Die optimale analoge Nikon-Ai/AiS-Ausrüstung - Teil 2: Nikon FE/FE2/FM3A
Meine erste Nikon FE2 habe ich im Jahr 1989 oder Anfang 1990 zu einem Zeitpunkt gekauft, zu dem diese Kameras bereits als Auslaufmodell bei den diversen Fotohändlern relativ günstig zu haben gewesen sind. Die erste Generation an Autofokus-Spiegelreflex-Modellen hatte die Preise für gebrauchte manuell fokussierbare Nikon-Spiegelreflexkameras so weit gedrückt, dass man eine gut erhaltene FE2 auch dann kaufen konnte, wenn man sie nur ausprobieren wollte. Das habe ich damals gemacht und mir die erste FE2 in bestem Zustand gebraucht für 4.000 Schilling (etwa 290 Euro) zugelegt. Meine Neugier auf dieses Modell hat sich gelohnt, weil sich speziell die FE2 als komfortables und robustes Arbeitstier herausgestellt hat, weshalb ich im Lauf der Jahre einige FE2 und auch FM2 besessen habe. War mir ein Kameragehäuse aufgrund intensiver Nutzung optisch nicht mehr schön genug, habe ich es verkauft und durch ein neuwertigeres ersetzt.

Warum ich Vorbehalte gegenüber der FM2, die hier immer nur am Rand erwähnt wird, habe ist leicht erklärt: Wenn es ein praktisch baugleiches Modell in Form der FE2 gibt, welches mehr Komfort bietet und dazu preiswerter zu haben ist, warum soll ich dann für weniger Leistung mehr Geld ausgeben? Die FM2 ist eine tolle Kamera und der Hype rund um dieses Modell ist nachvollziehbar, man muss aber nicht jeden Trend mitmachen. Die einzige FM2, die ich mir zulegen würde, wäre eine FM2/T in einem neuwertigen Zustand zu einem vernünftigen Preis. Aber da werde ich wohl niemals fündig.

Von links nach rechts: Nikon FE - Nikon FE2 - Nikon FM3A
Alle drei Kameras haben in etwa die selben Abmessungen, das selbe Gewicht und eine fast identische Ausstattung.
Sollte ich heute eine Kaufempfehlung abgeben, würde ich das Ausgangsmodell Nikon FE empfehlen, weil es bis auf die 1/125 Sekunde Blitzsynchronzeit und die 1/1000 Sekunde als kürzeste Belichtungszeit weitgehend der Nikon FE2 entspricht. Eine Nikon FE kostet in sehr gutem Zustand zirka die Hälfte einer gleichwertigen Nikon FE2, wenn man lange genug sucht. Meine zweite Empfehlung wäre eine Nikon FE2 in gutem Zustand und wer sich eine leisten möchte, kann auch zur Nikon FM3A greifen. Der elektronisch-mechanische Hybridverschluss der FM3A ist für mich kein Must-Have, welches mir viel Geld wert wäre, für die FM3A spricht aber, dass sie das jüngste Modell der Reihe ist. Gebaut von 2001 bis 2006 sind Kameras in neuwertigem Zustand noch hie und da zu bekommen, die Preise dafür bewegen sich aber auf Spitzenniveau. Ich habe im Jahr 2018 eine neuwertige FM3A in Silber um 480 Euro und Mitte 2019 eine neuwertige schwarze Kamera um 495 Euro kaufen können. Beides waren Zufallskäufe am untersten Ende der FM3A-Preisskala, denn wenn man auf gängigen Internet-Verkaufsplattformen stöbert, versuchen Verkäufer zwischen 600 und 900 Euro oder noch mehr für ein gut erhaltenes Exemplar zu generieren. Schwieriger ist es auch, an eine FE2 im Zustand Mint zu kommen, dafür erleichtert man sein Bankkonto aber „nur" um 250 Euro oder mehr. Zum Vergleich: Eine schwarze Nikon FE in durchschnittlichem Zustand habe ich im Frühsommer 2019 um 100 Euro gekauft. Der günstige Preis hat sich aus dem kosmetisch durchschnittlichen Zustand ergeben, sonst hätte der Verkäufer sicher weit mehr als hundert Euro haben wollen. Vor allem an den Kanten hat das blanke Messing durchgeschimmert, wie das bei stark genutzten, schwarz lackierten Gehäuse eben so der Fall ist. Mit glänzendem Alkydharzlack, besser als Hammerite bekannt, habe ich die Lackfehler ausgebessert und das Kameragehäuse optisch ein wenig verschönert. Technisch war die Kamera ohnehin uneingeschränkt in Ordnung, wie ein schneller Test mit einem Ilford XP2Super gezeigt hat.

