Garmin Custom POIs und Google Earth KMZ-Dateien

Alle aktuellen Garmin Modelle unterstützen die Möglichkeit mit benutzerdefinierten Wegpunkten, sogenannten Custom POIs (Benutzer-POIs), gefüttert zu werden. Die Custom POIs werden auf der Karte angezeigt und können mit einem selbsterstellten Symbol versehen werden. Nachdem man eine ganze Menge an Custom POIs in einem Garmin GPS Empfänger speichern kann, ist die Erstellung großer Datenbestände eine mühsame Angelegenheit und sehr oft stellt sich die Frage, wie man vorhandene Daten als Custom POIs aufbereitet.

Sehr oft stehen im Internet umfangreiche Datensammlungen im KMZ-Datenformat kostenlos zum Download zur Verfügung. KMZ ist wiederum eine quasi „Zip-Version" von KML, der Keyhole Markup Language von Google und wird u.a. in Google Earth verwendet. Nachdem KMZ nicht direkt in eine für Garmin Geräte brauchbare GPX-Datei umgewandelt werden kann, sind ein paar Kunstgriffe und ein wenig Software notwendig um die Datenkonvertierung durchzuführen.

Erforderliche Daten:

Eine KMZ-Datei kann man sich z.B. aus dem Internet laden. Kostenlose Quellen gibt es genügend, auch bei den angebotenen Daten ist für jeden Geschmack etwas Passendes dabei. Das Angebot reicht von Datensammlungen mit Sehenswürdigkeiten, Bauwerken und Architektur über Daten zu Geographie, Vegetation, historischen Punkten bis zu Wirtschaft und Verkehr. Sehr beliebt, und deshalb soll dieser Schwerpunkt besonders erwähnt werden, sind die „Blitzerdatenbanken" mit Informationen zu Geschwindigkeit-Checkpoints vulgo Radarfallen. In einigen Ländern ist die Benützung von Radarwarnern verboten, Navigationsgeräte, die entsprechende Datensammlungen enthalten werden dann großzügig als Radarwarner klassifiziert und schon kann man Schwierigkeiten mit der Obrigkeit bekommen. Das will man naturgemäß vermeiden und deshalb empfehle ich nur Gefahrenstellen als Custom POIs abzuspeichern, keinesfalls aber Radarfallen. Wer´s trotzdem tut handelt (wie immer) auf eigene Gefahr und in diesem Sinne soll dieser Artikel keineswegs Anstiftung zu illegalem Tun sein! Gute Quellen für KMZ-Dateien sind u.a. http://www.earth-community.de/ oder http://www.kugelerde.de/   mit einem großen Spektrum an angebotenen Datensammlungen.



Erforderliche Software:


                    - Google Earth 5.1.3533.1731 - kostenlos

                    - PoiEdit 2007.2 - Donationware

                    - GPSBabel 1.3.6 - Donationware

                    - Bildbearbeitungsprogramm für Symbolerstellung

                    - Garmin POI-Loader 2.54 - kostenlos für Garmin User


Ein Softwarepaket kann hier heruntergeladen werden (ca. 16 MB), es enthält zwar kein Bildbearbeitungsprogramm aber ein Symbol für eine Gefahrenstelle. Die in der Zip-Datei enthaltenen Softwareprodukte unterliegen dem Copyright und dürfen ausschließlich aufgrund der jeweiligen Lizenzbedingungen genutzt werden! Mit dem Download akzeptieren Sie die Lizenz- und Nutzungsbedingungen des jeweiligen Rechteinhabers!

schematischer Ablauf der Konvertierung
Die Umwandlung Schritt-für-Schritt:


1. Softwareprodukte installieren - mit den relativ anspruchslosen Systemanforderungen sollte ein durchschnittlicher Computer nicht überfordert sein. Die Installation dauert überdies nur ein paar Minuten.

2. Datensammlung besorgen - auch das ist meist schnell erledigt, wenn man weiß, was man haben will, im Beispiel ist es eine Sammlung von Straßenverkehrs Gefahrenstellen in Österreich mit dem Namen AUT_Gefahr.kmz. Die KMZ-Datei am besten in einem eigenen Ordner speichern.

In den Ordner mit der KMZ-Datei sollte man auch sofort die BMP-Symboldatei kopieren.
3. Die Datei (AUT_Gefahren.kmz) in Google Earth öffnen (2 Bilder oben). In den „Temporären Orten" taucht dann bereits ein Untermenü AUT_Gefahren.kml auf. Einfach Mauszeiger darauf positionieren und nach einem rechten Mausklick die Option „Ort speichern unter…" wählen. Unbedingt darauf achten, dass als Dateiformat *.kml ausgewählt ist. Jetzt wird eine Datei mit dem Namen AUT_Gefahren.kml erstellt. Diese Datei ist  größer als die KMZ-Datei, weil sie keine komprimierten Daten enthält. Google Earth kann jetzt beendet werden.

