Rollei 35, 35T und 35S
August 2006 - überarbeitet Februar 2014
 
 
zurück zur Startseite
 
 
 
 

Pro und Kontra:


Pro
- super kompakt
- sehr hohe Bildqualität
- robust und langlebig

Kontra
- 1,35 Volt Batterieproblem (kann mit wenig Aufwand gelöst werden)
- kein Messsucher
Die seinerzeit kleinste Kleinbildkamera der Welt ist auch heute noch eine gute Wahl wenn man eine Kamera immer dabei haben möchte. Dazu tragen die robuste Bauweise und die hervorragenden Objektive bei. Über die Rollei 35 Kameras ist schon viel geschrieben worden, ich erspare mir also hier eine weitere Aufzählung technischer Details.

Wer sich an das Zigarettenschachtel-Design mit den teilweise seltsamen Designkompontenen wie dem Aufzugshebel auf der linken Seite und dem Blitzschuh an der Kameraunterseite gewöhnt, bekommt eine zuverlässige Kamera, die bei jeder Witterung einsatzbereit ist. Die 40mm-Objektive haben eine praktisch vernachlässigbare Verzeichnung und stellen auch hohe Ansprüche an die Abbildungsleistung zufrieden. Einzig an das relativ genaue Abschätzen der Entfernung muss man sich gewöhnen. Vor allem wenn man das 2,8-Sonnar-Objektiv mit offener Blende benutzt ist Genauigkeit gefragt sonst gibt es unscharfe Bilder oder die Schärfe an der falschen Stelle. Ab Blende 8 verliert die genaue Schätzung der Entfernung ihre Bedeutung und man kann dann dank zweier Schnappschuss-Einstellungen bei 2 und 6 Metern schnell auf verschiedene Situationen reagieren.

Blitzaufnahmen mit einer Rollei 35 sind eine eigene Sache. Der Blitzschuh befindet sich an der Unterseite der Kamera. Entweder man nimmt Blitzlicht von unten in Kauf, was manchmal tolle Effekte ergibt, meist aber nicht so gut aussieht, oder man stellt die Kamera bei Blitzaufnahmen auf den Kopf. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, dafür ist die Charakteristik des Blitzlichts wieder normal. Oder man verzichtet auf den Einsatz von Blitzlicht und weicht auf hochempfindliches Filmmaterial aus. Gute Resultate erzielt man mit dem Fujicolor Superia 800 (Farbnegativ) oder dem Neopan 1600 Professional (SW) ebenfalls von Fujifilm.
Eine gebrauchte Rollei 35 sollte sich in einem guten Gesamtzustand befinden, keine zu tiefen Dellen haben und der Belichtungsmesser sollte funktionsfähig sein. Ob man das einschichtvergütete Tessar-Objektiv oder das mehrschichtvergütete Sonnar-Objektiv bevorzugt ist meiner Meinung nach eher eine Geschmackssache. Beide Objektive sind ausgezeichnet, im normalen Aufnahmebetrieb merkt man überhaupt keinen Unterschied, erst bei extremen Gegenlichtaufnahmen und Großvergrößerungen ab 50x70cm kann das Sonnar-Objektiv eine geringfügig bessere Schärfe für sich verbuchen.