Die technische Ausstattung der FE-Serie bzw. der FM3A sind sehr ähnlich: Eine grundsätzlich manuell einstellbare Kamera mit zusätzlich Zeitautomatik, Belichtungskorrektur und Messwertspeicher. Meiner Meinung nach ist die FM3A eigentlich eine FE3M, weil sie mehr Ähnlichkeit mit der FE-Linie als mit der spartanisch ausgestatteten FM2 hat. Nikon wollte die Kamera wegen dem Hybridverschluss aber als Nachfolgerin der FM2 sehen und daher die etwas irreführende Modellbezeichnung. Eine FE/FE2/FM3A ist ähnlich der Nikon F3 nur ohne Wechselsucher und mit einem kompakteren Gehäuse. Mechanisch robust sind sie alle, als Nachfolger der Nikkormat FT3 braucht man sich um die Fertigungsqualität aller FE- und FM-Kameras daher keine Sorgen zu machen. Alle von mir jemals verwendeten FE2/FM2-Kameras haben fehlerfrei funktioniert, die Bildabstände waren immer gleich und bis auf die übliche gelegentliche Reinigung waren keinerlei Wartungsarbeiten fällig. Keine meiner FE2/FM2 hat jemals eine Kamerawerkstätte gesehen. Die Kameras haben alles, was man fotografisch braucht und Überflüssiges wurde weggelassen. Die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl ist nicht nur komfortabel, sie ist eine gute Balance aus Automatisierung und manueller Steuerung. Die Belichtungsmessung ist bei allen Modellen so treffsicher, dass mit Negativfilm eine 100%ige Ausbeute an korrekt belichteten Negativen erzielt wird. Man muss unter normalen Bedingungen schon einiges anstellen um nicht mehr scanfähige Negative zu produzieren. Für Analogfotografie-Anfänger ist die Zeitautomatik der Garant ab dem ersten Film wenigstens korrekt belichtete Negative zu bekommen. Bildgestaltung und Scharfeinstellung lassen ohnehin noch Raum für Fehler, die aber im Sucher leichter erkenn- und vermeidbar sind, als eine unbrauchbare Belichtung.

Übereinstimmendes Bedienkonzept. Das Bildzählwerk, den Filmtransport, den Auslöser, den Schalter für Mehrfachbelichtungen und das Betriebsartenwählrad findet man immer auf der rechten Seite der Kamera. Alle Kameras haben auch eine Abblendtaste zur Kontrolle des Schärfenverlaufes und ein Selbstaslöser-Vorlaufwerk.
Nikon hat bereits der FE einen fast perfekten Sucher verpasst. Über ein Fenster wird die eingestellte Blende eingespiegelt und das Zeigersystem für die Belichtungszeiten durchschaut man nach ein paar Blicken. Bei der FM3A hat man den Sucher verbessert indem man eine besonders helle Einstellscheibe ähnlich der BriteView-Mattscheibe in der F-301 verwendet. Die Mattscheibe K3 lässt sich auch in der FE, FE2 und FM2 nachrüsten und man kommt damit mit geringem finanziellen Aufwand auch bei den preiswerten Modellen in den Genuss des besseren Suchers.

