Tamron SP-AF 70-200/2,8 Di-LD-IF
Bereits im Februar 2008 wurde von Tamron ein lichtstarkes Teleobjektiv im klassischen Brennweitenbereich von 70-200 angekündigt. Mit einer Verzögerung von fast einem halben Jahr war es dann im August 2008 endlich so weit und die ersten Objektive aus Serienproduktion wurden an eine handvoll Kunden ausgeliefert. Mir war es möglich eines dieser ersten Stücke zu bekommen und jetzt, rund dreieinhalb Monate und viele Aufnahmen später ist es Zeit ein Resümee zu ziehen.

Der Hersteller Tamron kann auf eine recht lange Tradition im Objektivbau zurückblicken. Neben einer großen Anzahl an preiswerten Allerweltsobjektiven hat Tamron auch fast zu jeder Zeit Hochleistungsobjektive im Produktprogramm gehabt. Aus der aktuellen Palette wäre das 28-75mm/2,8 XR-Di, das 90mm-Macro oder das bereits legendäre 180mm-Macro zu nennen. Ein preiswertes Telezoom mit hoher Lichtstärke hat da in den letzten Jahren gefehlt und laut Herstellerangaben soll das 70-200mm/2,8 genau diese Lücke füllen. Der optische Aufbau besteht aus 19 Elementen in 16 Gruppen, davon sind drei Elemente aus Low-Dispersion-Glas (LD) gefertigt um die gefürchteten chromatischen Aberrationen zu minimieren. Obwohl die Buchstaben ‚DI' in der Typenbezeichnung auf eine Optimierung für den Einsatz mit digitelen Kameras hindeutet, ist das Objektiv auch an analogen Fotokameras verwendbar. Bei Vollformatsensoren und an Kleinbildkameras ergibt sich so eine effektive Brennweite von 70 bis 200mm, an digitalen Kameragehäusen mit einem Aufnahmesensor in APS-Größe (z.B. DX-Kameras von Nikon) verlängert sich die Brennweite auf 105 bis 300mm. Die Lichtstärke von 1:2,8 bleibt bei allen Kameras über den gesamten Bereich konstant und sorgt darüber hinaus auch noch für ein schön helles Sucherbild. Das Objektiv wird wahlweise mit Anschlüssen für Nikon, Canon, Sony/Minolta und Pentax geliefert. Mit einem Gewicht von 1,1 Kilogramm ist es zwar kein Leichtgewicht, aber in einer großen Fototasche oder einem Rucksack noch gut tragbar.

November 2008 / überarbeitet Oktober 2009

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Lichtstarkes Teleobjektiv für analoge und digitale Spiegelreflexkameras
Wie von Tamron und anderen unabhängigen Objektivherstellern gewohnt ist auch das 70-200/2.8 mit verschiedenen Anschlüssen lieferbar. Zur Auswahl stehen: Nikon, Canon, Sony/Minolta und Pentax.
Die Umschaltung von Autofokus auf manuellen Fokus geht ganz einfach durch ziehen am Entfernungsring. Zieht man den Ring zum Kameraobjektiv kann man manuell scharfstellen, ist die vordere Position gewählt, wird der Autofokus aktiviert. Brauchbar und informativ ist auch die Schärfenskala.
Die Brennweitenverstellung erfolgt mit einem großzügig dimensionierten Zoomring. Obwohl auch dieser Bauteil aus Kunststoff gefertigt ist, läuft er seidenweich und satt.
Der Filterdurchmesser von 77mm entspricht dem de-facto-Standard für Filtergrößen an professionellen Objektiven. Die vordere Objektivfassung dreht sich nicht mit, daher wird der Einsatz von Filtern extrem vereinfacht.
Typisch für Tamron ist auch der üppige Lieferumfang. Das Objektiv wird inklusive einer Stativschelle (sehr nützlich!), dem Vorder- und Rückdeckel, der passenden Sonnenblende HA001 und einem gut gepolsterten Transportköcher geliefert. Mit einem Straßenpreis von etwa 700 bis 750 Euro ist das Tamron 70-200/2.8 keine Billigoptik, verglichen mit anderen Herstellern aber auf den ersten Blick recht preiswert.

