Sharp Zaurus SL-C3100 Eigenbau-Akku
Der originale Akku EA-BL11 zum Sharp Zaurus SL-C3100/3200 ist mit einem Preis von rund € 100,-- nicht gerade billig. Auf der Suche nach einer möglichst preiswerten Akkulösung bin ich schließlich bei einem Eigenbau-Akku gelandet. Kennt man die richtigen 'Zutaten' ist die Herstellung problemlos und das Preis-/Leistungsverhältnis unschlagbar. Hier gibt es das Rezept für den 15-Euro-Zaurus-Akku:
Technische Details und Anforderungen:

Der Sharp Zaurus hat eine integrierte Ladeelektronik, welche den Ladestrom in zwei Stufen steuert. Ein komplett entladener Akku wird mit einem hohen Ladestrom aufgeladen, bei etwa 75% Akku-Kapazität wird der Ladestrom reduziert. Informationen über den Akkuzustand liefert die im EA-BL11 integrierte Elektronik. Leider war es mir bisher nicht möglich herauszufinden, was da genau im Akku verbaut ist, denn auf dem IC fehlt ein Aufdruck und aus den wenigen Bauteilen in SMD-Technik bin ich auch nicht klüger geworden.

Nach einigen Recherchen habe ich schließlich einen brauchbaren Akku gefunden, der alle meine Anforderungen erfüllt:

1. Der Akku muß exakt in das Batteriefach des Zaurus passen.
2. Die Kapazität muß mindestens 1.000 mAh betragen.
3. Der Akku muß im Zaurus ohne zusätzliche Elektronik geladen werden können.
4. Der Eigenbau-Akku muß den Zaurus mindestens 4 Stunden mit Energie versorgen.
5. Die Kosten für Akku und Material dürfen € 20,-- nicht überschreiten.
Die Idee bei einem Digitalkamerahersteller nach einem passenden Akku zu suchen, war zwar nicht schlecht, fündig geworden bin ich allerdings nach längerem suchen durch Zufall. Ein Bekannter besitzt eine ältere Fujifilm F40i Digitalkamera. Der in diesem Modell verwendete Akku NP-60 sieht wie ein EA-BL06, also wie der flache Standard-Akku für die älteren Zarus-Modelle, aus. Leider mit dem Schönheitsfehler, daß die Kontaktleiste gegenüber dem EA-BL11 'verkehrt' ist. Daher sind nicht nur Plus- und Minuspol vertauscht, auch die Anordnung der Kontakte ist quasi seitenverkehrt. Alle anderen Daten passen, die Nennkapazität von 1.050mAh erüllt die Anforderungen und auch die Akku-Abmessungen sind perfekt.

Bei einer kurzen Recherche habe ich in der Folge einen originalen Fujifilm NP-60 Akku für € 14,90 beim lokalen Elektronikdiskonter aufgetrieben. Den Betrag habe ich als Risikokapital ausgegeben und mich sofort an die Arbeit gemacht. Die Idee das verschweißte Akkugehäuse zu öffnen und die Kontaktleiste zu drehen hat sich als undurchführbar erwiesen. Der Akku wäre (zumindest wenn ich meine Bastelkenntnisse angewendet hätte) unbrauchbar geworden. Die Lösung neue Kontakte an der richtigen Position mit der richtigen Anordnung von Plus- und Minuspol an der gegenüberliegenden Schmalseite des NP-60 anzubrigen, habe ich dann mit Hilfe einer selbstklebenden Kupferfolie realisiert. Die Bilder auf der linken Seite zeigen, wie es geht, hier noch ein paar Informationen:


-     Am Fujifilm NP-60-Akku wird bis auf die 'Leiterbahnen' aus Kupferfolie nichts modifiziert. Wie es scheint kann die Ladeelektronik des Zaurus mit den Informationen aus dem NP-60-Akku gut umgehen, denn bei dem von mir verwendeten Zaurus verhält sich der Eigenbau-Akku genau wie ein originaler EA-BL11. D.h. die Akkuerkennung und die Kapazitätsüberwachung funktionieren für meine Begriffe einwandfrei.


-     Der erste Ladevorgang mit einem Eigenbau-Akku dauert länger als üblich. Ich habe zwei Eigenbau-Akkus hergestellt und bei beiden dieselbe Erfahrung gemacht. Gemessene 4:30 Stunden haben mir vor allem beim ersten Eigenbau-Akku den Schweiß auf die Stirn getrieben. Eine geringfügige Erwärmung am Stecker des Netzgerätes und der Bodenplatte des Zaurus tritt auf. Mehr als handwarm wird aber weder der Stecker noch die Bodenplatte. Grund dafür dürfte die oben erwähnte zweistufige Leistungsregelung sein. Alle anderen Ladevorgänge dauern dann die übliche Zeitspanne, eine Erwärmung tritt dann nicht mehr auf.


