Die Garmin GPS 12-Serie und der Garmin 12CX
Bei der Garmin GPS 12-Serie handelt es sich um die ersten preiswerten GPS-Empfänger mit einem 12-Kanal-Empfangsteil. Vorgestellt wurde die Geräteserie im Jahr 1997 mit dem GPS 12 und GPS 12XL, später wurde die Reihe um den GPS 12CX und den GPS 12MAP ergänzt und ein paar Jahre lang waren diese Geräte die wichtigsten Garmin-Produkte für den Massenmarkt. Vergleicht man sie mit dem älteren GPS 45 oder dem GPS 95XL ist die technische Weiterentwicklung sofort spürbar. Die GPS 12-Serie-Geräte brauchen wesentlich weniger Zeit bis zur ersten Positionsbestimmung nach dem Start und behalten den Empfang unter schwierigen Bedingungen, zum Beispiel in einem dichten Wald, länger als die älteren Modelle.
 
Drei Jahrzehnte später haben die vier Geräte nur mehr als Backup zum Beispiel im Kleinflugzeug oder auf einem privaten Boot eine Existenzberechtigung. Sinnvoll nutzen kann man sie nur in Verbindung mit exakten Papierkarten wenn man die zur Navigation notwendigen Kenntnisse besitzt. Vielleicht könnte man sie noch immer für das Geocaching verwenden, am ehesten landen sie aber in der Sammlung eines Technikbegeisterten. Die drei Jahrzehnte dauernde technische Entwicklung hat die GPS 12-Serie überrollt, trotzdem sind die alten Navigationsgeräte noch immer ein faszinierendes Stück Technik. In meiner Sammlung befinden sich mittlerweile zwei Stück GPS 12 und ein Stück GPS 12XL. Alle Geräte sind derzeit (wieder) uneingeschränkt funktionsfähig. In einem Bericht kann man nachlesen wie man störrische Flüssigkristallanzeigen wieder zu einer einwandfreien Funktion bringt. Bei allen drei Geräten war das die Problemzone, die es irgendwie zu beseitigen gab.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Navigations-Quartett der späten 1990er-Jahre: Garmin GPS 12, GPS 12XL, GPS 12CX und GPS 12MAP.
Einen Prospekt zur GPS 12-Serie mit den wichtigsten technischen Daten kann man hier herunterladen.
 
 
 
 
Einen kurzen Bericht zum Garmin GPS 12CX habe ich von 2002 bis 2026 auf troeszter.net verfügbar gehalten. Im Zuge der Beschäftigung mit einem Garmin GPS 12XL habe ich die Seite über den GPS 12CX zu einer Seite über die GPS 12-Serie umgestaltet. Die Informationen zum GPS 12CX habe ich ein letztes Mal überarbeitet. Den Bericht und Downloads zur GPS 12-Serie finden Sie hier im Anschluss.
Ein Gerät mit vielen Funktionen aber noch ohne integrierte Detailkarten. Die Ausstattung entspricht in weiten Bereichen dem GARMIN GPS II+ und ist somit tadellos und komplett, das Gerät hat ebenfalls die aus dem GPS II+ bekannte Datenbank mit den Koordinaten von etwa 30.000 Städten weltweit eingebaut, die eine nähere Betrachtung verdient. Der Hersteller nennt diese Datenbank „City Point Database" und bietet dabei verschiedene Versionen an. Den 12CX gibt es zum Beispiel in 6 verschiedenen Varianten zu kaufen, je nachdem wo sich der Benutzer überwiegend aufhält. Die Version 12CX Europe enthält zwar weltweit große und mittelgroße Städte, in Europa findet man aber auch kleinere Städte und Orte. Die Version 12CX North America hat diesen Schwerpunkt, wie könnte es anders ein, eben in Nordamerika. Damit umgeht der Hersteller erstens das Problem der Speicherkapazität im Gerät und zweitens das Problem der „Gerätewanderung". Der Benutzer soll das Gerät dort kaufen, wo er lebt. Der Einkauf per Internet in wechselkursgünstigen Regionen außerhalb des eigenen Kontinents wird so zwar nicht unmöglich, wegen der nicht ganz optimalen Datenbank aber nicht wirklich interessant. Die Datenbank kann zwar vom Hersteller umprogrammiert werden und das kostet Geld, Porto und Zeit. Ich verwende ein Gerät in der Europa-Version bei dem der Datenschwerpunkt in einem Bereich von W 25 bis Ost 55 und N 30 bis N 75 liegt. Das bedeutet, dass alle größeren Städte und Orte von Island im Westen bis Weissrussland im Osten bzw. vom nördlichen Algerien im Süden bis Schweden/Norwegen im Norden erfasst sind. Damit kann man gut das Auslangen finden, denn für Touren ausserhalb Europas abseits der Touristenpfade empfiehlt sich ohnehin die Anschaffung exakten Kartenmaterials.
 
Die Bedienung der Datenbank ist einfach: Das Menu „Find City" aufrufen, die Stadt eingeben und der GPS-Navigator zeigt die gefundenen Sädte mit verschiedenen Informationen an. Neben Den Koordinaten gibt es auch noch die Entfernung von der aktuellen Position zur gesuchten Stadt, das Land in dem die Stadt liegt und natürlich auch die Richtung auf dem Kompass. Möchte man zur gesuchte Stadt navigieren, dann wird auf Knopfdruck die Stadt in die Wegpunkte-Liste übertragen. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass man nur jene Wegpunkte im Gerät speichert, die man immer wieder braucht. Wird eine von der Gerätedatenbank übernommene Stadt nicht mehr als Wegpunkt benötigt, löscht man sie wieder, denn man kann sie jederzeit wieder aus der Datenbank importieren.

