7Artisans Fish-Eye 7.5mm/f2.8 (Fujifilm X-Mount)
Für Fotografie auf Reisen besitze ich eine Fujifilm X-E3 samt der dazu notwendigen Fujinon-XF-Objektive. Die Kamera ist schön kompakt, kann technisch mehr als ich eigentlich brauche und ist dazu erstaunlich leicht. Ich habe mir zwei Fujinon-Optiken ausgesucht, mit denen ich unterwegs nahezu immer die richtige Brennweite dabei habe und mit einer cleveren Objektivauswahl kommt man für die gesamte Ausrüstung inklusive Fototasche auf 2.600 Gramm Gewicht. Ein Fujinon XF 10-24mm Weitwinkel-Zoom ist mein "immerdrauf"-Objektiv und ein Fujinon XF 55-200mm ein kompaktes Tele-Zoom. Beide Fujinons liefern tadellose Ergebnisse. Das Weitwinkel-Zoom ist konkurrenzlos in jeder Beziehung. Sowohl Abbildungsleistung als auch der Preis bewegen sich auf allerhöchstem Niveau. Das Fujinon XF 55-200mm gibt sich da etwas zurückhaltender. Während die Abbildungsleistung ebenfalls super ist, begnügt sich der Anschaffungspreis mit dem Prädikat "leistbar". Einzig die Anfangslichtstärke von 4,8 bei Brennweite 200mm ist ein Kompromiss, den man einzugehen bereit sein muss, wenn man um relativ wenig Geld ein exzellentes und leichtes Tele-Zoom haben will. Die Alternative in Form des sensationell guten 50-140mm mit durchgehender Lichtstärke 2,8 ist fast doppelt so schwer und mehr als doppelt so teuer.
Es lohnt sich aber auch der Blick abseits vom Angebot des Kameraherstellers. Da gibt es einige wenige Objektive, die interessant sind, einen guten Preis haben und nicht einmal von Fujifilm selbst für X-Mount angeboten werden. Das 7,5mm/2,8 Fisheye von 7Artisans ist so ein Objektiv. Ich habe mir eines gekauft und will hier meine Erfahrungen kurz zusammenfassen.

Fisheye-Objektive sind für mich (wieder) interessant, seit es die Software Fisheye-Hemi (https://imadio.com/products/prodpage_hemi.aspx ) gibt. Damit kann man ohne großen Aufwand Fisheye-Aufnahmen in Ultraweitwinkel-Aufnahmen verwandeln. Ein Fisheye-Objektiv ohne Fisheye-Hemi ist für mich nicht sinnvoll, weil sich der Fischaugen-Effekt nach ein paar Wiederholungen abnutzt und fad wird. Ich habe das schon im Artikel zum Zenitar 16mm und AF-Fisheye-Nikkor 16mm angesprochen. Wer sich die 30 Euro Kaufpreis sparen möchte und über Adobe Photoshop oder ein ähnliches Bildbearbeitungsprogramm verfügt, schafft das "de-fishing" übrigens auch so, allerdings ohne den speziellen Algorithmus von Fisheye-Hemi.

Das 7Artisans 7,5mm mit einem Bildwinkel von 180° beim APS-C-Sensor ein echtes Fisheye mit den entsprechenden Verzerrungen aber ohne schwarze Abschattungen an den Bildrändern. Das Objektiv besteht aus Metall und Glas, besitzt keine elektronischen Komponenten und keine elektronische Verbindung zur Kamera, ist aber sehr gut verarbeitet und macht einen soliden Eindruck. Der Blendenring lässt sich nur stufenlos ohne Klick verstellen, was manchen Benutzer stören könnte. Die Position für Blende 16 fehlt am Einstellring, es ist nur 11 und 22 angegeben. Das Objektiv ist kein Autofokus-Objektiv, was sich aber bei einem Ultraweitwinkel mit seiner enormen Schärfentiefe relativiert. Im Unterschied zum Zenitar und Nikkor benötigt es keinen Filter hinter dem Linsensystem, was die Verwendung von Filtern aber auch ausschließt - eine Filter-schublade oder ein sonstiger Filterhalter fehlt nämlich auch.

August 2019 / überarbeitet November 2019





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Ein paar Details zu meinem 7,5mm/2.8 von 7Artisans:


- Der für Fujifilm X-Mount Objektivanschluss ist absolut passgenau. Man braucht sich keine Sorgen um die Kamera zu machen, das Objektiv lässt sich gut ansetzen und abnehmen. Das Objektiv ist sehr wertig verarbeitet und passt gut zu den Fujifilm-Kameras.

