Die Canon T-90 und das Canon FD-System
Kamera- und Objektivklassiker mit hohem Gebrauchswert.

Prolog: Wie die Zeit vergeht. Die Seite zur Canon T-90 und dem Canon FD-Kamerasystem ist seit dem Jahr 2002 unverändert auf troeszter.net abrufbar gewesen. Fast zwei Jahrzehnte sind eine lange Zeit, in der sich viele Dinge ändern. Ab dem Jahr 2005 ist es mit analoger Fotografie rapid bergab gegangen und erst in den letzten drei oder vier Jahren hat sich der Trend umgekehrt und Analogfotografie ist in einem bescheideneren Rahmen als früher wieder da. Leider gibt es kaum mehr neue analoge Fotogeräte und da kommen jetzt wieder die Kamerasysteme aus der Blütezeit der Spiegelreflexkameras ins Spiel. Canon war von 1970 bis 1986 mit dem FD-System der wahrscheinlich innovativste Anbieter und hat richtig große Stückzahlen abgesetzt. Davon ist noch etliches im Umlauf und zu vernünftigen Preisen zu haben. Was die Canon T-90 betrifft, bin ich heute nicht mehr so ganz von diesem Gehäuse überzeugt, weil es nach vierzig Jahren im Einsatz etliche Macken entwickeln kann, die nicht mehr zu beheben sind. Deshalb die Überarbeitung dieser Seite und die Erweiterung um die Canon A-1 und F-1.

Die Vorgeschichte aus dem Jahr 2002: Ein Freund hatte mich gebeten eine professionelle Spiegelreflexkamera mit einem Satz lichtstarker Objektive zu besorgen. Professionell deshalb, weil er gerne und oft verreist ist und dabei nicht wirklich auf die Ausrüstung aufpasst hat. Die Objektive sollten deshalb lichtstark sein, weil er auf Blitzlicht verzichten wollte, was bei Reisefotografie durchaus logisch erschien. Blieb als einziger Knackpunkt der Preis. Er wollte so wenig als möglich ausgeben, am besten 400 Euro, maximal jedoch 500 Euro, die auf keinen Fall überschritten werden sollten.

 

Im Jahr 2002 wollte jeder eine Digitalkamera und in einer ersten Reaktion wollte ich ihm so eine Kamera empfehlen. Modelle um 500 Euro boten damals eine Menge Pixel, hatten ein brauchbares Zoomobjektiv und sahen mitunter sogar professionell aus. Sie hatten nur einen Nachteil: Sie waren nicht für professionelle Benutzer konstruiert worden. Bei so mancher Aufnahmesituation hat eine solche Kamera nicht unbedingt die Möglichkeiten geboten, die man sich erwartet hat. Vor allem hat die sorglose Behandlung einer Amateur-Digitalkamera damals schnell zu einem Zwischenstopp in der Kamerawerkstätte des Herstellers geführt, weil diverse Modelle nicht besonders robust ausgeführt waren. Digitale Spiegelreflexkameras, die man theoretisch auch gebraucht kaufen konnte, waren für wenig Geld nicht zu haben. Eine gut erhaltene Fujifilm FinePix S1Pro (Baujahr 2000) hat zwischen 900 und 1000 Euro (08/2003) gekostet und den Preisrahmen von 500 Euro erheblich überschritten. Vom Objektiv noch gar nicht zu reden, so waren zum Beispiel für ein Tamron AF-SP 28-75mm/2,8 XR-Di damals rund 450 Euro fällig. War man bei der Optik ein wenig sparsamer und hat sich mit wenig Lichtstärke begnügt, konnte man sich um etwa 250 Euro mit einem einfachen Amateurzoom ausstatten. Preislich also keine Option und damit begannen meine Überlegungen in Richtung analoger Kameras.

Die Canon T-90 war bei ihrer Präsentation 1982 die fortschrittlichste Spiegelreflexkamera ihrer Epoche.

Wie aber die 500 Euro anlegen? Ich habe mir eine Liste für die Ausrüstung zusammengestellt und versucht davon so wenig als möglich zu streichen:

- Das Kameragehäuse sollte professionell, robust und ausbaufähig sein.

- Umschaltbare Belichtungsmessung z.B. Spot- und Integralmessung.

