(M)eine kleine Geschichte der Fotografie
Im Herbst 2008 habe ich begonnen mein Negativ- und Diaarchiv in Ordnung zu bringen. Der Anstoß dafür war, daß ich seit Mitte 2007 immer mehr auf digitale  Kameras umgestiegen bin und denke, daß mein analoges Fotoarchiv kaum noch wachsen wird. Da sollte alles gesichtet und geordnet sein. In mehr als 25 Jahren  hat sich eine große Menge an Negativen und Dias angesammelt. Obwohl ich mir immer eingebildet habe, mein Archiv geordnet zu führen und das gesamte Material  sorgsam aufzubewahren, ist mir schon nach kurzer Zeit aufgefallen, daß einiges nicht so ist, wie es sein sollte. Eigentlich war das kein Wunder, denn die  paar hundert Negativfilme und etwa 5.000 Diapositive wurden in all den Jahren drei Mal übersiedelt und ein paar Mal innerhalb der verschiedenen Wohnungen in  unterschiedliche Aufbewahrungsschränke verstaut. Da leidet jedes Material, auch wenn die Negativstreifen in Pergaminhüllen und die Diapositive teilweise in  Magazinen und teilweise in speziellen Klarsichthüllen archiviert sind. Schlamperei, auch wenn sie sich auf Kleinigkeiten beschränkt, summiert sich im Lauf  der Zeit. Dadurch ist ein bißchen Unordnung entstanden und einiges an Material hat gelitten.
Meine wenigen Ersparnisse habe ich in dieser Zeit mit Vorliebe zum örtlichen Fotohändler getragen und mir nach und nach eine für meine Verhältnisse  'professionelle' Fotoausrüstung zusammengekauft. Das Badezimmer meiner 40m²-Wohnung habe ich auch als Dunkelkammer verwendet und mit einem Durst M670 Color  vollgeräumt. Ich war zwar oft auf Reisen, meine Unterkünfte waren aber eher sparsam und ich habe mich schon glücklich geschätzt, wenn ich mir ein  2-Sterne-Hotel leisten konnte. Egal, Hauptsache man war unterwegs und hat etwas erlebt. Für manches Erlebnis hat auch mein damaliges Auto gesorgt. Das war ein  1976er-Ford Taununs mit unendlich vielen Kilometern auf dem Tacho. Dazu gabs noch viele Rostlöcher und vor jeder Regenfahrt mußte man sich Gedanken  machen, ob nicht Regenwasser in die Elektrik eindringt und böse Kurzschlüsse verursacht. Der Taunus hat mich nie im Stich gelassen, auch wenn er manchmal  nach längeren Autobahnsteigungen wegen abnormal hoher Kühlwassertemperatur eine Pause auf dem nächsten Parkplatz gebraucht hat. Ich bin immer wieder ohne  fremde Hilfe zu Hause angekommen. Mein mickriges Einkommen und die damaligen Prioritäten haben eine tolle Fotoausrüstung vorgesehen, das neue Auto und die  guten Hotels sind erst viel später gekommen.

Beruflich habe ich erst Jahre danach mit Fotografie zu tun bekommen. Da war ich Assistent (ich würde eher sagen Lehrling oder Auszubildender) bei einem  damals bekannten Werbe- und Industriefotografen. Der hat mir die fototechnischen Grundlagen in Perfektion beigebracht und mich auch in der Dunkelkammer so  fit gemacht, daß ich sogar heute noch davon profitiere. Eine schöne Zeit mit vielen Produkt- und Interieuraufnahmen. Allerdings hatte das zur Folge, daß die  Aufnahmen aus dieser Zeit eher einen 'technischen' Eindruck hinterlassen. Da waren Dias auf eine Drittelblende genau belichtet und der Schnitt hat haargenau  gestimmt, aber wenn man sich die Bilder durchsieht, dann dokumentieren sie eine kühle und distanzierte Sichtweise.
Fünfzehn Jahre später ist das glücklicherweise etwas anders. Ich bin zwar auch heute noch als Fotograf lieber in der Rolle des Beobachters, der etwas abseits  steht, ich mache aber auch dann ein Bild, wenn ich annehme, daß die Stimmung und Bildaussage paßt, auch wenn vielleicht der Bildaufbau nicht ganz exakt ist.  Dazu kommt noch, daß ich heute Fotografie nur mehr teilweise beruflich brauche und überwiegend für mein persönliches Vergnügen fotografiere. Das gibt eine  gewisse Gelassenheit und hat den Vorzug nur seinen eigenen Geschmack treffen zu müssen, obwohl ich mich freue, wenn die Bilder auch jemand anderen  gefallen. Das kann man an meiner Homepage unschwer erkennen, auch wenn man da nur einen ganz kleinen Teil meiner Arbeiten sehen kann. Auf dieser und den  folgenden Seiten gibt es einen kleinen Querschnitt durch mein Archiv. Es versteht sich von selbst, daß ich nur jene Bilder ausgewählt habe, die qualitativ  einigermaßen brauchbar sind. Die restlichen tausenden anderen nicht ganz so guten Bilder mögen weiterhin in den Ablagen schlummern. Stand der Dinge ist, daß mein Archiv noch nicht ganz fit ist und es noch einiges an Bildbeständen genauer zu durchforsten gibt. Vielleicht ergänze ich dann diese Seiten mit weiterem Bildmaterial.

