Minolta AF Objektive an der Sony Alpha 7R-IVa

Ein Vergleich von verschiedenen Minolta AF Objektiven und dem Carl Zeiss Vario Tessar 24-70mm an der Sony ILCE-7RM4A
Eine Sony Alpha 7R-IV ergänzt zur Zeit meinen Gerätepark. Zur Kamera habe ich das Carl Zeiss Vario-Sonnar 24-70mm/2,8 und ein Sony FE 16-35mm/2,8 GM bekommen. Das Vario-Sonnar benötigt einen LA-EA5-Adapter damit das CZ-Objektiv mit seinem A-Bajonett an die Kamera mit dem E-Bajonett angesetzt werden kann. Er funktioniert perfekt und der LA-EA5 gibt mir auch die Möglichkeit alte Minolta AF-Objektive an die Alpha 7R-IV zu montieren. Was lag näher, als in einem kurzen Test die bis zu vierzig Jahre alten Minolta AF-Objektive an einer Kamera mit einem 60-Megapixel-Sensor auszuprobieren.

An einem schönen aber kalten Wintertag habe ich mir ein für Kamera und Objektive möglichst forderndes Motiv gesucht und in einer Gartenszene mit direktem Gegenlicht auch gefunden. Die Schneedecke, das schräg von vorne einfallende Licht und die vielen feinen Strukturen lassen bei Testaufnahmen Schlüsse auf die Fähigkeiten eines Objektivs zu. Ein Labortest ist das natürlich nicht, aber eine gute Bestimmung, was so alte Objektive leisten. Ich habe nicht vor die Alpha 7R-IV immer mit den alten Objektiven zu betreiben, einzig das 70-210mm Teleobjektiv könnte als Zwischenlösung an der digitalen Kamera Verwendung finden.


Die Objektive im Vergleich:

Sony Carl Zeiss Vario-Sonnar 24-70mm/2,8 SSM
aus der ersten Serie, Baujahr ca. 2009 bis 2010

Minolta AF 28-105mm/3,5-4,5
aus der zweiten Baureihe, Baujahr ca. 1992 bis 1995

Minolta AF 35-105mm/3,5-4,5
aus der zweiten Baureihe, Baujahr ca. 1992 bis 1995

Minolta AF 35-70mm/4,0
aus der ersten Baureihe, mit großer Wahrscheinlichkeit Baujahr 1986

Minolta AF 70-210mm/4,0
aus der ersten Baureihe, mit großer Wahrscheinlichkeit Baujahr 1986

Minolta AF 50mm/1,7
aus der ersten Baureihe, mit großer Wahrscheinlichkeit Baujahr 1986