- Wenn möglich Blitz-TTL-Messung.

- Ein motorischer Filmtransport ist bequem.

- Autofokus als Arbeitserleichterung.

- Bezahlbare Objektive höchster optischer Qualität von einem Markenhersteller.

- Die Lichtstärke von Festbrennweiten sollte im Bereich 1:2,8 bis 1:3,5 liegen.

- Der Brennweitenbereich von 28mm bis 135mm musste abgedeckt werden.

Das LC-Display ist übersichtlich und lässt sich auch nach vielen Jahren noch gut ablesen.

Preiswert: Energie aus 4 Mignon- Batterien oder Akkus.

Bei analogen wie digitalen Kamerasystemen des Jahres 2002 bin ich bereits nach kurzer Zeit gescheitert. Die Kombination hochwertiges Kameragehäuse mit hochwertigen Objektiven war um 500 Euro bei keinem Hersteller machbar. Die Zeit für Prosumer-Spiegelreflexkameras war damals schon vorbei und die Hersteller haben nur mehr Spitzenmodelle im Angebot gehabt, wie zum Beispiel eine Canon EOS1v, die EOS3, eine Nikon F6 oder die FM3a. Blieben also nur Gebrauchtgeräte und da war in einem guten Zustand nur ältere Gebrauchtware im preislichen Rahmen.

Damit war für mich klar, dass Autofokus aus meinem Pflichtenheft zu streichen ist. Mein Bekannter war damit einverstanden auch in Zukunft die Schärfe manuell einstellen zu müssen und damit sind am Ende die „alten“ Systeme von Canon und Minolta aus der Zeit vor der Autofokus-Ära übriggeblieben. Für Canon habe ich mich in der Folge deshalb entschieden, weil ich damals seit Jahren eine Canon T-90 mit einem Satz ausgezeichneter Objektive genutzt habe und es einen riesigen Gebrauchtmarkt mit entsprechend großer Auswahl gegeben hat.

So wurde die Ausrüstung schliesslich zusammengestellt:

Canon T-90 Gehäuse

Canon FD 28mm/2.8 Weitwinkel

Canon FD 35mm/2.8 Weitwinkel

Canon FD 50mm/1.8 Normalobjektiv

Canon FD 135mm/2.5 Teleobjektiv

Magicase M Fototasche

Gesamtsumme

 

€ 250,--

€   50,--

€   45,--

€   25,--

€   50,--

€   18,--

€ 438,--

Ich bin damals mit knapp über 400 Euro ausgekommen. Heute wird man für diese Ausrüstung etwas mehr ausgeben müssen. Die Preise für einwandfreie und sehr gut erhaltene T-90-Gehäuse bewegen sich zwar noch immer rund um die 250 Euro, aber für die Objektive wird einem mehr Geld abgenommen. Zwanzig Prozent Aufschlag auf die 2002er-Preise sind üblich, wobei ich bemerken muss, dass man bei eBay und anderen Gebrauchtgeräteplattformen Nerven und immer auch ein wenig Glück haben muss. Die oben beschriebene Ausstattung hat bis auf die Fototasche aus eBay Versteigerungen gestammt und es hat etwa fünf Wochen gedauert, bis ich alle Artikel in der gewünschten Preis- und Qualitätsklasse ersteigert hatte. Mit den Portokosten bin ich dann nochmals ein wenig mehr über 450 Euro gerutscht und insgesamt wurden dann rund 480 Euro ausgegeben.

