. Es sollte der große Schlager der 1990er in Sachen Benutzerfreundlichkeit werden und gleichzeitig dem Fotomarkt neue Impulse geben. Auch die Anbindung an neue Technologien, wie zum Beispiel den Computer war in Form von eigenen APS-Scannern vorgesehen.

Die Industrie hatte sich damals eine Menge vorgenommen aber bereits der Start war ein klein wenig verunglückt. Nach der Präsentation gab es keine Kameras zu kaufen und wenn welche verfügbar waren, dann sicher nicht die preiswerten Massenmodelle sondern die teureren Oberklassemodelle. APS war und ist auch beim Fotohandel nicht sonderlich beliebt. Teilweise zu unrecht haben viele Händler behauptet APS wäre immer schlechter als 35mm-Kleinbildsysteme.
September 2002 / überarbeitet Februar 2009 und Oktober 2011

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Es gab aber auch Vorteile beim Advanced Photo System, die eigentlich fast niemand sehen wollte. Das Filmeinlegen ist bei APS wirklich einfach und wahrscheinlich der größte Pluspunkt an diesem System. Der kleinere Film machte auch kleinere Kameras möglich. Eine ausgewachsene APS-Spiegelreflexkamera war wesentlich kleiner als ein 35mm-Spiegelreflexmodell. Canon und Nikon haben solche System im Angebot gehabt und wer bereit gewesen ist, eine schöne Summe in APS zu investieren, wurde mit feinsten Spiegelreflexsystemen belohnt. Teilweise konnte man an der APS-SLR sogar die Objektive vom Kleinbildsystem verwenden. Andere Hersteller, wie zum Beispiel Fujifilm oder Olympus, gingen einen anderen Weg und haben Kameras gebaut, die für damalige Verhältnisse ein Superzoom (37-150mm als KB-äquivalent) eingebaut hatten.

APS war das erste System, zu dem es Kameras gab, die einen Wechsel von teilbelichteten Filmen ohne Bildverlust geschafft haben. Midroll-Change hat gut funktioniert und man war auf Reisen in der Lage tagsüber mit einem ISO-100-Film und abends mit einem ISO-400-Film aufzunehmen. Es gab drei Filmformate mit 1:3 (Panorama), 2:3 (Classic) und 16:9 (Highdefinition) Seitenverhältnissen. Jeder APS-Film hat eine eigene Bildnummer. Bei der Entwicklung war Standard, daß Bildnummer und Filmnummer auf der Rückseite eines jeden Bildes aufgedruckt wurden. Man konnte so einzelne Bilder relativ leicht zuordnen wenn man sein Archiv einigermaßen geordnet hat.
Das Advanced Photo System hatte (und hat) seine Beschränkungen und seine Stärken, auch wenn das einige Fotoenthusiasten nicht wahrhaben wollen. Es ist eine Tatsache, daß APS bei der Verarbeitung eigenes Equipment braucht. Die Negativentwicklung kann zwar in den üblichen Durchlaufentwicklungsmaschinen erfolgen, weil es ein System von 'Zwischenpatronen' ermöglicht, den unentwickelten Film lichtdicht aus seiner Originalpatrone in die Zwischenpatrone umzuspulen. Diese wird dann in einen normalen Durchlaufprozessor eingelegt und schon ist der APS-Film entwickelt. Die Investitionen für diese Adapterlösung haben sich in Grenzen gehalten, teurer waren aber die Modifikationen an Minilabs um den entwickelten Film auch printen zu können. Da wurden dann teure Spezialfilmbühnen notwendig und die wollte man als Finisher zwar nicht kaufen, man kam aber nicht umhin und nahm die Anschaffung eben in Kauf.

Ein weiteres Problem waren die verglichen mit 35mm-Kleinbildfilm geringere Auflösung und die engeren Toleranzen bei der Verarbeitung. Fehler in der Verarbeitungskette haben sich sehr schnell bemerkbar gemacht und die Folge waren Bilder, die nicht gut ausgesehen haben. Auf der Anwenderseite war ein schwerwiegender Faktor das Aufnahmegerät. Nachdem man das Advanced Photo System etabliert hatte, gab es sehr bald nicht nur Einsteiger-, Mittelklasse- und Oberklassemodelle, es folgte eine nahezu unendliche Anzahl an Billigmodellen mit grottenschlechten Objektiven und einfachster Ausstattung. Völlig klar, daß die Ergebnisse aus solchen Kameras für Enttäuschung gesorgt haben.
Zum Advanced Photo System hat es früher ein reichhaltiges Filmsortiment gegeben. Farbnegativfilme gab es mit ISO 100, 200, 400 und 800, es hat auch einen schwarz/weiß-Film von Kodak und einen Fujichrome-Diafilm von Fujifilm gegeben. Mittlerweile ist das Filmangebot auf Farbnegativfilme mit ISO 200 geschrumpft. Auf dieser Homepage gibt es zwei Galerieseiten, die mit einer APS-Kamera fotografiert wurden. Die Links gibt es oberhalb von diesem Absatz.



