Polaroid Colorpack 88 und Type-100-Packfilm
Obwohl analoges Sofortbild derzeit eine gewisse Renaissance erlebt und es wieder Filme für etliche Typen von Polaroid-Kameras aus dem Consumer-Bereich gibt, hat der letzte große Hersteller von Trennbildfilmen, die Firma Fujifilm, die Produktion des FP-100C im Jahr 2016 eingestellt. Mittlerweile gibt es nur noch abgelaufene Filme, wobei nur sehr lange überlagertes Material günstig zu bekommen ist. Sonst ist eine Polaroid-Kamera für Packfilm eine teure Angelegenheit. Man sollte sich also gut überlegen, ob man überhaupt Geld in eine Polaroid Trennbildkamera investieren möchte, denn auch mit gebrauchten Kameras versuchen viele Besitzer praktisch auf den letzten Drücker Geld zu machen. Für eine Polaroid-Kamera der Serien 100 bis 400 würde ich maximal fünfzig Euro ausgeben, mehr sind solche Kameras meiner Meinung nach nicht mehr wert. Wer günstig zu uralten Packfilmen kommt und unbedingt mit Trennbild-Filmen experimentieren möchte, dem empfehle ich eine Kamera, die ursprünglich für den aktuell nicht mehr erhältlichen Film vom Typ 80 ausgelegt war. Die Polaroid Colorpack 88 wurde zwischen 1971 und 1975/76 in großen Mengen produziert und ist wegen ihrer einfachen technischen Auslegung sehr günstig zu bekommen, manchmal kriegt man sie sogar geschenkt. Wenn nicht, dann ist man für zehn bis zwanzig Euro sehr schnell Besitzer einer solchen Kamera. Mehr darf eine Polaroid Colorpack 88 nicht kosten.

Um damit die hoffentlich billig erworbenen Type-100-Packfilme verwenden zu kommen, muss die Kamera umgebaut werden. Die Umrüstung ist einfach und dauert etwa eine halbe Stunde, wenn man sorgfältig arbeitet. Nach dem Umbau können keine Typ-80-Filme verwendet werden, aber die sind (derzeit) ohnehin nicht zu bekommen. Beim Umbau entfernt man die auf der linken Seite der Kamera befindliche Kassettenhalterung für den Typ-80-Film und zwei darunter befindliche Stege, die der Planlage der größeren Typ-100-Filmkassette im Weg sind. An Werkzeug braucht man idealerweise einen großen Schlitzschraubenzieher, einen feinen Elektronik-Seitenschneider, etwas Schleifpapier mit Körnung 180 und ein Stück schwarze Samt-Klebefolie (zum Beispiel von d-c-fix). Auf der Plattform Instructables hat ein User namens Nano_Burger die Modifikation an einer Polaroid Electric Zip gut dokumentiert. Die Unterschiede zwischen der Electric Zip und der Colorpack 88 sind marginal. In der Colorpack 88 konnte nur Film mit ISO 75 Empfindlichkeit verwendet werden, sonst ist sie bis auf die Gehäusefarbe und die Modellbezeichnung mit der Electric Zip identisch. Unter dem Link: https://www.instructables.com/id/Packtasticor-How-to-use-100-Series-Film-in-an-/ kann man Details zum Umbau nachschauen.

Mit dem kleinen Umbau an der Kamera ist es aber noch nicht ganz getan, denn auch die Typ-100-Filmkassette muss bearbeitet werden. Sie lässt sich sonst nicht in die Kamera einsetzen. Auf der offenen Seite, also dort wo später die Bilder herausgezogen werden, muss man einen Streifen von der Kunststoffkassette und darunter ein Stück der Andruckplatte in der Kassette abschneiden. Danach lässt sich eine Typ-100-Packfilmkassette in der Polaroid Colorpack 88 verwenden.