Die Canon T-90 wurde 1982 konstruiert und vom bekannten Designer Luigi Colani mit einem auch heute noch modern wirkenden Gehäuse versehen. Die Kamera liegt gut in der Hand, die Bedienelemente sind dort wo man sie braucht und dank des Bedienrades oberhalb des Handgriffs ist die Verstellung von Verschlusszeit und Blende einfach und geht schnell vor sich. Hinter einer Klappe an der rechten Kameraseite sind Bedienelemente versteckt, die nicht so oft gebraucht werden, wie zum Beispiel die Umschaltung für den motorischen Filmtransport, die Sucherbeleuchtung oder die Taste für die vorzeitige Filmrückspulung. Das Gehäuse ist robust, wobei die Kunststoffabdeckungen mit der Zeit einen etwas speckigen Glanz bekommen. Je nach mechanischer Belastung zeigen dann auch die aus Kunststoff gefertigte Kamerarückwand bzw. der Kameraboden mehr oder minder deutliche Gebrauchsspuren. Für Vitrinensammler ein Alptraum, für Fotografen maximal ein Schönheitsfehler, weil die Funktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt wird. Auch die mit einem Federmechanismus schließende Klappe ist erstaunlich widerstandsfähig und man hört nur ganz selten von abgebrochenen Teilen oder kaputten Federn. Aus Recherchen im Internet ist mir auch bekannt, dass die LCD-Felder wenig anfällig auf Störungen sind und in der Regel wesentlich länger einen ausgezeichneten Kontrast behalten als vom Hersteller angegeben. Die Technik der Canon T-90 ist bis auf den fehlenden Autofokus nach wie vor aktuell. Das Objektivbajonett ist aus Metall gefertigt, es passen fast alle Canon FL- und FD-Objektive. Die Belichtungsmessung ist zwischen mittenbetonter Integralmessung, Selektivmessung und Spotmessung umschaltbar. Bei der Spotmessung gibt es sogar die Möglichkeit mehrere Messpunkte anzuvisieren, deren Messwerte zu speichern und die Kamera die daraus resultierende Belichtung zu errechnen. An Belichtungsfunktionen steht alles zur Verfügung, was auch heute noch Standard ist: Der Bogen reicht von vollständig manueller Belichtung über Zeit- und Blendenautomatik bis hin zur Programmautomatik. Die Programmautomatik ist mit einer Eingriffsmöglichkeit (Shift) versehen um wahlweise mehr blenden- oder zeitorientiert arbeiten zu können. Was man vergeblich sucht sind die sogenannten Motivprogramme. Das gab es zur Zeit der T-90 noch nicht und wenn man zumindest über durchschnittliche fotografische Kenntnisse verfügt werden sie einem auch nicht besonders fehlen.

Die Sucheranzeigen sind übersichtlich, vollständig und bestehen aus einer Mischung von LED- und LCD-Anzeigen. Wie Sie richtig vermuten solide Technik der achtziger Jahre aber von der Anordnung und dem Informationsgehalt nach wie vor modern wie es ein Kontrollzentrum einer Kamera für professionelle Ansprüche eben sein soll. Angezeigt wird Blende und Verschlusszeit, sowie auf dem Display an der rechten Seite des Suchers je nach Betriebsart ein Bildzähler, eine Lichtwaage oder Informationen zur Mehrpunkt-Spot-Messung.

Der Filmtransport erfolgt automatisch, ebenso die Rückspulung. Die Transportgeschwindigkeit kann in zwei Stufen gewählt werden und liegt bei maximal 4,5 Bildern pro Sekunde. Die Kamera besitzt einen Verschlusszeitenbereich von 30 bis 1/4000 Sekunde mit einer kürzesten Blitzsynchronzeit von 1/250 Sekunde, Werte, die man auch bei aktuellen Kameramodellen findet. Als Stromversorgung kommen vier Mignon Batterien oder Akkus zum Einsatz. Das ist eine billige Spannungsquelle die auch ausreichend Filme pro Batteriesatz garantiert. Außerdem sind Mignon Batterien überall zu bekommen wenn man einmal unterwegs Ersatz beschaffen muss.

Ergänzt wird die Ausstattung noch durch eine auch heute noch einigermaßen moderne TTL-Blitztechnik mit der Möglichkeit z.B. auch auf den zweiten Verschlussvorhang zu blitzen und einigen anderen Sonderfunktionen, die jedoch nur mit bestimmten Blitzgeräten verfügbar sind.

Fazit: Eine Kamera, die im schlechtesten Fall schon zwei Jahrzehnte auf dem Buckel haben kann, die aber auch heute noch modern ist und wenn man ein gut erhaltenes Exemplar erwirbt noch einige Zeit gute Dienste leisten wird. Im Vergleich mit z.B. einer Nikon FA ist die Canon T-90 die modernere Variante. Als einzigen Nachteil kann man den fehlenden Autofokus betrachten, den aber die Nikon FA auch nicht hat. Bei einem Gebrauchtpreis von rund 250 Euro ist aufgrund der nach wie vor aktuellen Ausstattung und der soliden Bauweise das manuelle Einstellen der Schärfe aber akzeptabel.