Die Nikon FE, FE2 und FM3A sind batterieabhängig, wenn man alle Funktionen nutzen möchte. Die passenden Batterien sind vom Typ LR44 oder SR44, auch als AG13 bekannt und überall leicht zu bekommen. Silberoxidbatterien (SR44) sind vorteilhafter, weil sie etwas mehr Kapazität als LR44 haben und fast unbegrenzt lagerfähig sind. Mit zwei oder drei Sätzen an Reservebatterien in der Tasche hat man theoretisch über zehn Jahre Kamerabetriebszeit eingepackt. Wer braucht da noch über die Batterieabhängigkeit bei der FE bzw. FE2 zu jammern. Die FM3A und die FM2 funktionieren ohne Batterien zwar mit allen Verschlusszeiten allerdings ohne Belichtungsmesser.

Blitzlichtfotografie ist mit allen Modellen möglich. Die FE hat keine TTL-Blitzlichtmessung, Nikon-Systemblitzgeräte in Betriebsart A oder M können aber die Belichtungszeit auf 1/125 Sekunde einstellen und es gibt eine rote LED oberhalb des Suchers, welche Blitzbereitschaft anzeigt. Die FE2 funktioniert identisch, hat aber in Verbindung mit einigen älteren Nikon-Systemblitzgeräten, wie z.B. dem SB-19, eine Blitzlichtmessung durch das Objektiv. Das modernste TTL-System besitzt die FM3A, dort funktionieren auch moderne Blitzgeräte wie das SB-800 sehr gut. Für die Verbindung mit Studioblitzanlagen verfügen alle Kameras über einen Synchronkabelanschluss.
Auf der linken Kameraseite befindet sich die Filmrückspulkurbel, die Korrektur für die Belichtungsmessung und die Einstellung für die Filmempfindlichkeit. Ein Anschluss für Blitzsynchronkabel ist ebenfalls vorhanden sowie ein Blitzschuh, bei der FE2 und FM3A mit Kontakten für die TTL-Blitzmessung, ergänzt die Ausstattung.
Eine ultrakompakte Reiseausrüstung: Die Nikon FM3A mit Brennweiten 20mm, 28-50mm und 85mm.
Wenn man so etwas braucht, gibt es auch einen motorischen Filmtransport. Den MD-11 kann man aus technischen Gründen vergessen, in Frage kommt ausschließlich der Motorantrieb MD-12 mit einer modellabhängigen Transportfrequenz von bis zu 3,5 Bildern pro Sekunde. Wie ich schon bei der F3HP und dem MD-4 angemerkt habe, ist ein Motorantrieb sinnvoll, wenn man mit langen Brennweiten aus der Hand fotografiert, weil man die Kamera ruhiger halten kann.

Ein nur selten benötigtes Zubehör ist eine Datenrückwand. Da gibt es die Modelle MF-12 und MF-16. Die MF-12-Rückwand ist das ältere Modell und wird über ein Synchronkabel ausgelöst. Sie kann an FM2, FE, FE2 und FM3A angesetzt werden. Die neuere MF-16-Rückwand passt nur an FM2, FE2 und FM3A, hat dafür aber kein Synchronkabel mehr. Beide Datenrückwände machen die Kamera dicker und schwerer. Erfahrungsgemäß liegen sie meistens in einer Lade wenn man sie nicht unbedingt für ein Projekt braucht, die Anschaffung sollte man sich also überlegen.

Fazit: Es ist fast egal ob man sich eine Nikon FE, FE2 oder FM3A kauft - oder eine FM bzw. FM2, wenn man als Purist auf Komfort verzichtet. Man kann mit allen Modellen hervorragend fotografieren, alle sind ihr Geld wert und echte Schwächen hat keine der Kameras. Letzendlich wird man nach seinen persönlichen Anforderungen entscheiden wie viel Geld man investieren möchte und ob man unbedingt eine neuwertige FM3A braucht oder ob es vielleicht eine etwas gebrauchte, aber viel preiswertere FE oder FE2 auch tut. Der sammelwütige Fotograf hat jedenfalls alle drei Modelle, aber das ist schon eine ganz andere Philosophie.