Minolta AF 20mm/2,8 aus der ersten Baureihe, Baujahr ca. 1988 bis 1992
Um eine möglichste hohe Abbildungsleistung zu erreichen, wurde der Test mit Blende 8,0 durchgeführt, bei der Objektive beim Aufnahmeformat 24x36mm in der Regel die wenigsten Bildfehler aufweisen. Es wurden keine Streulichtblenden verwendet um den schlechtesten Fall von Gegenlicht zu simulieren. An der Kamera wurde die Lichtempfindlichkeit auf ISO 400 eingestellt, weil da die ILCE-7RM4A ihre Bestform erreicht. Die Belichtungszeiten waren entsprechend kurz und der stabilisierte Aufnahmesensor verhindert zuverlässig verwackelte Bilder. Tageslicht um die Mittagszeit mag zwar keine besonders attraktive Stimmung erzeugen, die Lichtverhältnisse sind aber während der kurzen Phase des Tests gleich geblieben und das war mir wichtig. Die Belichtung ist mit Zeitautomatik nach Blendenvorwahl und der bei der ILCE-7RM4A hervorragenden Mehrzonenmessung erfolgt. Mit dem Sony LA-EA5-Adapter integrieren sich die alten Minolta-Objektive bei einigen (wenigen) Sony Kameras mit E-Bajonett fast nahtlos in das „Sony-Biotop" inklusive funktionsfähigem Autofokus. Die EXIF-Datenaufzeichnung erfolgt auch bei den alten Objektiven, was solche Tests einfacher macht. Die Datenmenge für Downloads von troeszter.net müssen überschaubar bleiben, weshalb ich im JPEG-Format fotografiert habe. Es ist möglich die einzelnen Bilder in der Voransicht zu vergrößern und mit der rechten Maustaste und „Grafik speichern unter…" die persönlich interessanten Dateien auf den Computer zu holen. Alle Downloads zusammen ergeben rund ein Gigabyte an Daten. Alle Dateien sind völlig unbearbeitet wie sie aus der Kamera kommen. Der Test ist natürlich kein repräsentativer Querschnitt durch das Minolta-Objektivprogramm der späten 1980er und frühen 1990er, aber man kann davon ausgehen, dass ähnliche Objektive aus einer ähnlichen Epoche in etwa ähnliche Resultate liefern werden.
Wer nicht den ganzen Text lesen möchte, klickt auf das Bild und kommt sofort zur Vergleichsübersicht.
Was mir auffällt: Sony kocht auch nur mit Wasser, würde man in Wien sagen. Das Vario-Sonnar 24-70mm/2.8 habe ich als Referenz bei diesem Vergleich angenommen, weil es für hochauflösende digitale Sony-Kameras gemacht ist. Auch dieses Objektiv ist nicht frei von Fehlern, wie zum Beispiel Kontrastminderung bei kurzen Brennweiten in Verbindung mit Gegenlicht. Das soll aber das Objektiv nicht schlecht machen. Tatsache ist, dass  die Alpha 7R-IV das Vario-Sonnar wie auch alle anderen Objektive fordert. Auf einem 60 Megapixel Sensor fallen Fehler eher auf als an Kameras mit weniger Auflösung. Allerdings verhalten sich die alten Minolta-Gläser besser als erwartet und sind, wenn man die Sache entspannt angeht, auch an einer hochauflösenden Digitalkamera verwendbar. Sie mögen nicht das Optimum sein, sie sind aber eine brauchbare Lösung für eine kürzere oder auch eine längere Zeit. Es kommt sehr auf die Brennweite an.
Beginnen wir mit der kürzesten Brennweite im Vergleich, dem Minolta AF 20mm/2,8, einem Objektiv, welches genau in dieser Form und Konfiguration über Jahre auch von Sony angeboten worden ist. Weitwinkelbrennweiten haben naturgemäß größere Probleme an einer Digitalkamera und bei diesem 20mm-Objektiv ist die chromatische Aberration teilweise extrem ausgeprägt. Da vermute ich, dass man die Farbsäume an den Kanten von Objekten in der Bildbearbeitung nicht mehr ganz beheben wird können. Die Bildränder sind auch bei Blende 8,0 erheblich geringer aufgelöst als die Bildmitte und das ist auch zu erwarten gewesen. Das Minolta AF 20mm/2,8  hat überraschend geringe Probleme mit Gegenlicht. Zwar gibt es Lichtflecken und einen ausgefransten Sonnenstern, hohe Kontraste werden sehr zufriedenstellend gemeistert, wohl auch weil die Qualität des Aufnahmesensors einen Teil dazu beiträgt. Speziell für eine Kamera in der Liga einer Sony Alpha 7R-IV würde ich dieses Objektiv nicht anschaffen, wenn man bereits eines besitzt, steht einer Verwendung aber nichts im Weg.
Sieht man sich die Ergebnisse der Weitwinkel-Zooms an, fällt sofort das Minolta AF 35-70mm/3,5-4,5 auf. Es hat bei dieser Szene die größten Probleme mit dem Gegenlicht in Form von farbigen Flecken und Kontrastminderung. Man wird damit rechnen müssen, dass es immer wieder flaue Bilder geben wird. Als Ausgleich fallen chromatische Aberration, allgemeine Schärfe und Auflösung positiv auf. Bei diesem Objektiv gilt der Spruch: Licht im Rücken und das Bild wird glücken. Es ist das älteste Objektiv dieser Kollektion und war das Standard-Zoom der ersten Dynax-Modelle ab der Minolta 9000. Leider sieht man das den Bildern an. Mit einem sogenannten Sony Kit-Objektiv mit E-Bajonett ist man sicher besser dran. Das Minolta AF 35-70mm/3,5-4,5 bleibt besser an einem Kameragehäuse für Kleinbildfilm.
Das Minolta AF 35-105mm/3,5-4,5 stammt aus der zweiten Baureihe der AF-Objektive und kommt mit dem Gegenlicht bedeutend besser zurande als die ältere 35-70mm-Variante. Interessanterweise ist die Auflösung bei 35mm Brennweite bescheiden und bei 105mm mäßig. Bei 50mm- bis 70mm-Brennweite ist die Welt ziemlich in Ordnung, nur darf man keine Wunder bei Auflösung und Kontrast erwarten. Das AF 35-105mm ist für mich auch keine Option an einer Kamera wie der Alpha 7R-IV und bleibt ebenfalls besser an einer Dynax-Kamera.