- Bei meinem 7,5mm/2,8 ist die rechte Bildhälfte bei manchen Bildern geringfügig unschärfer als die linke Seite. Viel ist das nicht, auf Ausbelichtungen bis 20x30cm sieht man keinen Fehler, aber wenn man am großen Monitor die Pixel zählt und danach sucht, fällt es einem auf. Warum diese Beeinträchtigung nur gelegentlich auf manchen Bildern erkennbar ist, ist mir nicht bekannt. Ich habe auch noch nicht nach der Ursache geforscht, denke aber, dass es mit der Entfernungseinstellung und/oder einer leicht dezentriert eingesetzten Linse zu tun haben kann.

- Farbsäume sind ein Thema, denn von meinen drei Fisheye-Objektiven ist das 7Artisans-Objektiv am anfälligsten für dieses Phänomen. An den Bildrändern sind die Farbsäume vor allem bei kontrastreichen Motiven mitunter auch auf Prints im Format 20x30cm wahrnehmbar. In der Bildbearbeitung kann und muss optimiert werden, was zwar kein großes Drama ist, aber eben ein weiterer Nachbearbeitungsschritt.

- Die Bildschärfe ist bei offener Blende 2,8 für meine persönlichen Empfindungen gerade noch genügend. Die Bildmitte ist schon recht weich und die Bildränder sind noch etwas weicher. Ich bin anspruchsvoll und meine, dass dieses Objektiv bei offener Blende nur extrem eingeschränkt zu verwenden ist.

- Die Abbildungsleistung steigert sich durch das Abblenden erheblich. Ab Blende 5.6 ist das Objektiv brauchbar, zwischen 8 und 11 erreicht es seine maximale Bildqualität. Die Schärfe sowohl in der Bildmitte als auch an den Rändern ist dann einwandfrei. Jenseits von Blende 11 schlägt Diffraktion (Beugungsunschärfe)  gnadenlos zu und die Bildqualität sinkt wieder.

- Vignettierung ist im Bereich von 2,8 bis 5,6 ein Thema. Aus vorhin erwähnten Gründen wird man Blende 2,8 bis 5,6 aber tunlichst vermeiden und ist damit auch die Vignettierung los. Sonst ist Gimp oder Photoshop gefragt und man nimmt sich der Sache in der Bildbearbeitung an.

- Farbe und Kontrast weichen von meinen Fujinon-Objektiven geringfügig ab. Das 7Artisans-Fisheye hat einen etwas erhöhten Kontrast und eine geringfügig höhere Farbsättigung als Fujinon-Objektive. Sichtbar werden die Abweichungen aber nur, wenn man Aufnahmen am Monitor direkt miteinander vergleicht. Man kann die Abweichungen leicht an den Fujinon-Look angleichen.

- Wie das Zenitar ist auch das 7Artisans-Objektiv kein Freund von Gegenlicht und punktförmigen Lichtquellen im Bild. Das ist systembedingt und bleibt in einem akzeptablen Rahmen. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen haben teure Fischaugen-Objektive wie das AF-Fisheye-Nikkor weniger Probleme als preiswerte Linsensysteme.

- Man kann keine Filter verwenden. Das ist bei einem Objektiv, welches ausschließlich mit digitaler Bildaufzeichnung verwendet werden kann kein Problem. Ein Polarisationfilter ist beim enormen Bildwinkel von 180° ohnehin tabu und fast alle anderen Filter kann man, wenn es schon sein muß, softwareseitig nachmachen.

- Bokeh? Fragen Sie mich bitte nicht danach, weil mich das schon bei einem normalen Weitwinkel kaum interessiert. Bei einem Fisheye interessiert es mich noch viel weniger.

- Das Objektiv ist nicht staub- und spritzwassergeschützt. Bei dem Preis kann man das auch nicht erwarten.