Vergleicht man das Objektiv mit den aktuellen Telezooms der Mitbewerber, fällt - nicht sehr überraschend - auf, daß Objektive in dieser Brennweiten- und Qualitätsklasse in etwa gleich groß und gleich schwer sind. Auch die Ausstattung und der Lieferumfang halten sich bei Nikon, Canon, Sigma und Tamron in etwa die Waage und lassen kaum Wünsche offen. Es gibt aber auch Unterschiede, die zwischen den einzelnen Herstellern auffallen. Nikon und Canon bieten Objektive für professionelle Anwender an, die kompromißlos auf Stabilität und Ausdauer ausgelegt sind. Dazu kommen noch Ultraschallmotoren für den Autofokus und optische Bildstabilisatoren. Das alles hat seinen Preis und der liegt bei Nikon und Canon zwischen 1.850 und 2.000 Euro pro Objektiv.

Ist das Tamron 70-200/2.8 daher ein schlechteres Objektiv? Nach einem langen Praxistest unter verschiedensten Bedingungen kann diese Frage eindeutig mit einem Nein beantwortet werden. Das Tamron 70-200/2.8 bietet fantastisch viel Leistung für erstaunlich wenig Geld, wenn das Objektiv zum persönlichen Anforderungsprofil paßt. Die wenigsten Anwender werden täglich oder wöchentlich mit Sportaufnahmen unter ungünstigen Lichtverhältnissen konfrontiert. Da würde ich mir kein 70-200/2.8 von Tamron kaufen, ganz einfach weil der einfache Mikro-Motor für den Autofokusantrieb nicht schnell genug arbeitet. Auch auf den fehlenden Bildstabilisator sei hingewiesen, der ist für Sport- und Actionfotografie heute ein Muß und der fehlt auch bei der Tamron-Optik. Je nach verwendetem Kameragehäuse ist in solchen Fällen eindeutig die entsprechende Optik des Kameraherstellers vorzuziehen. Wer nur gelegentlich ein lichtstarkes Telezoom benötigt oder wer keine Eile hat, der liegt mit dem Tamron 70-200/2.8 ziemlich richtig.

Im Einsatz war bzw. ist das Tamron SP-AF 70-200mm/2.8 Di-LD-IF mit verschiedenen Digital- und Analog-Spiegelreflexgehäusen von Nikon bzw. Fujifilm. Es hat an alle Testkameras problemlos gepaßt, egal ob es an einer betagten Nikon F3HP (nur mit f2.8), einer neueren F100Pro, der Fujifilm FinePix S3Pro oder einer aktuellen FinePix S5Pro zum Einsatz gekommen ist. Das Objektiv stammt aus der Topp-Linie von Tamron, daher ist auch die Verarbeitung tadellos und für die Preisklasse erstaunlich robust. Der Bajonettanschluß ist aus Metall gefertigt und genauso paßgenau wie bei einem Originalobjektiv. Der Tubus besteht aus einem hochwertigen Kunststoff, wirkt stabil und greift sich gut an, ist aber für Heavy-Metal-Fans eher gewöhnungsbedürftig. Nikon und Canon bieten bei den vergleichbaren Originalobjektiven teilweise Metallausführung und die hat, wie schon erwähnt, natürlich ihren Anteil am höheren Preis. Vorteil der Tamron-Konstruktion ist aber ein für diese Objektivklasse relativ geringes Gewicht. Die Abmessungen werden vor allem jene überraschen, die von einem 70-300mm/4-5.6-Standardzoom auf die lichtstarke Variante upgraden wollen. Das Tamron 70-200/2.8 ist trotz relativ geringem Gewicht und geringen Abmessungen keine Optik, die man tagelang bei einer Städtereise herumschleppen will. Sie paßt zwar technisch gesehen an (fast) alle Einsteiger-DSLRs, ob das Objektiv an manchem recht klein ausgefallenen Kameragehäuse eine gute Figurmacht, sei dahingestellt. Da könnte es gut sein, daß der Schwerpunkt ungünstig liegt oder man die Kombination nicht gut halten kann. Also definitiv nichts für Amateure, diese Optik gehört in die Hände von Enthusiasten oder Profis. Die nehmen das Mehr an Volumen und Gewicht gerne in Kauf.

