Garmin iQue 3600 und 3200
Eine gelungene Kombination aus PDA und Navigationsgerät bezeichnet Garmin seine iQue Serie, die derzeit aus zwei Geräten besteht. Der amerikanische Marktführer in Sachen GPS-Empfänger hat auch bei der iQue-Serie nicht gekleckert sondern gleich geklotzt und herausgekommen sind zwei PDAs, die es in sich haben.

Vorweg: Getestet wurde ein iQue 3600 mit komplett deutscher Menüführung, der iQue 3200 konnte in den aktuellen Test noch nicht einbezogen werden. Da sich die technischen Daten bis auf Kleinigkeiten gleichen, gilt das hier gesagte sinngemäß für beide Produkte.
Von außen sieht der iQue 3600 wie ein herkömmlicher PDA aus. Das Gehäuse ist hochwertig verarbeitet, auf Designspielereien hat man verzichtet und wenn man die schwarze Schutzklappe aus Leder zurückklappt und das Gerät einschaltet hat man einen ganz normalen Palm mit Palm-OS 5.2.1 in der Hand. Klar passen auch alle für dieses Betriebssystem verwendbaren Fremdapplikationen zum iQue und damit erschließt man sich eine fast schon unüberschaubare Anzahl an Software aus dem kommerziellen oder auch Shareware- oder Freeware-Bereich. Das Display ist sehr kontrastreich und hell, dank der transflektiv-Technik ist es auch bei hellem Umgebungslicht gut ablesbar, meinem dafürhalten nach eine Sache ohne wenn und aber. Auch die Gerätegröße ist den Garmin Ingenieuren recht gut gelungen das Gehäuse ist weder zu groß noch zu klein und es liegt auch gut in der Hand. Der iQue wird hauptsächlich über einen Touchscreen mit Stift bedient, die wenigen Tasten (Lautstärke, ESC, …) sind nicht nur ausreichend groß dimensioniert sondern auch griffgünstig platziert. Wenn man den iQue in der Hand hält lässt er sich wirklich gut bedienen, eine völlig alltagstaugliche Lösung. Auch sonst findet man am iQue 3600 alles, was man bei einem ernstzunehmenden PDA finden sollte: Ir-Port, SD-/MM-Card-Slot und eine Kopfhörerbuchse (3,5mm-Klinke-Stereo) sind mit an Board. Gut gelöst ist auch die große grüne LED, die auch im lautlosen Betrieb genügend Aufmerksamkeit erregt, wenn der iQue etwas zu melden hat. Ein Universalconnector für den Anschluss mittels speziellem Kabel an den PC und eine Buchse für den direkten Anschluss eines Netz-/Ladegerätes runden die Ausstattung ab. Auf der Rückseite des Gerätes findet man noch eine Reset-Taste (leider nur mit aufgebogener Büroklammer erreichbar) und die Schlitze für den integrierten Lautsprecher.