4. Im nächsten Schritt wird die Bezeichnung der Custom POIs kontrolliert bzw. korrigiert (3 Bilder unten). Viele Datensammlungen haben bereits aussagekräftige Bezeichnungen für die einzelnen Punkte, es gibt aber immer wieder auch welche, bei denen man nacharbeiten muss. Sehr oft ist das der Fall, wenn Datensammlungen automatisch generiert wurden. Befinden sich nur wenige Punkte in der Sammlung kann man jeden einzelnen Punkt überarbeiten, bei einer sehr großen Anzahl an Custom POIs ist eine automatische Umbenennung sinnvoll. Für diese Arbeiten bietet sich PoiEdit an. Das Programm wird gestartet und die Beispieldatei AUT_Gefahren.kml geöffnet. Hier ist es erforderlich die Bezeichnung der einzelnen Punkte zu ändern. Nachdem es sich um mehr als 900 Datensätze handelt, die über ganz Österreich verstreut sind aber eine einheitliche Funktion (Gefahrenstelle) haben, empfiehlt sich ein einheitlicher Name inklusive schneller Umbenennung. Dazu markiert man alle Datensätze, klickt mit der rechten Maustaste und wählt den Menüpunkt „Rename Selected", gibt eine einheitliche Bezeichnung ein, im Beispiel "Gefahrenstelle" und führt den Befehl aus. Anschließend die Datei speichern und PoiEdit beenden.

5. Mit GPSBabel erfolgt die Umwandlung in eine GPX-Datei (Bild unten). GPX steht für GPS Exchange Format, wurde ursprünglich von TopoGrafix entwickelt und ist ein lizenz- und gebührenfreies XML-Format zum Austausch von Geodaten. Auch Garmin versteht dieses Format und deshalb ist es unabdingbar die Google Earth KML-Datei in ein (Garmin) GPX-Format zu konvertieren. Dazu verwendet man am besten GPSBabel weil PoiEdit im Test mit großen Datensammlungen immer wieder Probleme hatte und sehr oft keine Konvertierung möglich war. GPSBabel ist einfach zu bedienen und war im Test auch in Verbindung mit großen Datensammlungen stabil und schnell.

6. Am Schluss bleibt nur noch die Übertragung an den Garmin GPS-Empfänger. Dazu benötigt man den Garmin POI Loader, die vorher erstellte GPX-Datei AUT_Gefahren.gpx und eine Symboldatei mit dem Namen AUT_Gefahren.bmp. Die Symboldatei kann man sich individuell mit jedem Bildbearbeitungsprogramm erstellen. Sie hat eine Größe von 22x22 Pixel und wird als 16-Bit Bitmap (BMP) gespeichert. Die Symboldatei muss denselben Namen wie die GPX-Datei haben und sich im selben Ordner befinden, sonst wird sie vom POI Loader während der Übertragung ignoriert.

Nachdem man die zu kopierende Datei ausgewählt hat, wechselt man in den manuellen Modus und legt im nächsten Schritt fest, dass der Annäherungsalarm (Proximity Alert) aktiviert werden soll. Der POI Loader erlaubt auch die Eingabe einer Entfernung für den Annäherungsalarm. Im Beispiel wird 250 Meter vor der Gefahrenstelle ein Signalton ausgegeben, dazu muss allerdings der Annäherungsalarm im GPS-Empfänger aktiviert sein.

Alternativ ist es mit dem Garmin POI Loader möglich eine Datei im Garmin-proprietären GPI-Format auf der Festplatte zu speichern. Diese Datei kann man dann auf mehrere Garmin GPS-Empfängern kopieren und muss nicht jedes Mal den POI Loader verwenden. Dazu einfach den Garmin über USB mit dem Computer verbinden und die Datei poi.gpi in den Ordner \Garmin\POI verschieben (Nüvi-Serie).

Am Ende noch eine kurze Gegenüberstellung der verschiedenen Wegpunkt-Typen. Je nach Garmin-Modell haben Wegpunkte auch andere Bezeichnungen wie Favoriten oder My Locations. Wegpunkte können im Gerät bearbeitet werden, es können Wegpunkte direkt im Gerät hinzugefügt werden und natürlich kann man Wegpunkte auch direkt im Gerät löschen. Wegpunkte geben unterwegs die größtmögliche Flexibilität wenn es um die Erfassung und Verwaltung von derartigen Daten geht. Die Anzahl der möglichen Wegpunkte reicht von 500 bis ca. 2000 je nach Modell.

Custom POIs werden in einer Datei zusammengefasst, im Gerät gespeichert und sind im Gerät nicht veränderbar. D.h. man kann keine Custom POIs im Gerät bearbeiten, hinzufügen oder entfernen. Vorteile bietet diese Art der Wegpunkte bei der Datenmenge. Laut Auskunft von Garmin kann man bei der Nüvi-Serie theoretisch 8.196 Custom POI Dateien speichern und verwalten, es hat schon Nutzer gegeben, die auf diese Weise mehr als 1.000.000 Custom POIs zu den Kartendaten hinzugefügt haben. Ob so etwas sinnvoll ist, sei dahingestellt, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass dadurch die Verarbeitungsgeschwindigkeit des GPS-Empfängers verlangsamt wird.

September 2007 / überarbeitet Dezember 2009

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