Ein Hinweis am Schluß: Die Bilder habe ich alle selbst gescannt und so weit es geht farblich korrigiert. Bei dem einen oder anderen Foto läßt sich die schlechte Farbe nicht ganz wegbekommen, ebenso gibt es bei manchen Bildern Probleme mit den Tonwerten. Es soll auch erwähnt werden, daß die Technologie in den 1980er-Jahren wesentlich schlechter als bei aktuellem Filmmaterial war. Auch das begründet die bei Farbfilmen generell schlechtere Bildqualität.
Das ist mein erstes Foto: Urlaub an der portugiesischen Algarve im Sommer 1975. Mein erster Fotoapparat war eine Agfamatic 200 Sensor, die ich heute noch besitze und die noch immer funktioniert. In Europa ist kein 126er-Instamaticfilm erhältlich, daher lagert die Kamera in einer Kiste im Keller.
Das größte Problem sind aber Farbverschiebungen, ausgeblichene Diapositive und Kratzer auf den Negativen. Vor allem Diafilme aus den 1980ern haben teilweise  Farbstiche bekommen oder sind verblaßt. Aus Kostengründen habe ich damals sehr oft mit Filmen von Agfa und Perutz fotografiert und das rächt sich heute damit,  daß gerade dieses Material vom Zahn der Zeit besonders stark angenagt wird. Kaum Probleme gibt es mit Fujichrome, Kodachrome und Ektachrome, diese  Materialien altern nur dann, wenn sie permanent dem Tageslicht ausgesetzt werden. Ärgerlich ist bei den alten Agfa- und Perutz-Filmen die Stärke der  Beschädigungen. Die Verfärbungen sind teilweise so stark, daß die Diapositive für die Betrachtung und wahrscheinlich auch für einen Scan unbrauchbar geworden  sind. Kratzer und Schrammen sind ein Problem bei Farb- und Schwarzweiß-Negativen. Bedingt durch die Handhabung im eigenen Labor oder beim Fotofinisher haben  sich vor allem bei Negativstreifen, von denen öfters Prints angefertigt wurden, einige Kratzer und sogar die eine oder andere Schramme angesammelt. Dagegen  kann man nur mehr elektronisch angehen, denn einige der Streifen halte ich auf analogem Weg für nicht mehr kopierbar.
Das Resümee der ersten Stunden Beschäftigung mit meinem Archiv: in Teilbereichen etwas chaotisch, insgesamt aber für mehr als 25 Jahre Fotografie kein  schlechter Bestand. Nach einer etwas intensiveren Beschäftigung mit den Diapositiven hat sich dann aber doch herausgestellt, daß es ein paar gravierende  Probleme gibt. Einige der besten Dias sind verschwunden und nicht mehr auffindbar. Ich habe sie vor etwa 10 oder 12 Jahren dem Archiv entnommen um Ilfochrome-Abzüge anzufertigen und scheinbar nicht mehr in das Archiv zurückgeordnet. Sie sind auch nach intensiver Suche bis dato verschollen. Glücklicherweise gibt es noch fast alle Ilfochrome-Bilder und da lassen sich irgendwann wenigstens hochauflösende Scans anfertigen.
Nach all der Frustration mit blassen Farben, Kratzern und fehlendem Material hat es auch schöne Momente gegeben. Es ist der erste von mir belichtete Farbfilm  aufgetaucht, ich habe ein fast fertiggestelltes (und irgendwann in Vergessenheit geratenes) Diaschau-Projekt zur Biennale di Venezia 1986 wiedergefunden und  bei der Durchsicht der vielen Negative und Dias hat sich eine für mich sehr interessante Zusammenfassung meiner fotografischen Entwicklung ergeben. Die  (wohltuende) Erkenntnis aus den zig-tausend belichteten Bildern ist, daß ich wenigstens mit den Aufgaben gewachsen bin. Angefangen hat es mit den ersten  Knipsbildchen aus einer Agfamatic 200 Sensor. Dann sind die meist von mäßigem Erfolg gekrönten Versuche mit der damals neuen Canon AV-1 Spiegelreflex zu  'schönen' Toppfotos zu kommen gefolgt. Einige Jahre (und Erfahrungen) später habe ich mir dann eine Nikon F-3HP gekauft. Wenn ich mich richtig erinnere, war  der Motorantrieb vor allem für die Filmhersteller eine sprudelnde Geldquelle - ich erwähne nur die Aufnahmefrequenz von 6 Bildern in der Sekunde.

Agfamatic 200 Sensor:

- 3-linsiges Kunststoffobjektiv

- keine Belichtungsmessung

- 4 Wettersymbole

- aufsteckbare Blitzwürfel

- 126er-Instamaticfilm

 

Teile einer Ausstellung über das Werk des österreichischen Architekten Otto Wagner an meiner Schule im Jahr 1983. Die Bilder zeigen ein Tragwerk der Brücke über den Gürtel (heute U-Bahn U6), den Eingangsbereich in die Schalterhalle des Postsparkassengebäudes und die Station Hernals der Vorortelinie (heute Schnellbahn S45) im Frühjahr bzw. Sommer 1983. Aufgenommen mit einer Canon AV-1 und dem Canon 50mm-Standardobjektiv. Das Panoramabild ist aus zwei nebeneinander liegenden Negativen entstanden und war in dieser Form nie- mals geplant. 25 Jahre später habe ich dann, dank Photoshop, die beiden Negative zu einem Panorama verknüpft. Das Ergebnis ist bis auf einen leichten Knick in der Bildmitte zufriedenstellend.

 

 

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November 2008

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