Der GPS-Empfänger ist, wie schon erwähnt, im PDA integriert, wenn man „auf Empfang"  gehen möchte wird eine quadratische Antenne von der Hinterseite des iQue hochgeklappt und damit die GPS-Funktionalität herstellt. Diese einzige mechanische Komponente wirkt sehr solid und man hat den Eindruck, dass sie auch über einen längeren Zeitraum problemlos funktionieren wird. Besonders beeindruckt hat mich aber, dass man auch an den Anschluss für eine externe Antenne gedacht hat. Manchmal kann man mit einem derartigen Zubehör die Empfangsleistung eines GPS-Empfängers deutlich erhöhen und die Garmin-Konstrukteure haben die Besitzer eines iQue in diesem Punkt nicht vergessen. Ein weiteres Plus ist auch, dass man in Verbindung mit einer externen Antenne den iQue im Fahrzeuginnenraum genau dort positionieren kann, wo man möchte und nicht auf eine Sichtverbindung nach außen angewiesen ist. Auch das in diesem Zusammenhang oft propagierte Argument für einen Bluetooth-GPS-Empfänger relativiert sich hier recht schnell. Die original Garmin Aktivantenne MK-76 als Zubehör kostet etwa 80 Euro, während man für einen Bluetooth-GPS-Empfänger zwischen 200 und 400 Euro ausgeben muss. Da bleibt es dem einzelnen Anwender überlassen, ob er nur wegen der Bequemlichkeit einer Kombination aus verschiedenen Einzelteilen (von verschiedenen Herstellern) oder einer Komplettlösung eines der führenden Anbieter den Vorzug gibt.
Die inneren Werte des iQue 3600 können sich ebenfalls sehen lassen. 32 MB RAM in der Grundausstattung sind für ein Gerät mit Palm-OS recht ordentlich, der Speicher kann durch SD-Karten ergänzt werden. Eine Speichererweiterung sollte aber gleich von Anfang an dazugekauft werden. Die Kartendaten sind wahre Speicherfresser und wenn man größere Gebiete wie z.B. Österreich, Schweiz, Deutschland und Frankreich oder gar komplett Europa im iQue immer dabei haben möchte, gibt es sowieso keine Alternative dazu. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Motorola Dragonball MXL Prozessors ist ausreichend, der Kartenaufbau (scrollen) geht in jedem Fall erträglich schnell vonstatten. Auch bei anderen Anwendungen verrichtet der Motorola-Prozessor mit ARM9-Kern schnelle Arbeit und lässt im Vergleich einen Palm m515 recht alt aussehen. Das Display hat eine Auflösung von 320x480 Pixel bei 16-Bit Farbe und kann auch komplexe Karten sehr ordentlich darstellen. Die Farbgebung der Menüs ist dezent und sehr gefällig, daran gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Bei Tageslicht kann man dank transflektivem Display auf die Hintergrundbeleuchtung verzichten, ist es dunkel hängt sich die Hintergrundbeleuchtung recht heftig an den Lithium-Ionen-Akku und saugt ihn recht bald leer. Mit eingeschalteter Displaybeleuchtung und aktiviertem GPS ist eine Akkuladung in etwa 4 Stunden aufgebraucht, wenn man die Displaybeleuchtung ausschaltet erhöht sich die Betriebszeit auf etwa 6 bis 7 Stunden. An dieser Stelle sei freilich angemerkt, dass man einen PDA wohl kaum auf längeren Outdoor-Touren mitnimmt, für solche Aktivitäten empfiehlt sich ein wesentlich robusterer GPS-Empfänger wie z.B. ein GPS V oder ein GPSmap 60. Für die Navigation in einem Fahrzeug kommt die Batterielaufzeit kaum zum Tragen, da einem der Anschluss an das Bordnetz (Kabel mit Lautsprecher im Lieferumfang enthalten) mehr oder minder unbegrenzte Betriebszeiten ermöglicht.

Zu den GPS-spezifischen Fähigkeiten des iQue 3600: Der Kaltstart dauert bei diesem Gerät laut Anleitung maximal 5 Minuten, das von mir getestete Gerät lieferte aber immer bereits nach spätestens 3 Minuten die ersten Positionsfixings. Wie bei Garmin üblich werden bei jedem Start verschiedene Warnhinweise angezeigt, die auf die sichere Bedienung des Gerätes speziell im Straßenverkehr hinweisen. Eine sinnvolle Prävention, denn wer will schon mit seinem neuen iQue einen Unfall verursachen. Die Leistung des integrierten 12-Kanal GPS-Empfängers liegt auf sehr hohem Niveau und funktioniert mit Einschränkungen auch im dichtest verbauten Stadtgebiet. Wo kein Satellitenampfang möglich ist, liefert der iQue, wie auch alle anderen GPS-Empfänger, eben keine Daten.
Wegpunkte, Routenplanung und Autorouting in der Praxis

