Fujicolor PRO 160C und PRO 160S Farbnegativfilme
Es ist heutzutage fast schon eine Sensation wenn ein neues Filmmaterial vorgestellt wird. Fujifilm als einer der großen Hersteller von Filmen für Fotografie und Kino hat bereits vor einigen Monaten neue Farbnegativfilme für den professionellen Bereich angekündigt. Damit unterstreicht der japanische Konzern sein Engagement im Bereich Film und beweist, dass auch im digitalen Zeitalter der Weiterentwicklung von klassischem Filmmaterial ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Laut Aussagen von Fujifilm soll das übrigens auch zumindest in nächster Zeit so bleiben, denn Film ist nach wie vor für viele Amateure und vor allem Profis ein wichtiges Aufnahmemedium.

Die neuen Negativfilme haben die 4. Farbschicht, eine Technologie, die fast in allen Fujifilm Farbnegativ-Emulsionen zum Einsatz kommt. Sie stellt sicher, dass sich alle Farbschichten während der Entwicklung optimal aufbauen können. Die Vier-Farbschicht-Technologie sorgt auch dafür, dass die Toleranz gegenüber Farbstichen deutlich größer ist als bei herkömmlichen Farbnegativfilmen. Die Fujicolor PRO 160 Filme reagieren vor allem auf Farbstiche, die durch Mischlicht entstehen sehr gelassen. Bei Fujifilm betont man, dass der größte Fortschritt der neuen Emulsion deren extrem feine Dichte ist. Durch die feinere Kornverteilung ist der Film in der Lage wesentlich mehr Details aufzunehmen und einen größeren Kontrastumfang wiederzugeben. Ein weiterer Vorteil der neuen Fujicolor PRO 160 Filme ist der erweiterte Belichtungsspielraum, der sogar bei groben Fehlbelichtungen nur unwesentliche Abweichungen bei Farbbalance und den Tonwerten nach sich zieht. Hinsichtlich der Weiterverarbeitung wurden beide Fujicolor PRO 160 Filme nicht nur für die analoge Endfertigung ausgelegt, auch mit allen derzeit verfügbaren Scannern kann man die PRO 160 Filme ideal weiterverarbeiten.

Wo liegen die Unterschiede der beiden Filme? Laut Aussagen des Herstellers sind sowohl der Fujicolor PRO 160C als auch der Fujicolor PRO 160S für die allgemeine Fotografie ausgelegt und können praktisch überall eingesetzt werden. Eine Feinanpassung des Films an das Einsatzgebiet ist aber möglich:
Juni 2005 / überarbeitet Mai 2008
 
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Beide Filme eignen sich für Portrait- und Personenaufnahmen. Vor allem bei schwierigen Hauttönen ist der Fujicolor PRO 160S noch ein wenig besser. Die eher zurückhaltende Farbwiedergabe lässt Fehler in der Haut wesentlich weniger auffallen als der etwas sattere und einen Hauch härtere Fujicolor PRO 160C.
Hohe Bildkontraste sind kein Problem. Allerdings ist der PRO 160C in diesem Fall die bessere Wahl. Er ist etwas härter und hat eine etwas höhere Farbsättigung als der PRO 160S. Das ist vor allem bei Landschafts- und Reisefotografie von Vorteil. Durch die etwas höhere Farbsättigung wirken die Bilder mit dem Fujicolor 160C auch etwas schärfer, obwohl auf den Negativen keine Unterschiede sichtbar sind.
Mit ISO 160 sind die Fujicolor PRO Filme zwar keine Lichtriesen, mit ein wenig Mühe und lichtstarken Objektiven sind aber auch Available-Light-Aufnahmen ohne Stativ möglich. Beide Aufnahmen entstanden ohne Stativ, allerdings wurde die Kamera auf dem Brückengeländer abgestützt. Belichtungszeit ca. 1/8 Sekunde bei Blende 1,4.
Die Fujicolor PROs eignen sich hervorragend für Mischlichtsituationen. Vor allem die Wiedergabe von Kunst- und Fluoreszenzlicht gelingt überraschend gut und man kann sowohl mit dem Fujicolor PRO 160C als auch mit den PRO 160S sehr gut Stimmungen einfangen (Aufnahme mit dem Fujicolor PRO 160C).
Fujicolor PRO 160C: Das „C" steht für Contrast, denn der PRO 160C hat einen erhöhten Kontrast und eine erhöhte Farbsättigung über das gesamte Spektrum und ist daher ideal zum Beispiel für Mode- oder Industriefotografie bzw. überall dort einsetzbar, wo etwas kräftigere Farben erwünscht sind und ein erhöhter Kontrast kein Problem darstellt.
Fujicolor PRO 160S: Auch hier lässt der Buchstabe „S" erahnen, wo die Schwerpunkte liegen, denn er steht wahrscheinlich für Skin (Hauttöne) und genau dafür ist dieser Film auch ausgelegt. Er hat seine Stärken in der klassischen Portraitfotografie, bei Hochzeiten bzw. überall dort, wo die exakte Wiedergabe von Hauttönen oberste Priorität besitzt und ein normaler Kontrastumfang gewünscht wird.
Lieferbar sind die Fujicolor PRO 160C und 160S Filme ab sofort als Kleinbildfilm mit 36 Aufnahmen, als Rollfilm 120 und 220 und auf Bestellung auch als Planfilm 4x5-Inch. Die Verarbeitung erfolgt, wie könnte es anders sein, im Standard C-41 Prozess.