Anmerkung im Jahr 2021: Die Canon T-90-Gehäuse sind mittlerweile bis zu vierzig Jahre alt und entwickeln Fehler, die nicht mehr zu beheben sind. Brüchige Verschlüsse, erschöpfte Backup-Batterien im Inneren der Kamera und Mikroschalter ohne Funktion sind die häufigsten Defekte. Ersatzteile gibt es nicht mehr und die Canon T-90-Gehäuse gehören nicht zu den servicefreundllichen Kameras, weshalb man auch kaum mehr einen Kameratechniker findet, der sich an ihnen zu schaffen macht. Eine Canon T-90 kauft man sich nur in bestem und einwandfreiem Zustand, sonst handelt man sich nur Frust ein. Alternativen dazu sind vielleicht die Canon A-1 oder die F-1, die etwas weiter unten besprochen werden.

Die Canon FD-Objektivserie war in den achtziger Jahren für ihre Qualität  und die optischen Leistungen berühmt. Wer sich heute gut erhaltene gebrauchte FD-Objektive kauft, wird davon noch immer profitieren. Dabei ist zu beachten, dass gängige Brennweiten zwischen 28 und 135mm auch mit etwas höherer Lichtstärke vernünftige Preise haben, während hohe Lichtstärken und exotische Brennweiten nach wie vor teuer sind. Zu den „Raritäten“ gehören unter anderem sämtliche Objektive, die ein „L“ in der Typenbezeichnung haben, wie z.B. das 14mm/1:2,8 L, das 24mm/1:1,4L oder das 50mm/1:1,2L. Diese Objektive erreichen auch heute noch leicht Preise jenseits der 500 Euro Grenze.

Beschränkt man sich auf Lichtstärken um die 1:2,8, dann sieht die Sache besser aus: Mit ein wenig Geduld bekommt man gut erhaltene Objektive zu moderaten Preisen. Im konkreten Fall waren das ein 28mm/1:2,8, ein 35mm/1:2,8, ein 50mm/1:1,8 und ein 135mm/1:2,5 aus der FD-Serie. Das 35 und 135mm Objektiv noch in der Ausführung mit Chromring, das 28 und 50mm Objektiv bereits in der etwas neueren FD-Version ohne Chromring. Von allen Objektiven gab es große Stückzahlen, was sich auf die Preise positiv auswirkt. Für Beträge zwischen 25 und 50 Euro bekommt man durchwegs gut erhaltene Objektive ohne Mängel mit geringen Gebrauchsspuren. Wie bereits erwähnt hat man eine große Auswahl und kann sich den Zustand aussuchen. Alle von mir in Internet-Auktionen erworbenen Objektive entsprachen jedenfalls der Beschreibung und waren durchwegs in Ordnung.

Mit den Brennweiten 28, 35, 50 und 135mm ist man jedenfalls gut beraten, sie decken einen weiten Einsatzbereich ab. Ich persönlich finde, dass man die Lücke zwischen 50 und 135mm Brennweite mit einem (lichtschwächeren) Zoom 35-70mm gut abdecken könnte. Ein solches Zoom stellt für Standardsituationen eine bequeme Lösung dar und man muss nicht so oft das Objektiv wechseln. Die einfachen Canon-FD-Zooms 35-70mm mit dem Kunststoffgehäuse gibt es ab 20 Euro in gutem Zustand.

Fazit: Beim Canon FD-System kann man Objektive in gutem Zustand, mit bester optischer Qualität und relativ hoher Lichtstärke zu günstigen Preisen bekommen.

Anmerkung 2021: Die Preise für FD-Objektive  haben seit der Erstveröffentlichung dieser Seite im Jahr 2002 etwas angezogen. Für einen sehr guten Zustand gibt man heute mindestens zwanzig Prozent mehr aus als damals. Einen Bericht über preiswerte Fremdobjektive zum Canon-FD-System kann man  hier  herunterladen.