- Der Preis ist nämlich eine Sache, die erwähnt gehört. Das Objektiv kostet fabrikneu ab 123 Euro (eGlobal Central August 2019) bis etwa 150 Euro. Damit ist es preislich eines der günstigsten seiner Art.
Soll man das Objektiv kaufen? Kann man das Objektiv kaufen? Zwei Fragen, die ich für mein Anforderungsprofil mit einem eindeutigen Ja beantworten kann, weil das Gesamtpaket überzeugt. Zwischen dem Fujinon mit 10mm kürzester Brennweite und dem 7Artisans 7,5mm-Fisheye liegt im wahrsten Sinn des Wortes noch eine Menge Platz. Den kann man bei Landschaften oder in Innenräumen manchmal recht gut brauchen. Solange man es schafft den Fischaugen-Effekt zu entfernen ohne dabei zu viel an Bildwinkel zu verlieren, ist ein Fisheye für mich eine gute Brennweite. Beim 7Artisans 7,5mm-Objektiv überwiegen die Stärken und weil man auch den Preis in die Anschaffungsfrage einbeziehen wird, ist ein Kauf auch dann gerechtfertigt, wenn man die Optik nur ein paar Mal pro Reise oder ein paar Mal im Jahr verwendet. Sogar wenn man Imadio Fisheye Hemi um 30 Euro zum Objektivpreis dazu addiert, bewegt man sich auf der günstigen Seite.

Qualitativ muss man sich mit dem Objektiv vor dem ersten Einsatz auseinandersetzen und dessen spezifischen Eigenheiten austesten. Es ist anzunehmen, dass jedes Objektiv geringfügig anders ist und bei preiswerten Objektiven (nicht nur chinesischer Herkunft) eine gewisse Serienstreuung als gegeben vorausgesetzt werden muss. Wer zum Testen bereit ist, kennt die Stärken und Schwächen seiner Optik und richtet sich danach. Übrigens werden Objektive für Fotoaufnahmen und nicht für das Testlabor gebaut. Man sollte sich nicht verunsichern lassen und im Feldversuch herausfinden, was das Fisheye-Objektiv tatsächlich kann. Die bei meinem Objektiv unschärfere rechte Bildhälfte ist zum Beispiel auf Ausbelichtungen oder bei normaler Monitorbetrachtung nicht sichtbar und für mich daher kein K.O.-Kriterium. Allerdings ist die Optik zwischen Blende 2,8 und 5,6 sowie sowie ab Blende 16 nur sehr eingeschränkt brauchbar und diese Schwächen kann man in der Bildbearbeitung nicht überspielen. Wer unbedingt eine 2,8er-Offenblende benötigt, dem rate ich von diesem Objektiv ab. Ob das Samyang 8mm/2,8 UMC II bei offener Blende eine Alternative ist, kann ich nicht beurteilen. 

Das Fisheye habe ich auf einer langen USA-Reise und einem längeren Trip durch den Westen von Frankreich im Einsatz gehabt und war von ihm recht angetan. Wie schon erwähnt ist es ein Spezialobjektiv und will überlegt eingesetzt werden. Bei der Bildgestaltung spielt man gerne mit dem extrem weiten Bildwinkel und der enormen Schärfentiefe. Von-vorne-bis-hinten-scharf bei diesem Weitwinkel macht genauso süchtig wie ein Freisteller mit nuancierter Unschärfe bei Telebrennweiten. Bei Landschaftsaufnahmen wird der Horizont nur gerade, wenn er in der Bildmitte verläuft und die Kamera relativ genau waagrecht in allen Richtungen ausgerichtet ist. Tiefe ins Bild zu bringen ist mit diesem Objektiv einfach, denn es gibt bei Blende 11 keine unscharfen Bereiche. Allerdings sind gerade Linien, wie zum Beispiel ein Geländer im Vordergrund stark gebogen und lassen auf den ersten Blick den weiten Winkel erkennen. Für Architekturaufnahmen kann man das 7,5mm-Fisheye auch verwenden, wenn es nicht auf die saubere Wiedergabe von Proportionen und geraden Linien ankommt. In der Regel bekommt man auch in dicht verbauten Stadtlandschaften Gebäude vollständig aufs Bild, allerdings zum Preis gekrümmter und stürzender Linien.

Fazit: Ich habe schon angesprochen, dass man das Gesamtpaket sehen muss. Für einen Kaufpreis von etwa 150 Euro wird man kein besseres Fisheye für Fujifilm X-Mount bekommen. Mit den systembedingten Einschränkungen kann und muss man leben. Für mich ist das Objektiv bei Blende 5,6 bis 11 den Fujinons zwar nicht ganz ebenbürtig, für gelegentliche Einsätze und Effekte aber eine Empfehlung, weil die Bild- und die Verarbeitungsqualität stimmt. Die 7Artisans haben insgesamt eine recht gute Arbeit abgeliefert.