Angenehm überrascht war ich vom Minolta AF 28-105mm/3,5-4,5, einem Objektiv aus der zweiten Serie zu Kameras wie der Dynax 8000i oder 9i. Die Leistungen reichen an das Carl Zeiss Vario-Sonnar 24-70mm heran. Bei 35mm-Brennweite hat es, wie auch das Vario-Sonnar, Probleme mit dem Gegenlicht. Die Auflösung würde ich als für den 60-MP-Sensor ausreichend sehen und denke, dass man dessen Potenzial gut, wenn auch nicht ganz ausreizen wird können. Dieses Objektiv hat eine starke Neigung zu chromatischen Aberrationen. Die Farbsäume sind bei allen Brennweiten sehr stark ausgeprägt und man müsste austesten, ob man dieses Manko in der Bildbearbeitung eliminieren kann. Das Vario-Sonnar ist groß und schwer und für Gelegenheiten wo man Gewicht und Volumen sparen möchte, ist das AF 28-105mm eine attraktive Ergänzung mit sehr guter Bildqualität.
Um das Minolta AF 70-210mm/4,0 wird mächtig viel Wind gemacht und das als Ofenrohr oder Bierdose benannte Objektiv ist angeblich eines der besten Teleobjektive überhaupt. So jedenfalls kommt es in etlichen Internetberichten rüber, wenn die Besitzer ihre Ofenrohre über den grünen Klee loben.  Da müsste ich besonders gut mit Teleobjektiven für Minolta AF versorgt sein, denn bei mir haben sich gleich zwei dieser Wunderobjektive einquartiert. Anfangs war ich den klobigen schwarzen Metallbrocken gegenüber eher reserviert eingestellt. Nach einigen Aufnahmen reihe ich mich in die Reihe zufriedener Benutzer ein ohne mich der Lobhudelei über die sagenhaften Fähigkeiten anzuschließen. Der Schnelltest an der Sony Alpha 7R-IV hat meine bisher gemachten Erfahrungen bestätigt. Das Minolta AF 70-210mm/4,0 ist ein ausgezeichnetes Objektiv und sogar an einer sehr anspruchsvollen Digitalkamera verwendbar. Es gibt keine Brennweite, die wirklich schlecht ist. Bei Blende 8,0 ist die Bildschärfe über das gesamte Bildfeld gut mit nur unwesentlichen Schwankungen zwischen den Brennweiten. Die Empfindlichkeit auf Gegenlicht würde ich als gering bezeichnen. Dadurch treten keine Kontrastminderungen oder Flecken auf. Feine Motivteile sind schön aufgelöst. Kleine Bildteile wie zum Beispiel die Hundesicherung am Gartentor werden ausreichend detailliert wiedergegeben. Sucht man die Bilder nach Unregelmäßigkeiten ab, findet man chromatische Aberration in Form der üblichen Farbsäume und eine nachlassende Auflösung in Richtung der Bildränder. Mir kommt vor, dass diese Phänomene mit bei längeren Brennweiten zunehmen. Wie eingangs erwähnt werde ich das Minolta AF 70-210mm/4,0 als Teleobjektiv an der Sony Alpha 7R-IV einsetzen, weil ich kein hochlichtstarkes Objektiv brauche und mich die beiden vorhandenen 70-210mm-Objektive keinen Cent kosten. Sie sind auch an einer solchen Kamera ein guter Kompromiss, wenn man sie nicht jeden Tag braucht.