-     Der Zaurus verhält sich mit dem Eigenbau-Akku genau wie mit dem originalen EA-BL11. Die Akkuerkennung, die Ladekontrolle und die Akkuzustandsüberwachung funktionieren einwandfrei. Auch bei fast entladenem Akku hat man noch genügend Zeit die Arbeit zu beenden, bevor der Strom weg ist. Der Eigenbau-Akku ist auch dann stabil, wenn er über längere Zeit in einem nicht benützten Zaurus bleibt. Der Zaurus saugt den Akku nicht vor der Zeit leer.


-     Ein neuer Eigenbau-Akku hat eine Kapazität von 1.050mAh. Die reicht für 5 bis 6 Stunden Betrieb bei fast ganz aufgedrehter Displayhelligkeit und eingelegter SD- und CF-Speicherkarte. Schaut man sich einen Film an, dann sinkt die Akkulaufzeit auf etwa 4 1/2 Stunden. MP3-Wiedergabe mit gedimmtem Display saugt den Eigenbau-Akku in spätesten 5 Stunden leer.



Hinweise zum Eigenbau:


Die speziellen Eigenschaften von Lithium-Ionen-Akkus machen einen besonders sorgsamen Umgang notwendig. Lithium ist hochreaktiv, mechanische Beschädigungen können zu inneren Kurzschlüssen führen. Auch kleine Li-Ion-Akkus wie der NP-60 geben hohe Stromstärken ab, die bei Kurzschluß zur Explosion des Akkus oder einem Brand führen können. Dabei ist anzumerken, daß es nach einer Beschädigung oder einem Kurzschluß bis zu eine halbe Stunden dauern kann, bis der Akku explodiert oder in Flammen aufgeht. Vorsichtig sollte man auch bei den Lötarbeiten sein. Zu große Hitze kann den Akku zerstören, Explosion oder Brand auslösen! Die neuen Leiterbahnen sollten ausreichend mit den Akkukontakten verlötet werden. Während des Ladevorganges können theoretisch bis zu 2,5A über diese Kontakte fließen. Schwache Lötstellen können dann zu Erwärmung, interner Beschädigung und in der Folge zu Explosion oder Brand führen.

Die auf dieser Seite gegebenen Informationen wurden zwar ausgiebig geprüft, es kann aber keine Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit gegeben werden. Die von mir angefertigten Eigenbau-Akkus auf Basis des Fujifilm NP-60 funktionieren zwar einwandfrei, eine Garantie, daß sich andere NP-60- oder baugleiche Akkus genauso oder ähnlich verhalten, kann aber nicht gegeben werden! Nehmen Sie von einem Nachbau Abstand, wenn Sie nicht über ausreichende elektronische und elektrotechnische Kenntnisse verfügen. Wie immer gilt: Nachbau auf volles eigenes Risiko -  use at your own risk.
November 2008
 
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Der Fujifilm NP-60 Lithium-Ionen-Akku passt genau in den Akkuschacht des Zaurus SL-C3100/3200. Durch die halbe Bauhöhe bleibt bis zum Deckel noch Platz. Da habe ich ein Stück Schaumstoff eingelegt.
Die Kontaktleiste ist 'verkehrt', daher sind Plus- und Minuspol vertauscht und die Kontakte seitenverkehrt. Die fehlende Führungsnase ist kein Problem, weil der Eigenbau-Akku sehr straff im Batteriefach sitzt.
Mit selbstklebender Kupferfolie kann man die für die Modifikation benötigten Leiterbahnen und Kontakte herstellen. Ich habe Streifen in der Breite von 4mm geschnitten. Höherer Querschnitt bedeutet mehr Kapazität und weniger Übergangswiderstand.
Der originale EA-BL11 dient als Vorlage für die Positionierung der neuen Kontakte am NP-60 (rote Pfeile).
Zuerst werden die neuen Leiterbahnen aufgeklebt. Die Kupferfolie ist dabei so flexibel, daß man sie auch leicht gebogen verkleben kann. danach prüfen, ob die neuen Kontakte passgenau sind. Anschließend die Leiterbahnen isolieren. Meine Eigenbau-Akkus habe ich mit transparenter Klebefolie als Isolationsschicht überzogen.
Lötarbeiten an Lithium-Batterien oder Li-Ion-Akkus sind eine heikle Angelegenheit! Der Lötvorgang am Akku ist temperaturkritisch, eine übermäßige Erwärmung ist zu vermeiden. Trotzdem müssen die Lötstellen auf eine Leistung von 2,5A ausgelegt werden.
Ein sauber gearbeiteter Eigenbau-Akku sitzt fest im Batteriefach. Die Leiterbahnen und die Lötstellen müssen isoliert werden, hier habe ich das mit transparenter Selbstklebefolie erledigt. Ein Streifen Klebeband erleichtert die Entnahme des Akkus.