Hinweis November 2020: Fujifilm hat die Produktion von Sofortbildmaterial für die Trennbildkameras von Polaroid im Jahr 2016 eingestellt. Seit Ende des Jahres 2020 gibt es mit dem ONE INSTANT des Herstellers SUPERSENSE wieder neues Instant-Filmmaterial für Farbaufnahmen ähnlich dem Fujifilm FP-100C. Die ONE INSTANT Filme sind Manufakturware mit einem entsprechenden Preis und meist einer enormen Lieferzeit aber momentan die einzige Möglichkeit die alten Packfilm-Kameras mit frischem Filmmaterial vernünftig zu nutzen. Genaue Informationen gibt es auf der Homepage von SUPERSENSE.

 

 

Dezember 2019 / November 2020




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Ich habe meine Polaroid Colorpack 88 gemeinsam mit etlichen anderen Kameras in einem Karton geschenkt bekommen. Die Schachtel ist dann einige Zeit unbeachtet in einer Ecke gestanden, bis ich mit der Begutachtung der "Schätze" begonnen habe.

Möchte man eine Colorpack 88 kaufen, dann sucht man auf Verkaufsbörsen im Internet oder stöbert auf Flohmärkten. Die sind wahrscheinlich die preiswerteste Möglichkeit um zu so einer Kamera zu kommen.

Die Bilder links zeigen eine kleine Auswahl an Angeboten einer großen österreichischen Verkaufsplattform. Dort gibt es laufend Colorpack 88 im Preisbereich bis zu 20 Euro.
Wie alle anderen Polaroid-Modelle für den Typ-80-Packfilm ist die Colorpack 88 sehr minimalistisch ausgestattet. Ein dreilinsiges Objektiv mit unvergüteten Kunststofflinsen, ein Anschluss für Blitzwürfel und das Electric Eye für die Programmautomatik mit dem Helligkeitsregler sind die wesentlichen Ausstattungsmerkmale.
Die Electric Eye genannte Messzelle regelt die Belichtung. Bei der Verwendung von Fujifilm FP-100B wird der Regler für die Bildhelligkeit auf die erste markierung in Richtung dunkel verstellt. Das ist der Ausgleich für die etwas höhere Empfindlichkeit des FP-100B (ISO 100 zu ISO 75 beim Polaroid 88).
Blickt man durch den Sucher fällt ein rotes Quadrat (Colour Spot) auf. Das ist der "Autofokus" für Portraitaufnahmen und der funktioniert so: Die Entfernung stellt man auf 1,5 Meter so wie im Bild links oben. Dann versucht man den Kopf der abzubildenden Person im roten Quadrat unterzubringen. Danach drückt man auf den Auslöser und bekommt eine den Objektivmöglichkeiten entsprechend scharfe Aufnahme. Eine supereinfache und clevere Lösung á la Polaroid.


Abseits von Portraitaufnahmen muss man die Entfernung schätzen und man tut gut daran, das so genau als möglich zu machen, weil es sonst bedingt durch das große Bildformat sehr leicht unscharfe Bilder gibt.
Ein weiteres Hightech-Detail der Colorpack 88: Der Auslöser hat keine Doppelbelichtungssperre und  ein Sofortbild kann beliebig oft belichtet werden. Bei Nichtgebrauch kann der Auslöser mechanisch verriegelt werden, damit es nicht unabsichtlich zu Mehrfachbelichtungen kommt.


Bei der Colorpack 88 und ähnlichen Modellen kann man sehr leicht verwackeln. Der mechanische Auslöser hat einen großen Hub und man spürt kaum, wenn der Verschluss ausgelöst wird. Man hört nur einen Klick und nichts weiter.
Vor dem Umbau der Polaroid Colorpack 88 noch ein Vergleich der Filmkassetten, damit man sieht, warum man sich die Arbeit antun muss:


Die beiden oberen Filmpacks sind von Typ-100-Filmen und damit deutlich breiter als die Kassette vom Polaroid-88-Film. Die mittlere Filmkassette wurde bereits gekürzt, die obere Kassette befindet sich noch im originalen Zustand.