 

Original Canon FD Objektive: Profiqualität zum Minimumtarif. Brennweiten von 28mm bis 135mm bei Lichtstärke 1:2,5 und 1:2,8. Das 35mm Objektiv ist hier durch ein 35-70mm/1:4.0 Zoom ersetzt worden.

Geheimtipp: Das Tokina SD 28-70mm/1:3,5-4,5 ist zwar nicht besonders lichtstark aber solid gebaut und hat etwas abgeblendet mit analogen Canon-Kameras eine sehr gute Bildqualität. Schon gesehen um 20 Euro in neuwertigem Zustand. Eine Testaufnahme mit 28mm Brennweite und offener Blende 3.5 gibt es wenn man auf das Objektivfoto oder hier klickt (Canon F-1/Tokina SD 28-70mm/Ilford Delta 400).

Es gibt einige Alternativen zur hier vorgestellten Canon T-90 und zwei Kameragehäuse, die ich selbst besitze, möchte ich hier als adäquaten Ersatz empfehlen. Beginnen wir mit der Canon A-1. Sie ist das Vorgängermodell der T-90 und wurde von 1978 bis 1985 hergestellt, war das Spitzenmodell der Canon A-Serie und die erste Kamera mit Mehrfachautomatiken. Programm-, Zeit- und Blendenautomatik stehen neben einer manuellen Einstellmöglichkeit zur Verfügung, dazu kommt eine Korrekturmöglichkeit für die Belichtungsmessung von +/-2 Blendenstufen. Die Canon A-1 war die erste Kamera mit einer Sieben-Segment-Anzeige für Belichtungszeit und Blende im Sucher und einer Elektronik, welche durch einen speziell entwickelten Mikroprozessor ähnlich der Canon AE-1 gesteuert wurde. Obwohl sie in einigen Details gerade Durchschnitt gewesen ist, die kürzeste Verschlusszeit von 1/1000 Sekunde oder das der übrigen A-Serie entsprechende Gehäuse sind solche, ist die Kamera wahrscheinlich das innovativste Aufnahmegerät der späten 1970er und frühen 1980er. Mit dem FDn-Standardobjektiv 1:1.8/50mm hat die Canon A-1 im österreichischen Fotohandel des Jahres 1979 exakt 9.990 Schilling gekostet, was inflationsbereinigt heute ein Betrag von 2.100 Euro wäre. Nun, so viel muss man nicht mehr für eine A-1 ausgeben. Vor etwa vier Jahren habe ich mein Gehäuse in fast unbenutztem Zustand um 110 Euro gekauft. Ausgeben würde ich aktuell zwischen 100 und 200 Euro je nach Zustand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Canon A-1 kann alles, was man fotografisch braucht und sogar mehr. An sie können alle Objektive mit FD-Anschluss und Brennweiten zwischen 7,5mm und 80mm angesetzt werden. Die ältere FL-Objektivserie wäre auch verwendbar, ich sehe nur keinen Sinn darin, weil FD-Objektive moderner und optisch besser sind. Für den, der so etwas braucht, gibt es auch einen motorischen Filmtransport in Form des Power Winder A und A2 oder den schnelleren Motor Drive MA. Mit dem Data Back A können Informationen in das Negativ einbelichtet werden, nur macht das Data Back die Kamera um gute fünfzehn Millimeter dicker. Wer es wirklich old-school will, nimmt ein A-1 Gehäuse und ein FD 35mm- oder 28mm-Objektiv mit Chromring.

Wo liegen die Stärken und Schwächen der Canon A-1? Viele Fehler gibt es nicht. Die Elektronik ist scheinbar sehr standfest und bei meinen Recherchen habe ich keine Hinweise auf Elektronikprobleme gefunden. Eine 4SR44-Batterie hält bei mir mehr als zwei Jahre, was eine akzeptable Zeitspanne ist. Das Gehäuse aus lackiertem Kunststoff ist widerstandsfähig und steckt eine Nutzung im üblichen Rahmen gut weg. Nur der Batteriefachdeckel neigt zur Zersetzung und zerfällt nach einigen Jahren von ganz allein. Bei vielen Kameras ist das schon passiert und die Kamera bleibt funktionsfähig, nur ist ein zerbröselter Deckel nicht schön anzusehen. Beim Kauf einer gebrauchten A-1 sollte man darauf achten, dass der angeschraubte Mini-Handgriff dabei ist. Mit ihm ist die Handhabung der Kamera besser. Das FD-Bajonett ist bei allen FD-Kameras unauffällig, so lange man die Kamera nicht exzessiv mit den großen weißen Teleobjektiven verwendet. Auch die mechanische Kopplung von Objektiven und Gehäuse ist anspruchslos und funktioniert immer. Das größte Problem taucht auf, wenn eine A-Serien-Kamera sehr lange nicht benutzt wird. Da trocknet die Schmierung in der Spiegelmechanik ein. Der erste Hinweis ist ein asthmatisches Keuchen, später wird durch das eingetrocknete Fett der Ablauf der Mechanik abgebremst bis irgendwann nichts mehr geht. Meine regelmäßig bewegte AV-1 ist vom Asthma bis jetzt verschont geblieben, während meine praktisch im Neuzustand erworbene und "gut abgelegene" A-1 vor allem bei den Zeiten kürzer als 1/125 Sekunde deutlich gehustet hat. Asthma ist bei der Canon A-Serie heilbar. Im Internet gibt es Anleitungen wie man einen Tropfen harzfreies Feinmechaniköl an die richtige Stelle im Gehäuse bringt. Ich habe die Reparatur nach einer dieser Anleitungen riskiert und war uneingeschränkt erfolgreich.

Fazit: Mit einer Canon A-1 fotografiert es sich sehr entspannt. Man kann so viel oder so wenig Automatik wählen, wie es einem gerade passt. Die Sucheranzeigen sind schön groß, schön hell und lassen sich gut ablesen. Die Mattscheibe ist so hell wie jene der Canon T-90 und heller als die in der Canon F-1. Wer eine nicht zu große und nicht zu schwere Spiegelreflexkamera mit Vollausstattung bevorzugt ist bei der Canon A-1 an der richtigen Adresse. Die Canon A-1 ist weniger raffiniert als ihr Nachfolgemodell T-90, dafür aber auch weniger batterieabhängig und scheinbar langzeitstabiler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Canon F-1 war das erste Profimodell dieses Herstellers, wurde im Frühjahr 1971 präsentiert und hat in Österreich 14.900 Schilling gekostet. Das wären heute inflationsbereinigt 4.600 Euro und dafür durfte man sich eine tolle Kamera erwarten. Mir liegt es fern noch einmal die technischen Details der ersten Canon F-1 herunterzubeten, denn dafür gibt es das Canon Camera Museum und viele Seiten über diese Kamera im Internet. Die F-1 war jedenfalls von Anfang an ein Erfolg und wurde über die Jahre in insgesamt drei Modellvarianten produziert. Hier geht es um die ursprüngliche Version, weil ich mir eine Canon F-1 Eyelevel aus dem Baujahr 1975 gekauft habe. Meine Erfahrungswerte beziehen sich also nicht auf die Canon F-1n ("later model" ab 1976) oder die Canon New F-1, die wahrscheinlich gleich gut oder sogar besser als die Urversion sein dürften.

Als ältestes Modell des Trios A-1, F-1 und T-90 erscheint sie von der technologischen Seite eher einfach, ist aber mechanisch mit deutlichem Abstand das robusteste Gehäuse. Die Canon F-1 stammt aus einer Zeit, in der anders als heute produziert wurde. Qualität hatte Priorität und das merkt man nach fünfzig Jahren immer noch. Meine leicht patinierte Canon F-1 ist völlig funktionsfähig. Die Mechanik läuft wie am ersten Tag und die Zeitenbildung ist für eine so alte Kamera erfreulich genau. Die Sekunde und die halbe Sekunde werden brauchbar eingehalten und auch die kurzen Zeiten laufen unauffällig ab. Für Negativfilm sind alle Zeiten exakt genug und wie es scheint hält der Copal-Verschluss wirklich 100.000 oder mehr Belichtungen aus. Sehr viele Bedienelemente hat die erste Canon F-1 ja nicht, aber die vorhandenen funktionieren wie vorgesehen. Der Filmtransport ist so geschmeidig, wie man sich das von einer für den beruflichen Einsatz gebauten Spiegelreflexkamera erwartet. Die Betätigung des Transporthebels, der übrigens aussieht als wäre er aus einem einzigen Metallstück gefräst, ist angenehm leicht mit genau dem richtigen Kraftaufwand. Das Gehäuse ist überall lichtdicht und ich sehe derzeit keine Notwendigkeit etwas an den Lichtdichtungen zu ändern. Auch der CdS-Belichtungsmesser funktioniert noch und liefert sogar genaue Ergebnisse. Die diesem System typische Trägheit bei der Anzeige empfinde ich als gering, sehr gealtert dürften die CdS-Messzellen noch nicht sein. Da schneidet meine Nikkormat FT3 vergleichsweise schlechter ab. 

Natürlich ist auch die Canon F-1 nicht perfekt. Sie wird vom PX625-Batterieproblem geplagt, welches man mit dem Varta V80H-Akku oder einer Weincell-Batterie umgehen muss. Beide Stromquellen haben ihre Vor- und Nachteile, wobei der Varta V80H-Akku meine Wahl ist. Ich komme damit zurecht und der Akku liefert mit einer Aufladung Energie für mehrere Monate. Eine weitere Kleinigkeit betrifft den integrierten Belichtungsmesser. Den muss man mit einem separaten Schalter ein- und wieder ausschalten und wenn man auf das Ausschalten vergisst, wird die Batterie entladen. Fällt wenig Licht auf die Rezeptoren dauert das zwar einige Zeit, weil bei CdS der Stromverbrauch abhängig von der auf die Messzellen auftreffende Helligkeit ist, man hat aber besser eine Ersatzbatterie dabei. Mir ist auch der Drehschalter für den Belichtungsmesser zu klein und ich kann ihn schlecht drehen. Als kleine Einschränkung empfinde ich auch die Einstellmöglichkeit bei der Filmempfindlichkeit. Die reicht bei der ersten F-1 nur bis ISO 2000 und damit wird bei der Verwendung des Kodak T-Max 3200 oder Ilford Delta 3200 eine Belichtungskorrektur gegenüber den Werten vom Belichtungsmesser erforderlich.

Fazit: Die Canon F-1 hat vom Trio A-1, F-1 und T-90 das mechanisch hochwertigste Gehäuse und kommt vom Feeling recht gut an andere mechanische Kameraklassiker heran. Da liegt sie mindestens auf einem Niveau mit der Rolleicord Vb oder der Nikkormat FT3. Sie stammt aus der Zeit, als die TTL-Belichtungsmessung Standard in Spiegelreflexgehäusen wurde und war Anfang der 70er eine moderne und zukunftsweisende Kamera. Durch den modularen Aufbau kann man die F-1 an alle möglichen fotografischen Aufgabenstellungen anpassen, wenn man das Zubehör heute noch bekommt. Für mich liegt der Charme der Canon F-1 im Design des Kameragehäuses und in der einfachen Handhabung. Wem die Nachführbelichtungsmessung nicht zu unbequem ist, der wird mit einer F-1 glücklich werden. Meine aktuelle Kombination ist eine 24mm-Festbrennweite (Sigma XQ Filtermatic MC 24mm/2.8) und der T-Max 400. Damit bin ich mit kleinem Gepäck unterwegs und kann großartige Bilder machen.

 

 

        Epilog: Das Für und Wider der Kameras in Kurzform:       

        Canon T-90:      Pro: sehr moderne Technik mit klassischen FD-Objektiven, großer Funktionsumfang         Kontra: bei Defekten keine Reparaturmöglichkeit

        Canon A-1:        Pro: moderne Technik im Old-School-Kameragehäuse mit klassischen FD-Objektiven      Kontra: kann "Canon-Asthma" bekommen

        Canon F-1:        Pro: ultrarobuste Profikamera von gestern mit klassischen FD-Objektiven                         Kontra: 1,35-Volt-Batterie

 

 

 

 Gut & günstig: Drei empfehlenswerte Fremdobjektive zum Canon-FD-System

Tokina SD 28-70mm/3.5-4.5 SW-Testaufnahme

 

 

 

April 2002 - überarbeitet und ergänzt März 2021

 

 

 

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