Der Belichtungsmesser ist genau genug für Farbnegativ- und Schwarz/Weiß-Film, bei Diafilm stößt man aber an Grenzen und es empfehlen sich Belichtungsreihen. Wie bei einigen anderen klassischen Kameras gibt es auch bei der Rollei 35, 35S und 35T das 1,35-Volt-Batterieproblem. Die Kameras waren ursprünglich für die Verwendung von 1,35-Volt Quecksilberknopfzellen ausgelegt, die es seit einigen Jahren nicht mehr gibt. Ersatztypen und Workarounds haben ihre Vor- und Nachteile, Details zur Stromversorgung gibt es in der Rollei 35 Kurzanleitung, die man von dieser Seite herunterladen kann.
Die Rollei 35 kann man so wie sie ist verwenden. Nach ein paar nützlichen Zubehörteilen sollte man sich umsehen. Da wäre einmal ein Objektivdeckel. Die meisten gebrauchten Rollei 35 kommen ohne ihn und sollte man ein Exemplar mit einem Objektivdeckel ergattern, ist er garantiert nach dem zweiten oder dritten Einsatz verloren. Ein UV-Filter als Schutz für das Objektiv wäre ebenfalls eine sinnvolle Investition. Das Filtergewinde der Rollei 35 hat einen Durchmesser von 30,5mm, was die Beschaffung von Objektivdeckel und Filter nicht gerade leichter macht. Der deutsche Hersteller B+W liefert Filter für die Rollei 35 und auch eine passende Gegenlichtblende aus Gummi. Dieses Teil halte ich nicht unbedingt für notwendig weil die Frontlinse sehr tief im Objektiv liegt und ein aufgeschraubter UV-Filter nochmals etwa 5mm dick ist. Damit hat man bei allen üblichen Aufnahmesituationen einen ausreichenden Streulichtschutz und die Kamera ist zusammengeschoben um einiges flacher als mit der Gegenlichtblende. Sie passt dadurch besser in eine Bereitschaftstasche.

Da sind wir auch schon bei einem weiteren Zubehörteil. Die originale Kameratasche ist aus Kunstleder gefertigt, sieht hübsch aus und ist als Schutz in einer Hand-, Mantel- oder Jackentasche sehr gut geeignet. Was ihr fehlt ist eine Schlaufe zur Befestigung am Gürtel. Bei Outdooraktivitäten, bei Veranstaltungen und überall dort, wo man die Kamera nirgends anders unterbringen kann, ist eine Gürteltasche eine bequeme Sache. Crumpler, LowePro oder Bilora liefern kleine Taschen mit Gürtelschlaufe, die perfekt zur Rollei 35 passen. Die aktuellen Taschen gibt es meist in verschiedenen Farben und auch der Preis (so zwischen 10 und 15 Euro) reisst kein großes Loch in die Brieftasche.

Was es sonst noch zur Rollei 35 an Zubehör gab und gibt: Die originale Tragekordel und Umhängekordel. Die Tragekordel ist die kürzere Variante und für das Handgelenk bestimmt. Mit der Umhängekordel kann man sich eine Rollei 35 um den Hals hängen. Beide Produkte haben einen speziellen Anschluß, eine Art Bolzen, der in das entsprechende Gegenstück am Kameragehäuse passt. Ob man die Tragkordel oder die Umhängekordel bevorzugt ist reine Geschmackssache, die Verwendung rate ich jedoch dringend an, weil man damit die kleine Kamera wirksam gegen Abstürze sichert. Wer mit einer Rollei 35 bei -5° C fotografiert hat, weiß was ich meine.

Wo man heute noch Zubehör bekommt: FFS-Fotoservice in Braunschweig (
www.ffs-service.de) bietet ein komplettes Zubehörprogramm zur Rollei 35 an und führt bei Bedarf auch Reparaturen und Modifikationen an Kameras durch. In Österreich ist die Photobörse in Wien (www.photoboerse.at) eine gute Adresse für Zubehör und Reparaturen an Rollei 35 Kameras. Wer seine Rollei 35 selbst reparieren möchte findet  h i e r   die fast komplette Reparaturanleitung aus dem Jahr 1972 als Adobe PDF-Datei (Größe ca. 8,4 MB, Copyright Rollei-Werke Franke & Heidecke Braunschweig) - Benützung wie immer auf eigene Gefahr.



Sondermodelle und Varianten der Rollei 35-Serie

Von der Rollei 35-Serie gibt es eine fast unüberschaubare Anzahl an Sondermodellen und Special-Edition-Kameras. Etliche davon sind echt, wie z.B. die Gold-Editionen oder die Royal-Urushi-Modelle. Bei einigen Variationen erscheint fraglich, ob diese wirklich authentisch sind, vor allem wenn exotische Belederungsfarben oder Ledertypen zum Einsatz kommen. Ob es sich bei solchen Kameras dann tatsächlich um Designstudien von Rollei handelt, ist manchmal fragwürdig. Gerade die Belederung konnte man relativ leicht durch eine individuell gestaltete Ausführung ersetzen. Eine Kamera die mit Jeansstoff beklebt wurde hat es aber tatsächlich gegeben, da scheiterte man allerdings daran, daß der Stoff zu stark an den Kanten ausfranst.