Der Praxistest wurde mit einer Leice M6 und einer Leica M7 durchgeführt. An beiden Kameras wurden Leica-Objektive mit 35mm und 50mm Brennweite eingesetzt. Die Testaufnahmen entstanden parallel mit beiden Kameragehäusen. Die Testfilme wurden in einem Fachlabor entwickelt und anschließend für den Druck auf einem Fujifilm Frontier Digital-Minilab gescannt.
 
 
Fazit: Trotz totaler Digitalisierung traut sich ein großer Hersteller ein neues Filmmaterial auf den Markt zu bringen. Eine Entscheidung, die allen dient, die nach wie vor Filme verwenden und auf höchstes Qualitätsniveau Wert legen. Wie es sich gehört sind die neuen Filme Spitze in allen Disziplinen und ohne erkennbare Schwächen. Bei sachgemäßer Belichtung und Verarbeitung sind bereits mit Kleinbildsystemen Ergebnisse erreichbar, die vor wenigen Jahren dem größeren Mittelformat vorbehalten waren. Ein kräftiges Lebenszeichen vom Film und sowohl der Fujicolor PRO 160S als auch der PRO 160C sind gute Argumente wieder einmal auf „analog"-Material zu arbeiten.
Belichtungsspielraum: Beide Filme unterscheiden sich minimal hinsichtlich Belichtungsspielraum und Farbcharakteristik. Eine Fehlbelichtung um ½ Blende fällt überhaupt nicht ins Gewicht. Aus diesem Gesichtspunkt könnte man beide Filme sogar immer mit ISO 200° belichten ohne dass eine spezielle Entwicklung notwendig wäre. Auch wenn man den Belichtungsspielraum in einer größeren Bandbreite ausnutzt sind Qualitätseinbußen erst jenseits von plus/minus einer Blende merkbar. Jenseits von plus/minus zwei Blenden sollte man auf einen Ausgleich bei der Entwicklung achten, denn z.B. bei einer Unterbelichtung von mehr als zwei Blenden reagiert auch das beste Filmmaterial mit verringerter Qualität.

Farbtemperatur: Sowohl der Fujicolor PRO 160C als auch der PRO 160S können sehr gut bei wechselnden Lichtverhältnissen eingesetzt werden. Farbschwankungen vertragen beide Filme überraschend gut. Vor allem Fluoreszenzlicht wird von beiden Emulsionen sehr gut ausgeglichen. Halogenlicht ist nur dann ein Thema, wenn es die dominante Lichtquelle ist und es überhaupt keine tageslichtähnliche Lichtquelle gibt. Mischlicht mit einem hohen Anteil an Tageslicht ist für beide Filmmaterialien unproblematisch. Meiner Beobachtung nach kommt der Fujicolor PRO 160S noch einen Hauch besser mit Farbschwankungen zu recht als der PRO 160C. Generell waren alle Ergebnisse mit ein wenig Feinabstimmung beim Scannvorgang sehr gut brauchbar und haben eine sehr gute Farbwiedergabe gehabt.

Schärfe und Korn: Zwei Parameter, die gerade im digitalen Zeitalter höchsten Stellenwert besitzen. Die überwiegende Anzahl an Negativen wird heute nicht mehr über ein Vergrößerungssystem auf Papier gebracht. Moderne Minilabs arbeiten auf Scannerbasis und Laser belichten Bildpunkt für Bildpunkt auf Fotopapier. Auch im privaten und gewerblichen Bereich besitzen sehr viele Fotografen hochauflösende Scanner um Bilddateien von Negativen herzustellen. Fujifilm ist (mit Recht) stolz darauf, dass die neuen Fuiicolor PRO Filme sehr gut digital verarbeitbar sind. Mit dem Fujifilm Frontier gab es überhaupt keine Probleme und mit dem Nikon Super-Coolscan LS-8000 wurden die beiden neuen Fujicolor PRO wie der bisher erhältliche NPS160 gescannt. Ebenfalls eine unproblematische Angelegenheit, die nur Nachbearbeitung im üblichen Rahmen erfordert hat. Dank des sehr feinen Korns kann man mit hohen Auflösungen arbeiten und hat, wenn erforderlich, genügend Reserven für Ausbelichtungen in Formaten jenseits von 40x50cm.

Tonwertabstufungen und Kontrastverlauf: Ein Punkt, indem sich die beiden Filme unterscheiden, wenn die Unterschiede auch nur sehr gering sind. Gleich vorweg: Auch wenn man mit dem für Portraits ausgelegten Fujicolor PRO 160S Landschaften und Architektur fotografiert bekommt man einwandfreie Ergebnisse. Eine Verwechslung ist also kein Drama. Der PRO 160S ist bei der Farbwiedergabe etwas zurückhaltender und bringt meiner Meinung nach farbliche Zwischentöne etwas besser. Der Fujicolor PRO 160C ist bei den Farben etwas knackiger ohne jedoch ein Buntfilm zu sein. Auch der Kontrastverlauf ist etwas steiler als beim PRO 160S. Landschaften, Architektur oder technischer Aufnahmen wirken dadurch ein wenig gefälliger.