Die Bedienung der Optik ist einfach und leicht durchschaubar. Es gibt keinen Blendenring, wohl aber einen sehr großen Entfernungs- und Zoomring. Die Umschaltung von Autofokus auf manuellen Fokus erfolgt durch einfaches Ziehen am Entfernungsring. Zieht man zum Kameragehäuse kann man den manuellen Fokus nutzen, schiebt man den Zoomring vom Gehäuse weg aktiviert man den Autofokus. Ein deutlich spürbarer Widerstand und ein ebenso deutlich hörbares Klicken machen den Wechsel von einer Betriebsart in die andere klar erkennbar. Bei manueller Fokussierung ist man auf eine Entfernungsskala angewiesen. Die gibt es auch beim Tamron 70-200/2.8 in Metern und Feet mit einer praxistauglichen Unterteilung. Sowohl Schärfering als auch der Zoomring laufen satt und geschmeidig. Sie tun das auch noch nach ein paar Monaten intensiven Gebrauchs und weder am Metallbajonett noch an den Kunststoffteilen am Objektivtubus sind bisher Gebrauchs- oder Abnützungsspuren aufgetreten. Erwähnung verdient auch noch die Stativschelle. Die ist mittels Rändelschraube in jeder Position fixierbar und ermöglich am Stativ den sekundenschnellen Wechsel von Hoch- auf Querformat oder umgekehrt.

Am Objektiv können natürlich auch Filter verwendet werden. Die Filter werden vor der Frontlinse angebracht. Der Filterdurchmesser beträgt 77mm und auch da merkt man die professionelle Ausrichtung, weil das der de-fakto Standard bei Profi-Objektiven ist und eventuell bereits vorhandene Filter verwendet werden können. Durch die Innenfokussierung (IF) dreht sich die Frontlinse weder beim zoomen noch bei der Änderung der Entfernung. Der Einsatz von Polarisations- und Verlauffiltern wird dadurch bequem möglich.


Die Abbildungsleistung ist für APS-C-(DX-)Aufnahmesensoren und Vollformat bzw. analogen Film geringfügig unterschiedlich. Bedingt durch die geringere Größe der APS-C-(DX-)Aufnahmesensoren ist Vignettierung, also der Abfall der Helligkeit von der Bildmitte zu den Bildrändern kein Thema. Weder in der 70mm Position noch bei 200mm Brennweite ist bei DX-Kameras eine Vignettierung festzustellen. Bei Vollformat-Sensoren oder analogem Film sieht die Sache geringfügig anders aus. Hier wird der volle Bildkreis des Objektivs benötigt und vor allem bei offener Blende 2.8 ist beim Testobjektiv eine geringfügige Vignettierung merkbar. Dieses Phänomen ist über den gesamten Brennweitenbereich merkbar und beträgt etwa 1.0 Blendenstufen, ist also nur bei sehr kritischen Aufnahmen, wie z.B. homogenen Farbflächen und Himmel, sichtbar. Die Vignettierung tritt nur bei offener Blende auf, schließt man die Blendenlamellen um ein bis zwei Stufen auf 4 oder 5.6 dann ist sie vollkommen verschwunden.

Chromatische Aberrationen sind bei Zoomobjektiven ebenfalls ein Thema und einer genauen Betrachtung wert. Das Tamron 70-200/2.8 ist nicht ganz frei von diesem Problem, man muß aber relativieren, daß chromatische Aberrationen nur bei entsprechender Vergrößerung am Monitor sichtbar sind. Auf Fotos, auch wenn es sich um große Abzüge handelt, ist sie nicht oder nur mit einer starken Lupe sichtbar. Interessanterweise sieht man auf digitalen Bilddateien die chromatischen Aberrationen besser als auf Scans von Negativen. Möglicherweise gleichen das Filmkorn und/oder die Scansoftware derartige Phänomene besser aus.