Epilog: Das Advanced Photos System ist im Frühjahr 2011 von der Fotoindustrie ohne große Vorankündigungen eingestellt worden. Als fadenscheinige Begründung wurde das Erdbeben von Fukushima in Japan vom März des selben Jahres angegeben, bei dem angeblich die einzige Fabrik zur Herstellung der Kunststoff-Filmpatronen zerstört worden ist. Das dürfte aber nur der Vorwand für das Aus gewesen sein, denn eine Fabrikation für Plastikspritzgußteile ist relativ schnell wieder eingerichtet, wenn man das will. Eher wahrscheinlich ist, daß sich alle Beteiligten möglichst schnell von einem niemals geliebten Kind verabschiedet haben. Das große Wehklagen der letzten Benutzer war in diesem Fall auch nicht mehr zu befürchten, denn gegen Naturgewalten ist sogar die Fotoindustrie machtlos und daher für das Ende des Advanced Photo System (scheinbar) nicht verantwortlich zu machen. APS hat bis zuletzt eine treue Fangemeinde, meist in der Altersklasse 50-plus, gehabt, die nun schön langsam ihre Kameras wird ausmustern müssen. Filme sind nur mehr als Restposten zu haben und wenn es kein Filmmaterial mehr gibt, wird auch die Ausarbeitung und elektronische Verarbeitung immer spärlicher verfügbar. Viele Serviceleistungen rund um das Advanced Photo System gibt es in Wien z.B. im Fuji Foto Center (www.fujifotocenter.at), Filme sind aber auch hier keine mehr erhältlich. Trotzdem sehr empfehlenswert, wenn man z.B. sein APS-Filmarchiv einscannen lassen will.
Heute, Anfang 2009, ist das Advanced Photo System praktisch tot, auch wenn man nach wie vor Filme kaufen kann und das Filmmaterial wahrscheinlich noch ein paar Jahre erhältlich sein wird. Meines Wissens nach gibt es keinen großen Kamerahersteller, der neue Modelle herstellt, wenn man irgendwo noch eine neue Kamera angeboten bekommt, dann ist das Lagerware, die wahrscheinlich schon 10 Jahre beim Händler verstaubt. Eine Filmentwicklung zu bekommen ist dagegen recht einfach. Im Großlabor ist das meist überhaupt kein Problem und viele kleine Fotofinisher haben noch Minilabs, zu denen es APS-Filmbühnen gibt. Man muß sich nur ein bißchen durchfragen.

Wer ein wenig mit APS experimentieren will hat es leicht. Qualitativ hochwertige APS-Kameras gibt es unter anderem bei eBay, dort finden sich immer wieder Canon EOS IX, Fujifilm Fotonex 4000SL oder Nikon Pronea S um 30 Euro oder weniger.
Canon EOS IX

Als erste APS-Spiegelreflexkamera wurde die Canon EOS IX im September 1996 vorgestellt. Das Standardobjektiv zur EOS IX ist das EF 24-85mm (36-128mm bei KB) oder das EF 28-85mm (42-128mm bei KB). Beide Objektive sind sehr hochwertig und die Kamera sieht damit nicht nur massiv aus sondern liegt auch gut in der Hand. Das Gewicht von etwa 800 Gramm lässt auf eine robuste Bauweise schließen, das Design der EOS IX wirkt konservativ mit gut durchdacht angebrachten Bedienelementen. Canon-typisch ist das Sucherbild nicht besonders groß jedoch hell und scharf. Bei der EOS IX kann man zwischen drei Bildformaten umschalten. Die Anzeige erfolgt im Sucher über LCD-Raster (beim Format C und P), eine High-Tech-Lösung, die einer derartig hochentwickelten Kamera entspricht und an die man sich sofort gewöhnt.

Nimmt man die Kamera ans Auge dann erreichen Daumen und Zeigefinger alle wichtigen Bedienelemente. Über ein Wählrad hat man direkten Zugriff auf die fünf Motivprogramme, eine Vollautomatik sowie Programm-, Zeit- und Blendenautomatik. Auch eine vollständig manuelle Einstellmöglichkeit ist gegeben. Eine Lichtwaage im Sucher gibt Auskunft über die Differenz zwischen eingestellten und gemessenen Werten. Motivprogramme (Kreativfunktionen) ergänzen die Ausstattung. Hinter einer Klappe an der Kamerarückseite sind Bedienelemente für verschiedene Zusatzfunktionen verborgen (Datumsfunktionen, vorzeitige Filmrückspulung). Ein großes LCD-Feld gibt über die Betriebszustände und eingestellten Funktionen Auskunft. Wie bei fast allen aktuellen Canon Modellen wurde auf die Displaybeleuchtung vergessen.