Die Polaroid Colorpack 88 kann nur mit Packfilmen verwendet, werden die eine Empfindlichkeit von ISO 100 haben. In Frage kommen Restposten vom Fujifilm FP-100B oder vom FP-100C. Ich habe die Colorpack 88 auch mit FP-3000B getestet, wobei ich ein Stück Polarisationsfolie vor das Objektiv gehängt habe und den Regler für die Bildhelligkeit auf ganz dunkel gestellt habe. Die Ergebnisse sind brauchbar aber nicht optimal und deshalb empfehle ich keinen FP-3000B zu verwenden.
Der Kunststoff einer Polaroid Colorpack 88 ist zwischen 45 und 50 Jahre alt und Weichmacher sind aus dem Material schon weitgehend ausgedampft. Man sollte das bei allen Arbeiten berücksichtigen, weil das Material leicht bricht.

Als ersten Schritt nimmt man die Rückwand ab. Ich habe dann den Objektivtubus mit einem Knäuel Packpapier zugestopft, damit Kunststoffspäne und Schleifstaub nicht bis zum Kameraverschluss kommen.

So weit vorbereitet beseitigt man die Halterung für den Typ-80-Packfilm mit einem großen Schlitzschraubenzieher. Man stochert an der Schmalseite der Halterungen in den Zwischenraum zum Gelenk für die Rückwand und hebelt mit viel Gefühl die Abdeckung an den Seiten frei. Die Halterung ist dann nur mehr an der Breitseite mit der Kamera verbunden. Ich habe die Halterung so lange auf und ab bewegt, bis der spröde Kunststoff nachgegeben hat und abbrochen ist. Danach muss die frei gewordene Fläche nur noch geglättet werden, damit die Typ-100-Filmkassette schön plan in die Kamera eingelegt werden kann.

Das Bild zeigt meine bereits umgebaute Colorpack 88. Auf der linken Seite neben dem Etikett "Typ-100-Packfilm" ist die frei gewordene Fläche zu sehen, die ich aus optischen Gründen mit einem Stück d-c-fix-Samtfolie ausgekleidet habe. Die Modifikation ist wirklich einfach, da braucht es eigentlich keine weitergehende Dokumentation, nachlesen kann man sie wie bereits erwähnt bei Instructables.
Die Veränderungen an der Filmkassette beschränken sich auf das Abschneiden von zwei Kunststoffteilen. Im Bild links sieht man einen rot unterlegten Bereich, der weggeschnitten gehört. Die richtige Breite ist ganz einfach zu bestimmen. Man misst 15mm vom Filmfenster nach links, zieht eine Linie und schneidet den Kunststoff entlang dieser Linie ab.

Bei mir passt die Kassette danach noch immer nicht in die Kamera. Schuld daran ist ein Teil der Filmandruckplatte. Der rote Pfeil im Bild rechts zeigt auf den entsprechenden Bereich, der bei gefüllter Filmkassette vom Filmmaterial verdeckt ist. Man kann die Kunststoffnase bei Tageslicht mit einem feinen Elektroniksceitenschneider wegzwicken, wenn man die Laschen am Filmmaterial vorsichtig zur Seite biegt. Bei mir hat das bisher immer gut geklappt.












So clever die Instant-Produkte von Polaroid und Fujifilm auch sein mögen, systembedingt gibt es beim Trennbildfilm einen Hauptschuldigen für schlechte Bildqualität. Im Bild unten sieht man Chemiereste auf einer der Stahlwalzen. So eine Verkrustung sorgt für weisse Flecken, Schlieren und ungleichmässige Farben auf den Bildern. Die Verkrustungen müssen ständig im Auge behalten werden und treten immer wieder auf. So wie auf dem Bild sehen die Stahlwalzen nach zwei Filmen á zehn Bildern aus. Die richtige Reinigung erfolgt mit einem spülwasserbefeuteten Tuch. Die Einheit mit den Walzen kann man auch in Wasser einweichen, dann lassen sich die Ablagerungen leicht entfernen. Aceton oder schärfere Lösungsmittel braucht man nicht.