Zu guter Letzt noch ein ganz kurzer aber positiver Blick auf das Minolta AF 50mm/1,7. Wie viele der 50mm-Objektive handelt es sich um einen Doppel-Gauss-Typ mit einer höheren Lichtstärke. Bei offener Blende sind solche Objektive nicht unbedingt eine Offenbarung hinsichtlich der Bildqualität. Abgeblendet auf 8,0 ist dieses Objektiv an der Sony Alpha 7R-IV fast fehlerfrei. Schärfe und Auflösung sind auch am Rand sehr gut, es gibt kaum chromatische Aberration, lediglich die Anfälligkeit auf Kontrastminderung bei Gegenlicht könnte ein wenig besser sein. Das ist aber ein Meckern auf hohem Niveau und mit einer großen Streulichtblende leicht zu verbessern. Die im Objektiv integrierte kleine Gegenlichtblende ist eher gut gemeint, denn wirkungsvoll. Meinem Empfinden nach ist es das Minolta AF-Objektiv, welches am besten mit dem 60 Megapixel-Sensor harmoniert.
Fazit: Das Minolta Dynax-System hat mir schon mit Kleinbildfilm seine hohe Leistungsfähigkeit gezeigt. Ich wollte die Grenzen der betagten Objektive ausreizen und habe das mittels Testaufnahmen an einer aktuellen hochauflösenden Digitalkamera gemacht. Die alten Minolta AF-Objektive waren an der Sony Alpha 7R-IV eine weitere Überraschung für mich, weil ihre Leistungen meine persönlichen Erwartungen übertroffen haben. Selbstverständlich hat das Altglas verschiedene Beschränkungen und wenn man ehrlich ist, passt es am besten an eine Dynax-Kamera, wie zum Beispiel die von mir hochgeschätzte Dynax 9xi. An einer Digitalkamera mit einem 60 Megapixel Sensor machen sie eine gute Figur und liefern Ergebnisse, die man zumindest als brauchbar bezeichnen kann. Es kommt darauf an, wie weit man bereit ist, sich mit einer speziellen Kombination aus analogem Objektiv und digitaler Kamera zu beschäftigen, denn grundsätzlich vertragen sich Digitalkamera und die Analogobjektive sehr gut. Die alten Minolta AF-Objektive machen nur an jenen Sony-Kameras einen Sinn, wo sie ohne große Einschränkungen verwendet werden können. Das wären die Kameras aus der mittlerweile obsoleten A-Serie, wie zum Beispiel eine Alpha 900 und deren Nachfolgemodelle. Mit dem LA-EA5-Adapter können die Minolta AF-Objektive auch an Sony Kameras mit dem E-Bajonett verwendet werden, wobei die Alpha 7-IV-, 7-V-Serien meines Wissens nach auch funktionierenden Autofokus und eine hohe elektronische Integration besitzen.

 

 

 

Alle Bilddateien meines Vergleichs kann man sich in einer Übersicht ansehen. Bei Bedarf kann man sie auch in einem neuen Fenster vergrößern und für alle Pixelzähler besteht auch die Möglichkeit mit einem Klick auf die rechte Maustaste und Grafik speichern unter... eine, mehrere oder alle Dateien auf den Computer zu laden: