Superweitwinkel MC Zenitar-M/N 2.8/16mm für Canon EOS und Nikon FX
Ein erschwingliches Superweitwinkelobjektiv aus Russland.
Dieser Abschnitt stammt ursprünglich vom August 2003 und wurde im Dezember 2006 sowie im Dezember 2017 überarbeitet.
 
zurück zur Startseite
 
 
 
 

Zenitar-M 2.8/16mm M42 mit Canon-EOS-Adapter

Wer ein Superweitwinkelobjektiv braucht hat es meistens sehr schwer. Neue Objektive gibt es kaum unter 500 Euro und auch bei eBay oder Gebrauchtgerätehändlern tauchen Superweitwinkel kaum auf. Die Preise für Objektive um 20mm Brennweite oder darunter sind also auch bei Gebrauchtgeräten ziemlich hoch.
 
Durch einiges Stöbern bin ich dann auf eine Low-Budget-Lösung gestoßen, die es Wert ist näher betrachtet zu werden. Es handelt sich dabei nicht um eine Vorsatzlinse, sondern um ein "echtes" Objektiv. Das MC Zenitar-M 2.8/16mm ist ein Produkt von S.A. Zverev KRASNOGORSKY ZAVOD, einem Unternehmen, welches besser unter dem Markennamen Zenit bekannt sein dürfte und seit mehr als 60 Jahren optische Geräte herstellt.

Dementsprechend sollte die Qualität des MC Zenitar-M 2.8/16mm durchaus mit der von Original-Objektiven vergleichbar sein, ich habe aber doch einige Unterschiede herausgefunden:

Verfügbarkeit: So weit mir bekannt ist gibt es keine Zenit-Niederlassungen in Westeuropa. Mein Objektiv stammt direkt aus Russland und wurde von einem Bekannten, der dort öfters beruflich zu tun hat "organisiert". Wie er mir erzählte, gibt es immer wieder Privatpersonen, die größere Posten direkt von der Fabrik kaufen und dann in Internet-Auktionen wie z.B. eBay in ganz Europa anbieten.

Preis: Je nach Bezugsquelle schwankt der Preis für ein fabrikneues Objektiv zwischen 120 und 190 Euro.
Mechanische und optische Ausführung: Das Objektiv ist etwa so groß wie ein 50mm-Standardobjektiv und aus schwarz lackiertem Metall gefertigt. Die größte Länge beträgt etwa 55mm, der maximale Durchmesser 63mm, Gewicht mit dem Canon-EOS-Adapter rund 330 Gramm. Der Schärfenring läuft satt und spielfrei und ist mit einer griffigen Gummierung versehen. Der Blendenring rastet in halben Blendenstufen und ist ebenfalls gut und präzis zu verstellen. Blenden können im Bereich 2,8 bis 22 eingestellt werden, mit 6 Lamellen ist die Blendenöffnung nicht ganz rund, für dieses Objektiv aber akzeptabel. Der optische Teil besteht aus 11 Elementen in 7 Gruppen. Alle Gläser sind mehrschichtvergütet. Die Mehrschichtvergütung ist zwar ordentlich, dürfte aber nicht ganz das Niveau der bekannten Hersteller erreichen, weil das Objektiv im Randbereich anfällig auf Überstrahlungen ist und man die Vergütung bei der Reinigung höchst vorsichtig behandeln muss. Es treten sonst Schlieren auf, die nur sehr schwer wieder zu beseitigen sind. Andere Anwender haben auch schon berichtet, dass sich die Vergütung sehr leicht auflösen kann.

Verarbeitung: Die Verarbeitung ist, wie bereits erwähnt, gut. Bei meinem Objektiv hat sich die Gummierung vom Schärfenring noch nicht gelöst, aber der Blendenring ist ein wenig zu schwergängig. Weitere Schönheitsfehler: Bereits "ab Werk" war ein mittelgroßes Staubkorn hinter der Frontlinse erkennbar und die Frontlinse selbst hat einen Einschluss im Glas. Für mich sind zwar keine negativen Einflüsse auf die Abbildungsleistung feststellbar, vielleicht wäre die optische Leistung ohne Staub und Einschluss aber noch etwas höher.

Bildqualität: Objektive unter 20mm Brennweite haben eine merkbare Verzeichnung. Beim MC Zenitar-M 16mm beträgt der Bildwinkel fast 180° in der Diagonale, was bedeutet, dass die Perspektive nicht mehr korrekt wiedergegeben wird. Nur Bildteile in der Mitte werden perspektivisch einigermaßen korrekt abgebildet,
Objekte am Rand haben eine deutlich sichtbare tonnenförmige Verzeichnung. Das ist konstruktionsbedingt und nicht zu ändern. Dieser Effekt kann bei der Bildgestaltung bewusst eingesetzt werden und zu tollen Resultaten führen. Die Gefahr ist, wie bei allen Spezialeffekten, dass bei oftmaliger Anwendung gewisse Abnützungserscheinungen auftreten und man sich satt sieht. Dieser Punkt sollte auch in Betracht gezogen werden, bevor man 500 Euro oder mehr für ein derartiges Original-Objektiv ausgibt. Wie bereits in der Einleitung erwähnt kann das russische Objektiv bei der Bildqualität durchaus mit den Orginal-Objektiven von Nikon oder Canon mithalten. Die Aufnahmen sind scharf und kontrastreich, lediglich am Rand treten geringfügige Farbverschiebungen auf, die jedoch tolerabel sind. Vignettierung tritt (zumindest bei meinem M42-Objektiv) nicht auf, ebenso ist die Schärfe im Randbereich fast genauso hoch wie in der Bildmitte. Einziger wirklicher Schwachpunkt ist die auch von anderen Anwendern kritisierte Anfälligkeit auf Überstrahlungen im Randbereich und Streulicht. Obwohl das Objektiv mit einer rudimentär ausgeführten Gegenlichtblende geliefert wird, ist Streulicht bei einem Bildwinkel von 180° in sonniger Umgebung fast immer ein Thema. Bei bedecktem Himmel ist das Problem nicht so dramatisch. Abhilfe dazu gibt es keine, weil man bei fast 180° Bildwinkel weder eine zusätzliche Sonnenblende, noch einen Karton zur Streulichtvermeidung einsetzen kann.
Filter: Da man keine Filter vor der Frontlinse anbringen kann, werden beim MC Zenitar-M die Filter hinter dem Objektiv, genauer gesagt hinter der letzten Linse angeschraubt. Das klingt einfach, ist es aber nur dann, wenn man auch Filter mit dem exotischen Durchmesser von 26.5mm x 0.5mm zur Hand hat. Jedenfalls befinden sich vier Stück im Lieferumfang, die für die gängigsten Einsatzbereich einmal ausreichen: UV, Grün, Gelb und Rot. Ob das Rotfilter auch für Infrarot-Aufnahmen einsetzbar ist, konnte ich nicht herausfinden. Die von mir verwendete Canon EOS 33 ist nicht für Infrarotfilm geeignet. Das Objektiv sollte immer mit Filter verwendet werden, da dieser in die optische Rechnung einbezogen ist. Bei einem Test ohne Filter habe ich aber keinen Unterschied in der Schärfe bemerkt.

Lieferumfang: Mein Objektiv war für Schraubgewinde M-42 ausgelegt und nur mit einem zusätzlichen Adapter an der Canon EOS zu verwenden. Als Alternative habe ich mir einen gebrauchten Adapter für M42 am älteren Canon FD-Objektivbajonett besorgt. Auch diese Kombination hat funktioniert, das Objektiv hat sich aber nicht ganz auf unendlich einstellen lassen. Ich vermute, dass dies am Adapter liegt, die Aufnahmen mit einer Canon T-90 sind aber trotz dieses Mankos einwandfrei geworden. Neben der Ausführung für M42 scheint aber auch 16mm-Zenitar-Objektive mit einem fixen Nikon und Canon-EOS- Anschluss zu geben, wobei ich keine Ahnung habe, wie es mit der Verfügbarkeit für diese Typen aussieht. Neben dem Objektiv befanden sich noch vier Filter (UV, Grün, Gelb, Rot), eine Plastikbox zur Aufbewahrung der Filter und ein hübscher Objektivbeutel aus Nylon im Lieferumfang.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass das MC Zenitar-M 2.8/16mm mechanisch wie optisch einen realen Gegenwert für einen Preis bis maximal 190 Euro darstellt. Vergleicht man es mit den Original- Objektiven der Kamerahersteller bietet es für wesentlich weniger Geld eine ähnliche, wenn auch nicht ganz die gleiche Leistung. Schwächen bei der Vergütung fallen wegen des günstigen Preises nicht so sehr ins Gewicht. Da man ein Superweitwinkelobjektiv wahrscheinlich nicht allzu oft einsetzen wird, ist das MC Zenitar-M 16mm/2.8 als Komplettierung einer bestehenden Ausrüstung durchaus empfehlenswert.
Das MC Zenitar-M 2.8/16mm an Canon-EOS 30/33 bzw. an einige digitalen Canon-Spiegelreflexkameras (z.B. EOS 350D)
Verwendet man dieses Objektiv in der M42-Version mit einem Canon-EOS-Adapter an einer EOS 30/33, gibt es folgende Dinge zu beachten:

1. Wenn möglich sollte man sollte sich den originalen Adapter besorgen. Der mit meinem Objektiv gelieferte Adapter befand sich in einer blauen Schachtel mit dem Aufdruck "JOLOS RING". Unter
www.kamepa.ru/adapter.htm  findet man gleich in der ersten Tabelle den Eintrag für ein M42 Objektiv (Объектив) und die Canon EOS Kamera (Камера). Das ist dann der passende Jolos Ring zur Canon EOS. Leider ist die Seite nur in kyrillischer Schrift verfügbar und das schränkt die Lesbarkeit ziemlich ein. Wichtig ist der passende Ring wegen der Unendlich-Fokussierung und wegen des Schwingspiegels in der Kamera. Ist der Adapterring zu dick kann nicht auf unendlich fokussiert werden. Ist der Adapterring zu dünn kommt der Schwingspiegel der Kamera nicht mehr vorbei (der Hinterlinsenfilter ist im Weg) und die Kamera kann nicht auslösen.

2. Das Objektiv besitzt in der M42-Ausführung eine mechanische Springblende, die über einen Stift neben dem Schraubgewinde bei M42 Kameras für die Belichtungsmessung bzw. unmittelbar vor der Aufnahme geschlossen wird (Offenblende). Der JOLOS-Adapter ist so ausgeführt, dass der Stift immer gedrückt wird und das Objektiv auf Arbeitsblende umgeschaltet ist. Wird die Blende verstellt, schließen sich die Lamellen und das Sucherbild wird dunkler. Andere Adapter können anders ausgeführt sein und es kann sein, dass der Stift nicht gedrückt wird. Wenn man die Blende verstellt, dann bleiben die Blendenlamellen immer geöffnet, auch während einer Belichtung. In diesem Fall kann entweder der Stift blockiert werden, die elegantere Variante ist aber den Stift und die Mechanik auszubauen.
Springblendenmechanik ausbauen
 
Das Objektiv mit der Frontlinse auf eine ebene Oberfläche legen. Darauf achten, dass der vordere Objektivdeckel aufgesetzt ist. Dann den hinteren Objektivdeckel abnehmen.

Am Bajonett gegenüber dem roten Indikator für Schärfe und Blende am Objektivtubus eine Markierung anbringen. Am besten ein kurzes Stück buntes Klebeband verwenden. Diese Referenzmarkierung erleichtert später den Zusammenbau.

Schraubfilter M26,5x0,5 entfernen.

Die drei rot gekennzeichneten Schrauben mit einem Uhrmacher- Schraubenzieher (2,4mm) öffnen und Bajonett abnehmen. Darauf achten, dass der Blendenring nicht unabsichtlich abgezogen wird.

Am Bajonett befinden sich auf der Innenseite zwei kleine schwarze Schrauben, die eine Federmechanik mit dem Stift befestigen. Am Foto ist dieser Bereich rot eingekreist. Schrauben lösen, dann die Mechanik und den Stift entfernen.

Bajonett mit der Markierung gegenüber dem roten Indikator für Schärfe und Blende wieder aufsetzen. Schrauben festziehen und Adapter aufschrauben.
3. Canon EOS-Objektive besitzen eine CPU aber keine mechanischen Übertragungselemente. Die Kamera bekommt vom Zenitar-Objektiv keine Informationen über die Anfangslichtstärke, weil das Objektiv weder eine CPU noch Übertragungskontakte eingebaut hat. Bei EOS 30 und EOS 33 Kameras und vermutlich allen anderen neuen EOS-Modellen, wird "00" als Blende angezeigt und bei der Belichtungsmessung falsche Werte angezeigt. Auch diese Hürde lässt sich umgehen, allerdings wird die Verwendung des MC Zenitar-M 2,8/16mm nicht gerade komfortabler:
Belichtungsmessung für das MC Zenitar-M 2,8/16mm abgleichen

Da die Kamera die Anfangslichtstärke nicht erkennen kann, werden Belichtungswerte ermittelt, die zu unbrauchbaren Ergebnissen führen würden. Meine EOS 33 belichtet um fast 4 Blenden falsch und liefert damit Ergebnisse die weit ausserhalb des Belichtungsspielraumes für Negativfilm liegen. Mit einer relativ einfachen Kalibriermethode lässt sich aber ein Faktor für die jeweilige EOS 30/33-Zenitar-M-Kombination ermitteln:

Erforderliche Geräte: EOS 30/33, Canon-EF-Weitwinkelobjektiv, MC Zenitar-M 2,8/16mm (Non-EF-Objektiv), Normlicht-Leuchtpult und ein Stativ.

Die Grundidee ist ganz einfach: Durch Vergleichsmessung unter einheitlichen Bedingungen zwischen einem Canon-EF-Objektiv und dem Non-EF-Objektiv soll ein Korrekturfaktor ermittelt werden, der dann über die Belichtungskorrektur oder die Filmempfindlichkeit bei der Verwendung des Non-EF-Objektivs zur Anwendung kommt. Klingt sehr theoretisch, ist es aber nicht, denn den Messaufbau kann man mit einem Stativ und einem Normlichtleuchtpult in einem abgedunkelten Raum vornehmen. Dann ist nur noch ein wenig Rechenarbeit und ein Testfilm erforderlich.
Zuerst kommt die Kamera mit dem EF-Objektiv auf das Stativ und wird auf das Leuchtpult ausgerichtet. Leuchtpulte mit Leuchtstoffröhren sollten zumindest 20 Minuten vorher eingeschaltet sein, damit die Röhren die maximale Helligkeit erreichen. Die Ausrichtung muss formatfüllend sein, es darf also nur die helle Fläche des Leuchtpultes im Sucher sichtbar sein. Die Filmempfindlichkeit wird auf ISO 100 und die Belichtungsmessung auf mittenbetonte Integralmessung eingestellt. Die Belichtung wird auf M gestellt und dann werden die Zeit-/ Blendenkombinationen ermittelt und notiert.

Diesen Schritt wiederholt man mit dem Non-EF-Objektiv. Auch da wird die Kamera samt Objektiv formatfüllend auf das Leuchtpult ausgerichtet. Dann wird die Blende geöffnet und jener Wert eingestellt, den man mit dem EF-Objektiv zuvor ermittelt hat. Bei geringen Abweichungen kann man die Belichtungskorrektur verwenden, bei größeren Abweichungen verstellt man die Filmempfindlichkeit solange, bis die Kamera für die eingestellten Werte eine korrekte Belichtung anzeigt. Zur Kontrolle sollten alle vorher bestimmten Zeit-/Blendenkombinationen durchgegangen werden um die Linearität des Korrekturfaktors zu prüfen.

Als Beispiel: Beim EF-Objektiv und ISO 100 wurde 1/60 Sekunden und Blende 2,8 als richtige Belichtung ermittelt. Beim Non-EF-Objektiv musste die Filmempfindlichkeit auf ISO 8 gestellt werden, damit die Kombination von 1/60 Sekunden bei Blende 2,8 wieder als korrekt angezeigt wird.

Hat man den Korrekturfaktor für eine Filmempfindlichkeit ermittelt, ließe er sich auf rechnerischem Weg auch für jede andere Empfindlichkeit berechnen. Ich empfehle aber die am häufigsten verwendeten Empfindlichkeiten (zumindest ISO 100, 200, 400) auszutesten. Die Werte kann man sich auf ein Etikett schreiben und auf das Objektiv kleben. Das Unbequeme am Korrekturfaktor ist, dass er bei jeder Verwendung des Non-EF-Objektivs an der Kamera einzustellen ist. Es muss also vor der Verwendung z.B. des MC Zenitar-M der ISO-Wert manuell von z.B. 100 auf 8 reduziert und nach der Verwendung wieder auf 100 zurückgestellt werden. Das macht die Arbeit mühsam, ist aber der einzige Weg das Problem Belichtungsmessung zu umgehen.

Als Kontrolle würde ich noch einen Testfilm empfehlen. Ein preiswerter Diafilm ist die beste Wahl, weil er den geringsten Belichtungsspielraum hat und Fehlbelichtung sofort sichtbar werden. Bei einigen verschiedenen Motiven würde ich Belichtungsreihen (+/- 1/2 Blende) anfertigen, damit eventuelle Ungenauigkeiten des Korrekturfaktors ausgeglichen werden können.

ISO bei EF-Objektiv ISO bei Non-EF-Objektiv
50 6
100 8
160 12
200 20
320 25
400 40
800 50
1600 100
3200 400

Korrekturfaktoren für Canon EOS 33 und MC Zenitar-M 16mm. Zu beachten ist, dass diese Werte nur Anhaltspunkte sind und für jede Kombination Kamera/Objektiv individuell ermittelt werden müssen.

Die Kombination 125 / 8.0 beim EF-Objektiv muss auch beim Non-EF-Objektiv angezeigt werden. Reicht die Belichtungskorrektur nicht aus, muss die Filmempfindlichkeit verändert werden.


Bilder oben: Das Zenitar-N2,8/16mm mit Nikon-Objektivanschluß ist sogar ein AiS-Typ, wie man am Blendenring und an der gefrästen Einkerbung am Bajonett bei der 10-Uhr-Position sehen kann. Ohne Hinterlinsenfilter geht bei meinem Objektiv gar nichts, denn es lässt sich nicht auf unendlich scharfstellen.


Bild links: Das Zenitar-N2,8/16mm passt vom Design sehr gut zu allen analogen Nikon-Gehäusen, man kann es aber auch an etlichen Nikon-FX-Digitalkameras verwenden. Zum Größenvergleich rechts neben der Kamera ein Zoom-Nikkor 28-50mm/3.5 - ebenfalls ein AiS-Typ.










  Der Abschnitt zum Zenitar-N 2,8/16mm für Nikon FX stammt vom Oktober 2018.
 
zurück zur Startseite
 






 
 
 

MC Zenitar-N 2,8/16mm für Nikon FX

Das adaptierte Zenitar-Objektiv für Canon habe ich schon etliche Jahre nicht mehr, weil ich irgendwann alle Canon-EOS-Komponenten verkauft habe. Im Sommer 2018 wollte ich ein Objektiv mit einem diagonalen Bildwinkel von 180° für eine Nikon FX-Vollformatkamera anschaffen und hatte nur ein begrenztes Budget zur Verfügung. Gebrauchte 16mm-Nikkore in durchschnittlichem Zustand hat es zu diesem Zeitpunkt ab etwa 400 Euro aufwärts gegeben. Alternativen von Sigma oder das Samyang 16mm/2,8 haben ebenfalls ein Preisniveau von etwa 400 Euro, was mir zu viel gewesen ist und da kam dann wieder das Zenitar 16mm ins Spiel. Das Objektiv gibt es noch immer oder schon wieder, als Neugerät ist es nach wie vor nur aus Russland zu beziehen und es ist mit einem Neupreis inklusive Einfuhrumsatzsteuer, Zollbehandlung und Nebenkosten zwischen 160 und 190 Euro zu haben. Oder man fischt in der Internet-Bucht und holt sich ein gebrauchtes Objektiv um etwa 100 Euro im neuwertigen Zustand aus dem EU-Raum.

Angeboten werden "alte" und "neue" Versionen, die sich meiner Meinung nach nur durch die Schriftgravur am Objektivtubus unterscheiden. Was sonst noch anders am sogenannten New Design Zenitar sein soll, konnte ich nirgends in Erfahrung bringen. Vermutlich wurden vorhandene Ersatzteile zu Objektiven komplettiert und als "New Design"  bezeichnet. Irgendwie beschleicht einem auch das Gefühl, dass dieser Objektivtyp von Zenit in hohen Stückzahlen zu Zeiten der UdSSR gebaut und noch immer über ominöse Kanäle (ab)verkauft wird. Das von mir gebraucht gekaufte Objektiv stammt vermutlich aus dem Jahr 2011 und ist eine "alte" Version mit einer Verpackung im "neuen" Design. Das Objektiv hat ein Nikon-F-Bajonett, genau gesagt ist es sogar ein AiS-Typ mit der gefrästen Kerbe im Objektivbajonett nahe der Objektivverriegelung. Die Nikon-Fassung ist ausreichend genau gefertigt, kommt aber an Original- und namhafte Markenobjektive nicht heran. Das Ansetzen und Abnehmen sollte sehr vorsichtig geschehen, damit man das kameraseitige Bajonett nicht beschädigt. An Ai- und AiS-tauglichen Nikon-Gehäusen funktioniert es wie vorgesehen einwandfrei und ohne notwendigeTricks bei der Belichtungsmessung.
Alle Aussagen über das Zenitar-N 2,8/16mm beziehen sich nur auf mein Objektiv. Andere Objektive dieses Typs können, bedingt durch die mangelnde oder fehlende Qualitätskontrolle bei sowjetischen/russischen optischen Produkten der 1990er, durchaus andere Eigenschaften haben. Die Nikon-Variante dürfte hinsichtlich ihrer Eigenschaften weitestgehend der M42-Version entsprechen. Das Objektiv ist massiv gebaut. Der Blendenring lässt sich schwer drehen und ist kratzig. Der Schärfering läuft seidig und nicht zu schwer. Die Vergütung ist anfällig auf Beschädigung in Form von Putzschlieren, die sich zum Glück nur selten auf die Bildqualität auswirken. Farbsäume an den Bildrändern gibt es auch, man kann sie aber in der Bildbearbeitung kontrollieren und damit leben. Das Objektiv ist bei manchen Lichtverhältnissen relativ anfällig für Überstrahlungen, was bei einer stark gewölbten Frontlinse immer zu erwarten ist. Ohne Überstrahlungen ist das Objektiv farblich neutral mit sehr gutem Kontrast. Überstrahlungen mindern den Kontrast etwas. Bei Licht im Rücken liefert das Objektiv seine optisch beste Leistung. Der Hinterlinsenfilter ist in der Nikon-Variante obligatorisch. Fehlt er, dann kann man nicht auf unendlich scharf stellen. Die Fokussierung auf unendlich klappt bei meinem Exemplar an allen meinen analogen und digitalen Nikon-Gehäusen einwandfrei. Ich habe nicht nachjustieren müssen. Verglichen mit dem früheren M42-Zenitar für Canon gibt es auch keine Staubpartikel im Linsensystem und die Vergütung ist, bis auf eine feine Putzschliere, fehlerfrei.

Die optische Leistung ist bezogen auf den Preis exzellent. Ein gebrauchtes Nikon Ai/AiS 16mm ist besser, kostet aber vier Mal so viel wie ein gebrauchtes Zenitar-N 16mm. Da kann man mit Kompromissen leben. Bei offener Blende ist das Objektiv nur in der Mitte scharf und an den Rändern weich. Bei Blende 8 ist die Schärfe über das gesamte Bildfeld schon recht gut und wird zwischen Blende 11 und 16 richtig brauchbar. Blende 22 sollte man vermeiden, denn dann schlägt Diffraktion zu und macht das Bild wieder etwas weicher. Ich verwende das Objektiv immer im Bereich von Blende 8 bis 16, auch wenn ich für Belichtungen aus der Hand die Lichtempfindlichkeit anheben muss.

Bei der Bildgestaltung sollte man berücksichtigen, dass man am Objekt klebt, wenn man es formatfüllend abgebildet haben will. Der Horizont wird nur in der Bildmitte zu einer geraden Linie. Kippt man die Kamera treten extreme stürzende Linien auf. Das Zenitar 16mm ist durchaus für hochauflösende Digitalkameras geeignet, nur sollte man bedenken, dass alle Abbildungsfehler gnadenlos aufgedeckt werden und in der Nachbearbeitung gemildert werden müssen.

Das Zenitar-M 16mm hat deutliche Verzerrungen, die man mit entsprechender Software reduzieren kann. Ich empfehle dazu Fisheye Hemi von Imadio Software. Fisheye Hemi transformiert die Bilddaten zu echten Ultra-Weitwinkel-Aufnahmen. Erst damit wird so ein Objektiv universeller nutzbar und bleibt nicht zuhause liegen, wenn sich der Fisheye-Effekt nach zehn Bildern abgenutzt hat. Dieses Objektiv ist völlig von einer guten Nachbearbeitung abhängig, dann erzielt man ausgezeichnete Ergebnisse. Dabei ist es egal ob man einen vollständigen digitalen oder einen hybriden Workflow bevorzugt.

Fazit: Für mich ist das Zenitar-N 16mm in der digitalen Zeit wesentlich interessanter als früher, weil die elektronische Transformation zu brauchbaren Ultra-Weitwinkel-Aufnahmen und die besseren Nachbearbeitungsmöglichkeiten das Objektiv öfters zum Einsatz kommen lassen. Wer sich um 100 Euro ein gebrauchtes Zenitar-N 16mm kauft bekommt sehr viel Gegenwert für sein Geld. Vorausgesetzt die Fertigungstoleranzen wurden eingehalten ist das Objektiv durchaus eine Empfehlung für Pragmatiker die bereit sind dem Fisheye in der Bildbearbeitung auf die Sprünge zu helfen.