Super und nach wie vor Stand der Technik ist das breite AF-Messfeld. Bei Programm- und Vollautomatik wird die Schärfe automatisch und vor allem superschnell eingestellt. Bei den Kreativfunktionen können drei AF-Messpunkte gezielt gewählt werden um optimale Schärfenverläufe zu erreichen. Erwähnenswert ist die auch in anderen Canon Modellen eingesetzte Schärfentiefenautomatik (DEP), bei der man nur einen Fern- und einen Nahpunkt anvisieren muss und die Kamera berechnet automatisch die entsprechende Blende und Belichtung. Die Belichtungsmessung ist umschaltbar zwischen Integral- und Selektivmessung. Auch bei der Blitztechnik wurde nicht gespart: Sollte das integrierte Blitzgerät einmal zu wenig Leistung haben, lassen sich alle EOS-TTL-Blitzgeräte verwenden.

Eine tolle Spiegelreflexkamera für das Advanced Photo System. Vollständig in das Canon EOS-System integriert ist die EOS IX ein Geheimtipp für Städtereisen und überall dort wo man mit wenig Gepäck eine qualitativ hochwertige Fotoausrüstung dabei haben möchte.

Fujifilm Fotonex 4000SL

Ein völlig eigenständiges Konzept hat man bei Fujifilm mit der Fotonex 4000SL verfolgt. Die Kamera ist, wie die Canon EOS IX, eine Spiegelreflexkamera, hat aber ein fest eingebautes Zoomobjektiv, ein integriertes Blitzgerät ohne Anschlussmöglichkeit für einen externen Blitz und stellt damit ein in sich geschlossenes System dar. Das Gehäuse der Fotonex 4000SL ist ergonomisch gestylt und wirkt ein wenig stromlinienförmig. Es liegt gut in der Hand, der Sucher ist mit einem Dioptrienausgleich versehen und ausreichend groß, scharf und hell. Die Sucheranzeigen beschränken sich auf das Wesentliche, der Benutzer wird aber ausreichend informiert. Bei der Formatumschaltung auf C und P wird das Sucherbild entsprechend dem eingestellten Format abmaskiert. Die Belichtungsmessung beschränkt sich auf die mittenbetonte integrale Messmethode, die Kamera ist bei der Messung exakt und man erhält bei normalen Lichtverhältnissen gleichmäßig belichtete Filme. Für besondere Lichtsituationen stehen eine Gegenlichtkorrektur, eine Aufhellblitzfunktion sowie verschiedene Motivprogramme zur Verfügung. Um die Blitzreichweite zu erhöhen kann man bei der Fotonex 4000SL die Belichtung um zwei Blenden reichlicher einstellen. Bei der Verwendung von ISO 800 Filmen sind dann Reichweiten bis zu maximal 7 Metern möglich, damit relativiert sich der fehlende externe Blitz.

Das Fujinon-Objektiv besitzt eine Brennweite von 25 bis 100mm (4-fach Zoom 37-150mm bei KB) mit Super-EBC-Mehrschichtvergütung. Die optische Qualität ist tadellos, auch im Weitwinkelbereich sind keine Randunschärfen oder Farbverschiebungen sichtbar. Die Scharfeinstellung erfolgt über einen passiven Autofokus, wobei die Naheinstellgrenze bei 60cm liegt. Darunter gibt es eine sogenannte "Auto-Macro-Funktion", die bis etwa 20cm arbeitet und mit herkömmlichen Nahlinsen kann auf bis zu etwa 5cm verbessert werden kann. Die Zoomverstellung erfolgt in 378 Schritten, so dass die Brennweite wirklich dem gewünschten Bildausschnitt angepasst werden kann. Der Brennweitenbereich deckt die Anforderungen von Reise- und Familienfotografen bei weitem ab.

Die Fotonex 4000SL ist eine gut ausgestattete Kompakt-Spiegelreflexkamera ohne wesentliche Schwächen. Gehäuse und Mechanik sind solide ausgeführt und gut verarbeitet. Die Kamera ist auf Anhieb sympathisch weil man damit ohne sich viel um Technik zu kümmern hervorragend fotografieren kann. Sie ist auch als Ergänzung zu einer bestehenden Fotoausrüstung anspruchsvollen Fotografen durchaus zu empfehlen: Funktionen der Kamera und die Bildqualität sprechen dafür.