Qualitätsfanatiker legen auch auf geringe Verzeichnung wert. Die gibt es zwar beim Tamron 70-200/2.8, sie ist aber sehr gering und fällt wahrscheinlich nur dann auf, wenn man streng geometrische Figuren abfotografiert.

Zur Bildschärfe ist anzumerken, daß sich das Tamron 70-200/2.8 auch in dieser Disziplin recht gut schlägt. Die Daten wurden ohne Meßlabor anhand von vielen verschiedenen Aufnahmen in der Praxis ermittelt. Die Abbildungsleistung ist über den gesamten Brennweitenbereich exzellent. Bei 135mm Brennweite dürfte das Testobjektiv geringfügig schlechter als in allen anderen Brennweitenbereichen sein. Einfluß auf diese Werte hat auch die verwendete Blende. Wie erwartet ist die Bildschärfe bei voll geöffneter Blende weicher als bei Blende 4.0 oder 5.6. Zur Hochform läuft die Optik im Bereich von Blende 5.6 bis Blende 11.0 auf, abblenden auf Blende 16 bis 32 erzeugt mitunter einen geringfügigen Verlust an Abbildungsleistung durch die sogenannte Beugungsunschärfe an den Blendenlamellen.

Fazit: Mit dem SP-AF 70-200mm/2.8 Di-LD-IF ist es Tamron gelungen ein qualitativ hochwertiges und dabei leistbares Telezoom mit hoher Lichtstärke zu bauen. Es ist gleich gut für APS-C-Aufnahmesensoren, Vollformat-Aufnahmesensoren und Film geeignet und leistet sich keine gravierenden Schwächen bei der Abbildungsleistung. Das insgesamt sehr gelungene Konzept hätte keine Schwächen, wenn da nicht der für aktuelle Verhältnisse langsame Autofokus wäre. Sport- und Actionfotografie ist mit diesem AF-Antrieb nur sehr eingeschränkt möglich. Wer das Tamron 70-200/2.8 für Landschafts- und Reisefotografie verwendet wird dagegen seine Freude haben. Ebenso wenn es um People-Fotografie geht, denn auch da fällt der Autofokusantrieb wenig nicht ins Gewicht. Als Begleiter für Reisen in nahe und ferne Länder bietet sich das Tamron 70-200/2.8 geradezu an, da wurde es auch in der Praxis getestet und da hat es die gestellten Erwartungen erfüllt und manchmal sogar übertroffen. Das ein hochlichtstarkes Objektiv mit einem Verkaufspreis von runden 700 Euro nicht über alle Features einer 2000-Euro-Optik verfügen kann, sollte jedem klar sein. Ob man sich das Tamron 70-200/2.8 kauft, bestimmt einerseits das Anforderungsprofil und nicht zuletzt der Preis. Vergleicht man den Anschaffungspreis eines Nikon AF-S VR 70-200mm/2.8 G-IF-ED von etwa 2.000 Euro mit dem des Tamron-Objektivs, wird einem wahrscheinlich die Entscheidung abgenommen, ob auf einen Bildstabilisator und eine noch robustere Ausführung verzichten kann ist. Entscheidet man sich für das Tamron, dann stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis, ein praktisches Einbeinstativ als Bildstabilisator geht sich auch noch aus und für die nächste Reise bleibt auch noch ein bißchen Geld übrig.

Ergänzung im Oktober 2009:
Nach zwei weiteren Reisen mit dem Tamron 70-200/2.8 bin ich noch immer sehr zufrieden und dem Praxistest gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen, außer das mein Tamron 180mm-Macro immer im Schrank steht - das 70-210 ist das universellere Objektiv.

Pro:

- Exzellente Abbildungsleistung ohne große Schwächen

- Kann mit teureren Objektiven mithalten

- Brauchbare Makroeinstellung mit 0,95 Meter Naheinstellgrenze

- Robuste Ausführung trotz Einsatz von Kunststoff

- Wertige Verarbeitung

- Umfangreicher Lieferumfang

- Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis



Kontra:

- Autofokus gemessen am aktuellen Standard langsam

- Nur bedingt für Sportaufnahmen einsetzbar (Autofokus)

- Mitgelieferter Objektivköcher wegen fehlendem Umhängeriemen unpraktisch