Auf dem grafischen Kartendisplay werden aber je nach Zoomfaktor die in der Gerätedatenbank gespeicherten Städte ebenfalls angezeigt. Dadurch ist nicht nur bei Langstreckennavigation eine sehr gute Orientierung möglich. Man hat permanent die Übersicht wo man sich befindet und wo es größere Städte gibt. Das ersetzt zwar keine gute Karte, bietet aber zum Beispiel bei Treibstoffberechnungen gute Anhaltspunkte.
Ein weiteres Feature des GARMIN 12CX ist eine dreifarbige LCD-Anzeige. Nützlich, weil man verschiedenen Wegpunkten verschiedene Farben zuordnen kann bzw. verschiedene Funktionen farbig angezeigt bekommt. Ebenfalls ausreichend der Speicher: Der 12CX kann 1.000 Wegpunkte abspeichern, eine Menge, die auch professionelle Anwender kaum ausreizen dürften. Der Garmin GPS 12CX ist wie alle Garmin GPS 12-Geräte kompakt und leicht. Die Produktion des 12CX ist spätestens im Jahr 2002 eingestellt worden, es sind in Europa vergleichsweise geringe Stückzahlen verkauft worden und aus diesem Grund ist der Garmin GPS 12CX heute ein sehr selten angebotener GPS-Oldtimer.

Zum Schluss ein paar Erinnerungen an meinen GPS 12CX: Hinsichtlich Startverhalten und Empfangsleistung war zumindest bei meinem 12CX alles im grünen Bereich. Die Startphase ist bei gutem Satellitenempfang erstaunlich rasch abgelaufen und nach nicht ganz einer Minute war die erste Positionsbestimmung verfügbar. Bei schlechtem Satellitenempfang in einer Innenstadtgasse hat der  Vorgang deutlich länger gedauert, da waren Wartezeiten bis zu drei Minuten üblich. Eine externe Antenne hat die Empfangsleistung im Auto deutlich verbessert, war aber nur in Fahrzeugen eine sinnvolle Ergänzung. Nach einer Positionsbestimmung hat der GARMIN 12CX auch in dicht verbautem Gebiet keine nennenswerten Empfangsprobleme gezeigt. Die Batterielebensdauer war mit 20 Stunden beim 12CX recht ordentlich, die in der Betriebsanleitung genannten sechsunddreißig Stunden habe ich nie erreichen können. Positiv am GARMIN 12CX: Man konnte das Gerät in die meisten Universalhalterungen für die damaligen Mobiltelefone einhängen und man hat sich bei der Verwendung im Auto eine zusätzliche Halterung erspart.
 
Das führt uns zu einem Beispiel, wie man im Jahr 1999 mit einem GPS-Empfänger ohne eingebaute Detailkarte im Auto navigieren musste. Die Geschichte beginnt damit, dass mein bester Schulfreund "nach Amerika geheiratet hat", wie man in Wien sagt. Er wohnt seit Mitte der 1990er-Jahre in der Metropolregion einer Großstadt im Süden der USA und auf Grund von Familienzuwachs wurde 1999 ein größeres Haus in einer völlig anderen Gegend bezogen. Das war natürlich wieder ein Grund in die USA zu reisen und mir unter anderem die Sehenswürdigkeiten der Antebellum-Ära anzusehen. In einer für mich unbekannten Gegend ungefähr sechzig Kilometer vom internationalen Flughafen entfernt wollte ich ich den neuen Familienwohnsitz finden ohne dabei, wie vorher prognostiziert, vier Stunden unterwegs zu sein. Dazu musste ein Wegpunkt generiert und in den GPS 12CX eingegeben werden. Im Internet hat es damals keine Online-Kartendienste im heutigen Sinn gegeben. Man war genötigt Koordinaten selbst aus Karten zu errechnen. In meinem Fall habe ich eine bezogen auf US-amerikanische Verhältnisse genaue Straßenkarte, eine VFR-Karte für die Metropolregion und eine gedruckte Karte des Welcome-Centers des betreffenden Vorortes zur Verfügung gehabt. Ein Maßstab war überall vorhanden, ebenso ein Koordinatengitter. Genug um daraus mühsam mit vielen Messungen und noch mehr Berechnungen den vermeintlich exakten Wegpunkt zum Haus meines Freundes zu generieren. Der wurde in das GPS 12CX einprogrammiert und zusammen mit einer ausgedruckten detaillierten Wegbeschreibung habe ich mich vom Flughafen mit dem Mietwagen auf den Weg gemacht. Die Kompass-Seite war dabei die beste Unterstützung, hat mir aber die Richtung und Distanz zum Wegpunkt nur in direkter Linie anzeigen können. Man ist quasi dem Pfeil hinterher gefahren und hat die Annäherung an den Wegpunkt verfolgt. Ist der Eindruck entstanden, man würde nicht mehr auf der "Zielgeraden" unterwegs sein, ist man abgebogen. Das hat das eine oder andere Mal nicht wirklich gut funktioniert. Auf den Interstates und Highways ist man schnell weitergekommen, im Stadtgebiet und immer näher am Ziel, hat man meist gleich mehrere Ehrenrunden gedreht. Angekommen bin ich relativ bequem nach drei Stunden Fahrt, obwohl der von mir berechnete Wegpunkt in der Luftlinie zwei Kilometer Abweichung vom tatsächlichen Ziel hatte. Die gedruckte Wegbeschreibung hat die Ungenauigkeit auf den letzten Kilometern ausgeglichen...
 
 
 
 
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Juni 2002, ergänzt Jänner 2014 und neu bearbeitet im August 2026
 
 
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