Zu 100% authentisch waren jedenfalls Gerüchte die Firma DHW-Fototechnik GmbH. ( www.dhw-fototechnik.de ) in Braunschweig würde eine neue Serie Rollei 35 Magic auflegen. Im Jahr 2010 wurden diesbezüglich Informationen an die Presse geleitet, es gibt auch heute (Februar 2014) noch einen Propekt als Download auf der Homepage von DHW Fototechnik und sogar Preise sollen schon festgelegt worden sein. Ab etwa 4.000 Euro wäre man dabei gewesen und hätte eine Rollei 35 Magic sein eigen nennen können. Mir ist jedoch nicht bekannt, daß die Kleinserienfertigung jemals aufgenommen worden wäre und ich habe noch nie eine Rollei 35 Magic zu Gesicht bekommen.

Auf meiner bis dato erfolglosen Suche nach einer New-Old-Stock Rollei 35S sind mir immer wieder Varianten und Sondermodelle untergekommen. Hier gibt es eine Auflistung in willkürlicher Reihenfolge ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne jede Gewähr für die absolute Richtigkeit der Angaben:


     35S     Silver Limited Edition
     35S     Gold 60th Anniversary (1500 Stück) - 1976
     35S     Silber Limited Edition mit Lorbeerkranz USA-Version - 1978/79
     35       Nullserie (mit entsprechender Seriennummer), graviert mit Rollei-Compur-Gossen-Zeiss - 1966
     35       erste Serie produziert bis Mitte 1967, graviert mit Rollei-Compur-Gossen-Zeiss (ca. 8.000 Stück)
     35       Opton 3,5/40mm Objektiv (erste und zweite Serie [ab 1967] - RGW-Staaten-Version)
     35       Classic Platin
     35       Classic Titan
     35       Classic Titan MCM
     35       Classic Schwarzmetallic
     35       Xenar Schwarz/braunes Leder
     35       Tessar - braunes Leder
     35S    Gold/braunes Leder
     35S    Gold/rotes Leder
     35S    Lizard Skin Edition (Eidechsenbelederung?)
     35S    Schwarz/silbernes Leder (Designstudie?)
     35T    Chrome/Jeansstoff (echter Prototyp!)
     35      Chrom/rotes Leder - 1973
     35      Chrom/braunes Krokoleder
     35      Classic Diamant Edition 75 Jahre Rollei
     35      Platin Special Edition 1986 - 20 Jahre Rollei 35 (444 Stück)
     35      Gold 50 Year Edition mit Krokoleder
     35      S-Xenar Schwarz/silbernes Leder
     35SE Prototyp/Kroko-Kunstleder
     35      Metric (Meßtechnikkamera mit feststehendem Objektiv - 1991)
     35      Classic Royal Urushi Starlit Sky - auch als "Classic Royal Star" bezeichnet (10 Stück)
     35S    Motor (Prototyp PR490)
     35SE Schwarz/weißes Leder (Designstudie?)
     35SE Schwarz/silbernes Leder (Designstudie?)
     35     Classic Black Edition (unterschiedlich zur Classic Schwarzmetallic)
     B35   braunes Leder
     B35   Schwarz/weißes Leder (Designstudie?)
     B35   Schwarz/rotes Leder
     C35   Gold/rotes Leder
     C35   Opton 3,5/40mm (Ostblock-Modell 1969)
     35     Classic Urushi Red (Einzelstück, präsentiert auf der Photokina 2006)
     35     Classic Urushi Black (Einzelstück, präsentiert auf der Photokina 2006)
     35     Classic Urushi Green (Einzelstück, präsentiert auf der Photokina 2006)
Download: Rollei 35, 35T und 35 Kurzanleitung


Download: Rollei 35 Reparaturanleitung Ausgabe 1972