Digitale Kompaktkameras liefern immer bessere Bilder und haben bei der Fotoqualität billige analoge Kompaktkameras schon längst überholt. Sie sind auch für Anwender uneingeschränkt empfehlenswert, die Fotos entweder nur am Computer oder über einen elektronischen Bilderrahmen betrachten bzw. wenn Prints nur bis zu einer Größe von 10x15cm oder 15x20cm gewünscht werden. Wer am analogen Film hängt, wer Vergrößerungen jenseits der 30x40cm haben will und für die Aufnahmen aus Platz- und Gewichtsgründen nur eine Kompaktkamera einsetzen möchte, der hat heute keine Auswahl an aktuellen Modellen. Neue Edel-Komapktkameras gibt es nur mehr in digitaler Technik, wer Film verwenden möchte, der wird sich am Gebrauchtmarkt umsehen müssen. Es gab eine Reihe von analogen Edel-Kompaktkameras wie z.B. die Rollei 35, die Ricoh GR1s, die Leica Minilux oder CM, die Minox 35 und auch einige Modelle von Contax, wie zum Beispiel die Contax T2 oder die Tvs.


Die Contax T2 wurde von 1990 bis 2000 produziert und ist eine Kompaktkamera mit einem fest eingebauten Carl Zeiis Sonnar 2,8/38mm T* Objektiv. Die genauen technischen Daten finden sich in der Kurzanleitung, die man
hier downloaden kann, die Besonderheiten dieser Kamera sind: wahlweise Zeit- oder Programmautomatik mit der Möglichkeit der Belichtungskorrektur in beiden Betriebsarten, ein abschaltbarer Autofokus und ein programmgesteuerter Blitz. Verpackt ist das Ganze in einem kompakten titaniserten Gehäuse mit einer griffigen Gummierung an jenen Stellen, an denen man die Kamera hält. Das Gehäuse ist wesentlich größer als jenes einer Minox oder Rollei 35, dafür liegt es auch ganz ordentlich in der Hand, was einem bei Aufnahmen mit längeren Verschlußzeiten entgegen kommt. Der Galilei-Sucher zeigt bei unendlich eingestellter Entfernung 85% des Bildes an und liegt damit im üblichen Bereich für Kompaktkameras. Der Sucher ist ausreichend groß, für meine Begriffe auch ausreichend hell mit gut sichtbaren Sucheranzeigen in LED-Technik. Die Anzeigen sind umfangreich ohne den Sucher zu überladen, es wurde sogar an eine Anzeige für die aktivierte Belichtungskorrektur gedacht, ein für den Fotografen sehr nützliches Feature. Die Belichtungskorrektur ist übrigens die einzige Möglichkeit auf die Belichtung Einfluß zu nehmen denn eine vollständige manuelle Belichtungssteuerung gibt es nicht. Mit der Belichtungskorrektur läßt es sich aber sehr gut leben und mit ein wenig Übung meistert man damit auch schwierige Aufnahmesituationen und kommt hinsichtlich der Ergebnisse an eine manuelle Belichtungseinstellung ganz gut heran. Die Contax T2 ist für die Verwendung mit Farbnegativ- oder Schwarz-Weiß-Film konstruiert, die Belichtungsmessung ist aber so genau, daß man auch Diafilm verwenden kann, wenn man bereit ist mit Hilfe der Belichtungskorrektur Belichtungsreihen zu machen.

Beim Sonnar-38mm-Objektiv handelt es sich um eine Triplet-Variante mit 5 Linsen in 4 Gruppen. Mit einem Bildwinkel von etwa 60° liegt es gerade an der Grenze vom Weitwinkel- zum Normalobjektiv. Der Vorteil dieser Brennweite liegt für mich im Umstand, daß es sich um einen guten Kompromiß zwischen Bildwinkel, Perspektive und Bildqualität handelt. Bei allen Blenden ist die Schärfe ausgezeichnet mit nur geringen Unterschieden von der Bildmitte zu den Bildrändern. Die Verzerrung  ist vernachlässigbar und macht sich nur bei ganz kritischen Motiven (z.B. abfotografierte Zeitung) geringfügig bemerkbar. Was die Perspektive betrifft ist die Brennweite 38mm sehr gut geeignet für allgemeine Fotografie. Portraits sind machbar, auch wenn man das mit anderen Kameras besser kann, bei Personengruppen profitiert man von der gegenüber einem klassischen Normalobjektiv geringfügig kürzeren Brennweite, weil man weniger Distanz und Platz braucht. Interessanterweise wird im Sucher die Perspektive relativ stark überbetont, sieht man sich den entwickelten Film an, sind die Ergebnisse aber in Ordnung.

 

Die Contax Tvs ist dem Modell T2 sehr ähnlich, besitzt allerdings ein Vario Sonnar Zoomobjektiv mit einem Brennweitenbereich von 28 bis 56 mm. Das Zoomobjektiv deckt nur einen verhältnismäßig geringen Brennweitenbereich ab, dafür ist aber die Abbildungsleistung auf einem sehr hohen Niveau, auch wenn sie etwas unterhalb der festen Brennweite des Contax T2-Objektivs liegt. Bei der von mir verwendeten Tvs-Kamera zeichnet das Objektiv in allen Brennweitenbereichen knackig scharf, auch wenn man sich vom Autofokus manchmal mehr Treffsicherheit wünschen würde. Es kommt oft vor, daß die Kamera beim ersten Druck auf den Auslöser die Scharfeinstellung verweigert, verglichen mit einer Leica-M (die gar keinen Autofokus hat) ist man aber sogar beim zweiten Anlauf noch ganz schön flott. Der Autofokus werkelt übrigens am besten, wenn man senkrechte oder waagrechte Linien im Bild hat, wie zum Beispiel ein Geländer, ein Bild an der Wand oder einen Baum, dann gibt es so gut wie keine Probleme. Wie viele andere Tvs-Benutzer sind die beiden einzigen Kritikpunkte an der Kamera die Vignettierung in der 28mm Weitwinkelposition und der relativ dunkle Sucher. Nachdem ich alle entwickelten Filme scannen lasse, ist die Vignettierung ein mittlerweile nur ein kleines Problem, welches sich sehr gut in Adobe Photoshop korrigieren lässt. Das dunkle Sucherbild ist durch die im Suchersystem verwendete LCD-Technik bedingt und wurde bei der Tvs-II verbessert. Grundsätzlich störend ist das dunkle Sucherbild eigentlich nur bei Aufnahmen in Innenräumen und wenig Licht. Die Ausstattung und Bedienung der Tvs orientiert sich am Modell T2, ebenso die Gehäusegröße und die für das Gehäuse verwendeten Materialien. 


Fazit: Bei Edel-Kompaktkameras für Film ist die Contax T2 oder die Contax Tvs eine gute Wahl. Beide Kameras sind hochwertig ausgeführt, sehr gut verarbeitet und bieten eine professionelle optische Leistung. Wer auf absolute optische Höchstleistungen ohne Kompromisse Wert legt, der sollte sich eher für die T2 interessieren. Das vom Objektiv gesehen  universellere Modell ist die Contax Tvs, wobei man allerdings anmerken muß, daß der Unterschied bei der optischen Leistung erst auf Vergrößerungen jenseits der 30x40cm zu erahnen sein wird. Am besten man kauft sich beide Kameras und nimmt sie beide mit, dann kann nichts mehr schief gehen. Beide Modelle sind auch nach heutigen Begriffen modern und man kann damit hervorragend arbeiten, hinsichtlich der Bildqualität können sie es locker mit jedem Spiegelreflexsystem aufnehmen.  Haptik, Verschlußablauf und die Betriebsgeräusche der Kameras erinnern irgendwie an eine Leica M und heben sich deutlich von der Masse der Kompaktmodelle ab. Die Stromversorgung mit einer CR-123A Lithium Batterie ist kein Kritikpunkt, denn diesen Batterietyp kann man fast überall nachbeschaffen. Bei allen positiven Aspekten, einen kleinen Haken haben die Contax T2 bzw. die Tvs aber doch: Bedingt durch die geringen Stückzahlen ist das Preisniveau für eine neuwertige gebrauchte Kamera noch immer relativ hoch.



  Plus:
- Titangehäuse
- Tolle Verarbeitung                                                                                                          
Download: Contax T2 Kurzanleitung (deutsch)
- Hochleistungsobjektive



  Minus:                                                                                                                          
Contax T2 Fotogalerie: Uhudler
- Blitzreichweite bei ISO 100 mit 3 Metern etwas knapp
- Auch als Gebrauchtgeräte relativ teuer                                                                 
             Contax Tvs Fotogalerie: Wiener Südbahnhof 2008

Contax T2 und Contax Tvs
Analoge Kompaktkameras mit Carl Zeiss Sonnar Objektiv
September 2007

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Contax Tvs / T2 Fotogalerie: Venedig 2009 SW