Im Gegensatz zu fast allen herkömmlichen GPS-Empfänger lassen sich Eintragungen im iQue dank der Graffiti-Schrifterkennung bequem und schnell vornehmen. Das bedeutet, dass man sich nicht mit Gummitasten herumquälen muss und Wegpunkte sowie Routen direkt im Gerät eingeben und bearbeiten kann. Auch die von der PC-Version Mapsource bekannten Suchfunktionen wie z.B. nach Städten oder Points-of-Interest finden sich im iQue wieder. Voraussetzung für alle Funktionen ist ausreichend Speicher (SD-Karte) damit die Daten auch im Gerät verfügbar sind. Hat man ausreichend Daten im iQue gespeichert funktioniert die Routenbrechnung und das Autorouting grundsätzlich von Haustür zu Haustür und steht der PC-Lösung kaum nach. Dazu sollte aber schon gesagt werden, dass komplexe Routen eine längere Berechnungszeit als auf einem ausgewachsenen PC oder Notebook erfordern, die Zeiten bewegen sich aber in einem mehr als akzeptablen Bereich.

Gerätebedienung unterwegs

Bei einem Gerät wie dem iQue ist eines der Hauptkriterien neben der Empfangsleistung die einfache und logische Bedienung unterwegs. Der iQue kommt mit wenigen Tasten aus, die von der Größe her ausreichend dimensioniert sind. Die Bedienung mit dem Eingabestift ist auch bei Dunkelheit eine problemlose Angelegenheit. Beim Einbau in einem Fahrzeug sollte der iQue allerdings gut erreichbar eingebaut sein, sonst muss man das Gerät immer aus der Haltung nehmen oder kann es nur unter Verrenkungen bedienen. Stichwort Fahrzeugeinbau: Die Displayhelligkeit lässt sich auch gut in mehreren Stufen dimmen und ermöglicht eine blendfreie Anzeige auch während einer Nachtfahrt.
Fazit

Der Garmin iQue 3600 ist sowohl ein ernstzunehmender PDA als auch ein ernstzunehmender GPS-Empfänger. Garmin hat ein an sich logisches Konzept gut umgesetzt und bietet einen solide verarbeiteten PDA/GPS-Empfänger mit einer hochwertigen Navigationssoftware. Mir hat vor allem sehr gut gefallen, dass die Software nicht mit zusätzlichen Features überfrachtet wurde sondern sich auf sinnvolle und brauchbare Funktionen konzentriert. Wer eigene Karten einsetzen möchte, dem sei an dieser Stelle noch Fugawi 3 empfohlen, die PalmOS-Unterstützung dieser PC-Software ist nämlich voll mit dem iQue kompatibel. Das Display verdient positive Erwähnung, ebenso der Anschluss für die externe Antenne. Die Akkulaufzeit ist die Achillesferse eines jeden PDA und da macht der Garmin iQue 3600 keine Ausnahme, dazu kommt noch, dass der Lithium-Ionen-Akku fest in das Gerät integriert ist und nicht getauscht werden kann. Trotzdem würde ich dem iQue 3600 den Vorzug vor fast jeder Eigenbaulösung (PDA plus „fremdem"  GPS plus „fremder"  GPS-Software) geben weil die Stärken sicher überwiegen.

Zwillinge: iQue 3600 und 3200 sind kaum zu unterscheiden.

Optional zur originalen Garmin-Software kann auch Fugawi 3 auf dem iQue 3600 verwendet werden. Damit ist es möglich eigene Karten auf dem iQue einzusetzen.
Plus

- Display 320x240 - 16bit transflektiv
- hochwertige Verarbeitung
- gute Geräteausstattung
- hochwertige GPS-Software
- kräftiger Lautsprecher (für Sprachausgabe)
- Anschluss für externe GPS-Antenne
- kompletter Lieferumfang
- Preis-/Leistungsverhältnis in Ordnung


Minus

- Akkulaufzeit bei eingeschaltetem Display
- Akku fest im Gerät integriert und nicht wechselbar
Beide Garmin iQue-Modelle verfügen über die gängigen Schnittstellen und Anschlüsse für externe Antenne und externe Stromversorgung. Die Aufrüstung des Gerätespeichers erfolgt mittles gängiger SD/MM-Speicherkarten.
Die Menüstruktur der Garmin iQues ist gut strukturiert, die Geräte lassen sich dadurch auch dann gut bedienen, wenn sie z.B. in einer PKW-Halterung eingeklinkt sind.
September 2004
 
Alle Fotos auf dieser Seite: Copyright Garmin/GPS-GmbH.
 
 
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